Die Bundesliga-Kolumne von Daniel Boschmann

Der SV Werder Bremen darf nie egal werden

Daniel Boschmann macht sich Sorgen um Werder. Der Abstieg drohe zwar nicht, doch sein Lieblingsverein könnte im Niemandsland der Bedeutungslosigkeit versinken, schreibt der TV-Moderator in seiner Kolumne.
29.01.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Daniel Boschmann

Ich sitze seit einer geschlagenen Stunde an meinem Rechner und suche verzweifelt meine Fan-Seele nach einem Gefühl zum Schalke-Spiel ab. Erfolglos. Irgendwie bin ich leer. Bislang gibt‘s keine Häme von den Jungs in den Chat-Gruppen. Kein „das Spiel kannst du nur verlieren“. Selbst nach dem 4:1 gegen die Hertha − gar nichts. Kein Lob, keine Kritik. Nicht einmal von meinem Nachbarn. Der ist Hardcore-Hertha-Fan! Einfach nichts.

Wenn es nicht einmal mehr für fiese Sprüche reicht, dann bist du im grauen, irrelevanten Niemandsland angekommen. Bei genauerer Betrachtung ist das das Allerschlimmste für einen Fan. Bitte nicht falsch verstehen! Auch ich weiß, dass ein erneuter Abstiegskampf für mein Herz eher kontraproduktiv wäre. Ich weiß von der prekären derzeitigen Lage des Vereins und niemals würde ich einen Werder-Abstieg verkraften − aber egales Mittelfeld ist wirklich zum Kotzen.

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Ich habe Angst davor, dass „mein“ Verein, der immer für Spektakel, Sensationen und Wunder stand, der aufgrund der queren Art und des Offensivgeistes die Sportart feierte, egal wird. Dabei lief in einigen Spielen vieles besser als erwartet. Nur musst du dann gegen Gladbach und Leverkusen auch viel mehr mitnehmen. Dafür reicht es leider aktuell nicht.

Jetzt kommt das Duell mit Schalke. Ich sehe Werder schon wieder als den barmherzigen Samariter, der den Totgesagten die wärmende, rettende Decke eines Auswärtssieges schenkt. Klassiker. Während Schalke sich mit Kolasinac und Huntelaar emotionale Vergangenheit kauft, hat Werder weder was Spannendes im Schaufenster noch haben wir einen überraschenden Zugang. Auch hier fehlt mir der emotionale Kick. Keine Kohle, keine Zukunft? Werder fliegt bei den meisten gerade unterm Radar und ich hoffe inständig, dass das eher die Ruhe vor dem Sturm und nicht der leise Abgesang ist.

Was macht mir Hoffnung? Josh Sargent hatte endlich ein eigenes Erfolgserlebnis. Der Kerl arbeitet wie ein Mähdrescher von der Genossenschaft, aber nur das Feld zu beackern, bringt selten den großen Erfolg. Wie soll der arme Kerl treffen, wenn er sich die Bälle vom Parkplatz holen muss? Wenn das jetzt der geplatzte Knoten war, freue ich mich auf seinen Lauf. Ich habe den Eindruck, dass sich das Einschwören der Mannschaft in dieser Saison früher einstellt. Wir spielen hässlich, dafür aber wenigstens mit Punkten auf dem Konto. Immerhin. Milot Rashica bleibt wahrscheinlich. Warum macht das Hoffnung? Er kann sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren und Berufs-Fußball spielen. Gerne gleich.

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Werder wird nicht absteigen, Werder wird sich stabilisieren, aber der Verein muss dringend zu seinem alten Ich zurückfinden. Auch wenn es dieses Jahr sehr grau aussieht und wenn die Liga öde ist, bleibt uns noch der Pokal. Und ich sage euch: Da geht was. Zurück zum Mut, zurück zum Angriff. Der SV Werder Bremen darf nie egal werden.

P.S. Könnt ihr Bittencourt bitte ausrichten, dass ein Tor nicht immer fantastisch aussehen muss? Einfach rein. Reicht auch. Danke.

Info

Zur Person

Daniel Boschmann (40) ist Moderator des „Sat.1 -Frühstücksfernsehens“. Er ist Werder-Fan seit Kindertagen. Im wöchentlichen Wechsel mit Jörg Wontorra, Lou Richter und Christian Stoll schreibt er in unserer Zeitung, was ihm im Bundesliga-Geschehen aufgefallen ist.

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