Promi-Faktor 0, Hoffnungsfaktor 10 Oscar Schönfelder will sich bei Werder und in Bremen bekanntmachen

Gegen Sandhausen sorgte Oscar Schönfelder mit seiner Vorlage für den späten Ausgleich und trat so erstmals richtig in Erscheinung bei Werder. War das der Startschuss für seine Werder-Karriere?
09.11.2021, 19:46
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Carsten Sander

Das erste Mal, dass er so richtig in Erscheinung trat, war in Sandhausen. 1:2 lag Werder Bremen im Spiel bei dem Provinzclub zurück, dem Bundesliga-Absteiger drohte die nächste Blamage. Bis Oscar Schönfelder in der Nachspielzeit auf der linken Seite an den Ball kam und in die Mitte passte. Genau auf Niclas Füllkrug, der die Vorlage zum späten Ausgleich verwertete. Die Blamage war abgewendet, Bremen zudem ein bisschen glücklicher. Und einer, der sich bis dahin bei Werder nur unter dem Radar bewegte, hatte daran entscheidenden Anteil. Wie sich das angefühlt hat? Na wie schon? Großartig natürlich, sagt Schönfelder: „Es war ein überwältigender Moment.“

Vielleicht wird Oscar Schönfelder über diesen Moment einmal sagen, dass er für ihn der Startschuss in seine Werder-Karriere war. Mit reichlich Verspätung zwar, weil erst 16 Monate nach seiner Verpflichtung, doch tatsächlich scheint mit dem Sandhausen-Einsatz  und den folgenden Einwechslungen gegen den FC St. Pauli und den 1. FC Nürnberg ein wichtiger Schritt getan zu sein für den 20-Jährigen. „Ich bin megahappy darüber, dass ich jetzt nach und nach meine Chancen bekomme“, sagt der Linksaußen in einer Medienrunde, die für ihn die erste als Spieler des SV Werder ist. Er absolviert sie mit einer gewissen Lockerheit und Freude, lacht viel. Aber klar: Es gibt da auch den Blick zurück in eine Zeit, als Unzufriedenheit sein Leben bestimmte.

Schönfelder fasst es als „schwierigen Start“ zusammen, was ihm nach seiner Verpflichtung im Sommer 2020 widerfuhr. Aus der U19 von Mainz 05 hatte Werder ihn geholt. Doch gerade erst in Bremen angekommen, zog er sich im Training der U 23 eine Sprunggelenksverletzung zu. Nichts furchtbar Wildes, aber doch „die schwerste Verletzung, die ich bisher hatte“, erklärt Schönfelder. Er fiel ein paar Wochen aus, tastete sich dann mit Kurzeinsätzen in der Regionalliga heran. Dann kam der Lockdown, der Saisonabbruch in Liga vier, und Schönfelder war für die Profis noch nicht gut genug. Was bedeutete: Er verharrte gezwungenermaßen im Nichtstun, statt die Karriere voranzutreiben. „Ich war schon sehr unzufrieden“, bekennt er im Rückblick: „Es war nicht immer ganz einfach, mit der Situation umzugehen.“

Freunde und die Familie hätten ihm geholfen. Er selbst blieb dran. Mit dem Erfolg, dass er bei Trainer Markus Anfang nach und nach an Bedeutung gewinnt. Die Einwechslungen in den vergangenen Spielen zeigen, dass Schönfelder sein Standing verbessert hat. Mittlerweile wird er eingewechselt, wenn der Coach über die linke Seite mehr Druck erzeugen will. Nicht Eren Dinkci oder Roger Assalé. „Die Seite muss hoch und runter bespielt werden. Oscar habe ich gebracht, weil ich einen Linksfuß haben wollte, der Flanken schlägt“, erklärte Anfang in Nürnberg den Einsatz des 20-Jährigen. Selbstbewusst sagt auch Schönfelder: „Ich bin ein Typ, der über Tempo und Eins-gegen-eins-Situationen kommt. Das kann der Mannschaft helfen in Situationen, in denen wir im Rückstand sind – wie gegen Sandhausen mit dem Assist.“

Auf noch sehr bescheidene 42 Minuten addieren sich die bisherigen Einsatzminuten für Schönfelder – da sind die drei Minuten im DFB-Pokal gegen den VfL Osnabrück, seiner Premiere im Profi-Team, schon eingerechnet. Der in Berlin geborene, aber in Frankfurt am Main aufgewachsene Jung-Profi weiß natürlich, dass er sich darauf nichts einbilden kann. Was er auch gar nicht will. Schönfelder wirkt gut geerdet, wenn er sagt: „Ich bin vor einem Jahr mit vielen Erwartungen hergekommen, wurde dann aber ein bisschen enttäuscht. Jetzt fühle ich mich hier gut angekommen. Ich bin sehr glücklich, wie es bisher in dieser Saison gelaufen ist und hoffe, dass sich meine Einsatzzeit stetig steigert.“
Dass aufgrund der Umstellung auf eine Doppelspitze für einen Linksaußen wie ihn die Chancen auf Einsätze von Beginn an weiter gesunken sind, könnte für Oscar Schönfelder ein Thema sein, ist es aber nicht. Wenn es verlangt wird, dann würde er auch näher an die Dreierkette heranrücken. „Ich mag diese Position. Es macht Spaß, die linke Seite hoch und runter zu bespielen“, erklärt er und beteuert, dass er das eine wie das andere beherrsche: „Ich fühle mich da genauso wohl wie in der Dreierspitze.“

Dass er um sich herum jede Menge Konkurrenten hat – von Leonardo Bittencourt über Romano Schmid bis Dinkci und Assalé – schockt Schönfelder nicht. Jedenfalls sagt er das: „Das gibt mir nur noch Extra-Motivation.“
Und privat? Es lässt sich leicht vorstellen, dass es kein großer Spaß war, als 19-Jähriger alleine in eine neue Stadt zu ziehen und im Corona-Lockdown genau einer Freizeitbeschäftigung nachgehen zu können: rumsitzen. Mittlerweile ist Schönfelder dabei, die Stadt zu erkunden. Er kann das noch machen, ohne erkannt zu werden. Denn wenige Minuten Zweitliga-Fußball steigern den Promi-Faktor nicht gerade sprunghaft. Schönfelder grinst und sieht das Steigerungspotenzial: „Ab und zu werde ich auf der Straße erkannt, aber oft kommt es nicht vor. Ich hoffe aber, dass ich auf dem Platz noch ein paar gute Eindrücke hinterlassen kann, damit mich noch mehr Leute erkennen.“ 

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+