Aus Ärger über Bode Werder-Aufsichtsrat Krohne tritt mit sofortiger Wirkung zurück

Thomas Krohne ist nicht mehr Mitglied des Aufsichtsrats bei Werder Bremen. Der 59-Jährige reagiert damit auf die Äußerungen von Marco Bode, der zuvor eine Trennung von Frank Baumann ausschloss.
17.08.2021, 15:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Carsten Sander

Thomas Krohne hat sein Mandat als Mitglied des Aufsichtsrates mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Der 59-Jährige reagiert mit diesem Schritt auf das Verhalten des Aufsichtsratsvorsitzenden Marco Bode, der am Sonntag eine Trennung von Sportchef Frank Baumann ausgeschlossen hatte, nachdem einige Fans während des Spiels gegen den SC Paderborn lautstark den Rauswurf des Geschäftsführers gefordert hatten.

Krohne sieht in Bodes Handeln einen Alleingang und einen Vertrauensbruch. „Es ist für mich als noch amtierendes Aufsichtsratsmitglied (…) nicht akzeptabel und nachvollziehbar, wenn der Vorsitzende unseres Gremiums öffentlich gegenüber der Presse weitere Schritte gegen den Sportchef ausschließt, ohne dass dies zuvor mit allen Mitgliedern des Gremiums bezogen auf den aktuellen Anlass diskutiert worden ist“, erklärt Krohne in einer Mail an die Redaktion der DeichStube: „Das Vertrauen in ein transparentes und demokratisches Miteinander, das unabdingbare Voraussetzung für die weitere Zusammenarbeit im Aufsichtsrat wäre, gerade angesichts der aktuellen Situation von Werder, ist bei mir nicht mehr gegeben.

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Die Entscheidung des in der Sport- und Medienbranche tätigen Unternehmers kommt einerseits überraschend, denn Krohne gehört zu jenen vier Aufsichtsräten, die sich bei der Mitgliederversammlung am 5. September ohnehin nicht erneut zur Wahl gestellt hätten. Dass er nun nur wenige Tage vor dem Ende seines Mandats vorzeitig das oberste Kontrollgremium des Vereins verlässt, zeigt andererseits, wie tief der Graben zwischen ihm und Marco Bode sein muss. Aus Krohnes geht deutlich hervor, dass er sich nach dem Abstieg mehr Veränderungen bei Werder gewünscht hätte, sie sogar für absolut notwendig gehalten hätte.

Krohne spricht aber von „fehlender Veränderungsbereitschaft“ und „großen Beharrkräften“, die seinen Gedanken und Ideen zur Modernisierung des Clubs den Weg versperrt hätten. Nach dem Abstieg hätte es „in keinem Bereich“ des SV Werder ein „Weiter so“ geben dürfen. „In jedem Unternehmen hätte eine solche Entwicklung klare Konsequenzen für diejenigen, die für eine solche Situation aufgrund ihrer Funktion und Handlungen verantwortlich sind“, schreibt Krohne, der seit 2016 dem Aufsichtsrat angehört. Doch bei Werder blieb und bleibt die komplette Geschäftsführung im Amt – inklusive Frank Baumann. Die von Bode bekundete, aber nicht abgestimmte Treue zu ihm war nun für Krohne der auslösende Grund, den Schlussstrich zu ziehen. Bode hatte am Sonntag unmittelbar nach dem Spiel gegen Paderborn eine kurzfristige Trennung von Baumann ausgeschlossen.

Auf Nachfrage unserer Deichstube zeigte sich der Chef des Aufsichtsrats am Dienstagmittag „überrascht“ von Thomas Krohnes Entschluss: „Ich muss das zur Kenntnis nehmen und finde den Schritt bedauerlich. Zu den Inhalten seiner Erklärung möchte ich mich aber nicht äußern.“ Nur soviel: „Ich habe eine andere Sicht auf die Dinge als Thomas.“ Bode bestätigte aber, dass er sich für seine Pro-Baumann-Aussage keinen Beschluss des Aufsichtsrates besorgt hat. Aktuell auf der Pro-Baumann-Linie zu bleiben, hält der 51-Jährige indes für absolut richtig. Kurz vor dem Ende der Transferperiode und kurz vor den Wahlen zum Aufsichtsrat noch eine Personalentscheidung dieser Tragweite zu treffen, würde „absolut keinen Sinn“ machen, argumentiert Bode.

Dass sich bei Thomas Krohne in fünf Jahren Arbeit im Aufsichtsrat eine Menge Ärger angesammelt hat, lässt sich seiner Erklärung leicht entnehmen. Offenkundig desillusioniert verlässt der gebürtige Bremer das Gremium – und hinterlässt noch diese Botschaft: „Einen Neuanfang für Werder Bremen kann es nur geben, wenn der echte und feste Wille für Veränderungen da ist. Diesen Willen sehe ich nicht.“

Der freigewordene Posten im Aufsichtsrat wird bis zur nächsten Hauptversammlung durch Philipp Mehrtens besetzt. Der Präsident des Bremer Leichtathletik-Verbandes wurde 2016 zum ersten Ersatzkandidaten gewählt und rückt nun nach. Am 5. September wählt die Mitgliederversammlung des SV Werder vier neue Köpfe für den Aufsichtsrat. Ob er dann zu den Kandidaten gehören wird, ließ Mehrtens, im Hauptberuf Geschäftsführer eines im Bereich Digital Learning und Personalentwicklung tätigen Unternehmens, auf Nachfrage offen: „Dazu möchte ich nichts sagen. Ich möchte der Bekanntgabe der Kandidaten durch den Wahlausschuss nicht vorgreifen.“

+++ Der Text wurde um 18.25 Uhr aktualisiert +++

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