Letztes Puzzleteil Wie Werder Mitchell Weiser doch noch nach Bremen holen konnte

Am Ende hat es dann doch geklappt: Werder verpflichtet Mitchell Weiser von Leverkusen. Der 28-Jährige ist das letzte Puzzleteil. Wie der Wechsel doch noch zustande kam.
15.07.2022, 19:48
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Von Daniel Cottäus

Lange dauerte es am Freitagmittag nicht, da hatte die mattgraue Mercedes-Limousine die kurze Strecke von der Rampe am Osterdeich bis zu Tor 1 des Weserstadions auch schon zurückgelegt – in der Zwischenzeit waren die Insassen des Fahrzeugs aber deutlich zu erkennen gewesen. Am Steuer: Dustin Haloschan, der Teammanager des SV Werder. Und auf dem Beifahrersitz der Mann, auf den sie in Bremen seit Wochen gehofft und gewartet hatten: Mitchell Weiser.

Nach einem zähen und durchaus ungewöhnlichen Transferpoker meldete Werder schließlich am Nachmittag Vollzug. „Weiser wird Bremer“, stand über der Mitteilung, die der Bundesliga-Aufsteiger um 16.30 Uhr verbreitete. Sportchef Frank Baumann und Clemens Fritz als Leiter Profifußball ist es damit gelungen, die letzte noch offene Planstelle im Kader stolze zwei Wochen vor dem ersten Pflichtspiel der anstehenden Saison zu schließen.

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„Wir haben das umgesetzt, was wir bei unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten machen konnten“, sagte Fritz im Gespräch mit unserer Deichstube, wollte grundsätzlich zwar „nichts ausschließen“, betonte aber deutlich: „Wir sind wirklich sehr zufrieden damit, wie der Kader jetzt aussieht.“ Vor diesem Hintergrund ist der Transfer von Weiser also so etwas wie das letzte Puzzleteil in den Bremer Personalplanungen gewesen. Allerdings eines, das lange Zeit nicht so recht passen wollte.

Die feste Verpflichtung des erfahrenen Rechtsverteidigers, der bereits in der vergangenen Saison als Leihspieler mit Werder den Aufstieg gefeiert hatte, zog sich über mehrere Wochen in die Länge, obwohl Weisers Ex-Arbeitgeber Bayer 04 Leverkusen früh signalisiert hatte, den 28-Jährigen trotz laufenden Vertrags bis 2023 ablösefrei ziehen zu lassen. Bei der Werkself hatte Weiser zuletzt kolportierte 3,6 Millionen Euro im Jahr kassiert – eine Summe, die er in Bremen nun nicht annähernd verdient. Deshalb bestand der Profi auf eine Abfindungszahlung, Leverkusen weigerte sich allerdings, diese zu bezahlen. Am späten Donnerstagabend haben sich dann alle drei Parteien – Werder, Weiser und Bayer 04 – entscheidend aufeinander zubewegt. „Alle Seiten haben einen Schritt gemacht, damit der Transfer möglich werden konnte“, sagte Fritz, was im Grunde nur Folgendes bedeuten kann: Weiser und Leverkusen haben in Sachen Abfindung einen Kompromiss gefunden, den Werder dem Spieler mit einem etwas verbesserten Gehaltsangebot ein wenig versüßt hat. Über die Laufzeit von Weisers Vertrag in Bremen haben alle Seiten Stillschweigen vereinbart. 

Es hat lange gedauert und war ein Hin und Her, aber mein Ziel war es die ganze Zeit, nach Bremen zu kommen.
Mitchell Weiser

„Es hat lange gedauert und war ein Hin und Her, aber mein Ziel war es die ganze Zeit, nach Bremen zu kommen“, sagte Weiser gegenüber „Werder-TV“ – und verriet, dass der Kontakt zu den Bremer Teamkollegen nach dem Ende der Ausleihe nie abgerissen ist. Im Gegenteil. „Marco Friedl und Leo Bittencourt haben sehr dafür gekämpft, dass ich zurückkomme“, schmunzelte Weiser. Auch von Neuzugang Niklas Stark, den er aus gemeinsamen Zeiten bei Hertha BSC kennt, habe er während des Urlaubs eine Nachricht erhalten. Inhalt: „Wo bleibst du?“

Werders Cheftrainer Ole Werner äußerte sich am Freitag wenig überraschend erfreut darüber, dass er auch in der Bundesliga weiterhin mit Weiser planen kann. „Mitch war letzte Saison ein wichtiger Part auf und auch neben dem Platz. Daher freue ich mich, dass er auch in Zukunft ein Teil unserer Mannschaft sein wird“, betonte der 34-Jährige, in dessen Team Weiser zu den unangefochtenen Leistungsträgern zählte und ziemlich sicher weiterhin zählen wird. Auf der rechten Außenbahn dürfte der Neuzugang mit Vorteilen gegenüber Konkurrent Felix Agu in die Spielzeit starten. Was nicht zuletzt an seiner Erfahrung liegt.

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140 Spiele hat Mitchell Weiser während seiner Laufbahn bereits in der Bundesliga bestritten. Leverkusen zahlte im Sommer 2018 eine Ablösesumme in Höhe von zwölf Millionen Euro an Hertha BSC für den Profi, den sich Werder nun ablösefrei gesichert hat.

Nach Dikeni Salifou, Amos Pieper, Niklas Stark, Jens Stage, Oliver Burke und Lee Buchanan ist Weiser bereits der siebte Werder-Neuzugang für die neue Bundesliga-Saison, auf die sich der Ex-Leverkusener nun unbändig freut: „Werder in der zweiten Liga war schon etwas Besonderes mit diesen Fans. Ich bin schon gespannt, wie es in der Bundesliga sein wird.“

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