Porträt „Werder besser machen“: Was Tarek Brauer als Geschäftsführer vorhat

Seit über elf Jahren ist er schon bei Werder Bremen – und das in leitender Funktion. Doch Tarek Brauer hielt sich bislang eher im Hintergrund auf. Nun ist der 44-Jährige in die Geschäftsführung aufgestiegen.
28.09.2022, 18:59
Lesedauer: 4 Min
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Von Björn Knips

Besprechungsraum im Weserstadion. Dort hat Tarek Brauer schon oft gesessen, doch wohl noch nie ging es dabei so sehr um ihn persönlich wie jetzt. Unsere Deichstube möchte wissen, wie der neue Geschäftsführer des SV Werder so tickt. Da muss Brauer schmunzeln. Er wirkt alles andere als nervös, vielmehr souverän und offen. „Ich lebe mit meiner Familie südlich von Hamburg – quasi in einem Vorort von Bremen“, grinst der Jurist. Die Entfernung nach Bremen sei kein Problem. „Das hat sich eingependelt, ich fahre viel mit der Bahn und dem Rad. Zudem übernachte ich terminlich bedingt regelmäßig in Bremen.“ 

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Als Geschäftsführer dürfte Brauer nun noch etwas mehr in Bremen gefordert sein – auch außerhalb der üblichen Dienstzeiten, wenn repräsentative Aufgaben anstehen. Doch damit wird er kein Problem haben. „Nach elf Jahren ist es weit mehr als ein Job für mich. Werder hat für mich etwas von einem Heimathafen. Wenn ich hier herkomme, verspüre ich eine große Leidenschaft, mit den Kolleginnen und Kollegen etwas zu erreichen, Grenzen zu verschieben. Ich fühle mich bei Werder unglaublich wohl“, schwärmt Brauer. Die neue Aufgabe sei eine große Wertschätzung und Herausforderung. „Für mich ist das ein wichtiger Schritt, um jetzt in der ersten Reihe noch unmittelbarer mitzugestalten. Ich will Werder besser machen. In dieser Position habe ich dafür einen anderen Gestaltungsspielraum als vorher.“

Um Verbesserung ging es Brauer schon immer in seiner beruflichen Karriere. Nach dem erfolgreichen Jura-Studium zog es ihn ins Ausland, erst nach London, dann nach Krakau. „So kommt man raus aus seiner Komfortzone. Ich habe immer wieder versucht, mich selbst zu challengen – auch durch berufliche Weiterentwicklung mit Zertifikaten oder durch Studiengänge. Lebenslanges Lernen ist ein Credo von mir.“ 2007 entschied sich Brauer ganz bewusst für eine Anstellung bei der Kanzlei CMS Hasche Sigle in Hamburg, weil diese auch im Sport unterwegs war und zum Beispiel die Klitschko-Brüder vertrat. „Da habe ich Vertragsrecht rauf und runter gemacht.“

Brauer drängt ins operative Geschäft 

Doch nach gut vier Jahren reichte ihm das nicht mehr. Brauer wollte ins operative Geschäft. Da kam die Information, dass Werder einen Justiziar sucht, gerade recht. „Ich kannte zwar niemanden im Verein, hatte aber trotzdem eine gewisse Verbindung“, sagt Brauer. Und dann erzählt er von den Leiden eines jungen Hannoveraners Anfang der 1990er-Jahre. In seinem Geburtsort gab es zu der Zeit nur Zweitliga-Fußball.

„Wenn mein Vater Sportschau geguckt hat, wollte ich für eine Mannschaft sein.“ Und da sorgte dann ein gewisser Andreas Herzog für grün-weiße Gefühle. „Er hat den Ball aus 25 Metern in den Winkel geschweißt. Das fand ich so großartig, dadurch entstand eine Affinität zu Werder.“ Brauer spielte damals selbst kein Fußball, sondern Tennis und Handball – im Tor wohlgemerkt. Heute lässt er es ruhiger angehen, kümmert sich im Fitnessstudio um seinen Rücken und hofft, dass seine beiden Söhne (drei und neun Jahre) mit ihm mal Tennis spielen.

Brauer baute Personalabteilung mit auf 

Bei Werder bekam Justiziar Brauer schnell den Bereich Personal dazu. Klaus Filbry, der damals ebenfalls noch recht neue Geschäftsführer Finanzen, hatte dem Club einen Strategieprozess verordnet. Dazu gehörte auch der Aufbau einer Personalabteilung, die es bis dahin nicht gegeben hatte. 2013 wurde Brauer ganz offiziell Direktor Recht und Personal.

Seit vier Jahren ist der Jurist nun auch intensiv in Spielertransfers involviert, führt gemeinsam mit Sportchef Frank Baumann und Clemens Fritz (Leiter Profifußball) die Verhandlungen. „Wichtig ist, Verhandlungen unter Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven – sportlich, wirtschaftlich und juristisch – vorzubereiten. In den Gesprächen gehört auch eine gewisse Rollenverteilung zum professionellen Verhandlungsmanagement dazu, aber da bin nicht immer nur ich der Bad Cop“, schmunzelt Brauer: „Auch Frank und Clemens beherrschen die unterschiedlichen Rollen sehr gut.“ Dabei sei weniger der Kontakt zu den Profis spannend, sondern vielmehr die gemeinsame Arbeit, Transfers und Verträge bestmöglich für den Verein abzuschließen. „Gute Ergebnisse zu erzielen und damit einen relevanten Beitrag zu leisten, das macht schon Spaß.“

2020 rückte Brauer in die Geschäftsleitung auf. Krisenerprobt ist er nach Abstieg und Pandemie in den letzten zwei Jahren. Nach dem direkten Wiederaufstieg hat Brauer klare Vorstellungen, was am Standort Bremen möglich ist. „Wir sind ein fester Bestandteil der Bundesliga und wollen das auch bleiben. Und wir müssen den Anspruch haben, mittel- und langfristig nicht nur den Klassenerhalt zu feiern. Das geht aber nur Stück für Stück, da sollten wir realistisch bleiben.“ Ein Investor könne da sicher helfen. „Aber der muss unsere Werte respektieren, darf nicht unsere Identität verändern und sollte nicht allein renditeorientiert sein“, fordert der neue Geschäftsführer. Nur gibt es so einen Investor überhaupt? „Zurzeit noch nicht. Aber es ist unser Anspruch, den passenden Partner zu finden.“

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Brauer klingt dabei sehr zielstrebig, aber auch nicht so, als wolle er in seiner neuen Rolle zu sehr vorpreschen und die Kollegen Filbry, Baumann und Hess-Grunewald unter Druck setzen – zumindest nicht öffentlich. Sein Geschäftsführerposten trägt den Untertitel „Organisation & Personal“. Dabei will er Werder als Arbeitgeber noch attraktiver machen, um gutes Personal zu halten und zu bekommen. „Wir wollen eine Leistungskultur, in der es Spaß macht, sich mit voller Motivation einzubringen, um gemeinsam Ziele zu erreichen und Erfolge zu feiern.“ Brauer ist auch für die Liegenschaften zuständig – inklusive des Leistungszentrums. Das muss dringend erneuert werden. „Mein Wunsch ist es weiterhin, das in der Pauliner Marsch zu verwirklichen.“ Er setzt dabei auf das laufende Moderationsverfahren mit den Anwohnern. Über einen Plan B mag er noch nicht sprechen. 

Typisch Jurist wählt Brauer seine Worte eben oft sehr sorgsam, aber keineswegs durch eine übermäßige Zugabe von Fachbegriffen unverständlich. Der 44-Jährige kann sich gut erklären und hat ganz offenkundig auch kein Problem damit, jetzt mehr im Rampenlicht zu stehen. Da hat einer mit Werder Karriere gemacht und will mit dem Club erfolgreich sein.

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