0:1 in Stuttgart

Augustinssons Pech ist Werders Unglück

Gut gespielt und doch verloren: Ein Eigentor von Ludwig Augustinsson hat die 0:1-Niederlage von Werder Bremen beim VfB Stuttgart besiegelt.
04.04.2021, 17:32
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Von Carsten Sander
Augustinssons Pech ist Werders Unglück

Hängende Köpfe nach der Entscheidung: Jiri Pavlenka und Ömer Toprak nach dem Stuttgarter Siegtreffer.

nordphoto GmbH / gumzmedia

Werder Bremen hat sich selbst geschlagen! Durch ein unglückliches Eigentor von Ludwig Augustinsson (81.) verlor der immer noch abstiegsgefährdete Fußball-Bundesligist beim VfB Stuttgart mit 0:1. Trotz der Niederlage haben die Bremer auch nach dem 27. Spieltag zwar weiterhin sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Die Chance, dieses Polster gegen einen ersatzgeschwächten Gegner schon entscheidend zu vergrößern, blieb aber ungenutzt. Unterm Strich agierte Werder offensiv zu harmlos.

Auf die Ausfälle im eigenen Team reagierte Werder-Trainer Florian Kohfeldt mit den erwarteten Namen. Niclas Füllkrug trat als Mittelstürmer an die Stelle des gelbgesperrten Josh Sargent, in der Defensive ersetzte Christian Groß den verletzten Milos Veljkovic. Allerdings rückte Kohfeldt in der Verteidigung zunächst von der erprobten Fünferkette ab und setzte auf eine Viererformation. Groß übernahm die Secherposition.

Dieser Versuch brachte Werder in der Anfangsphase sogar ein Plus im Mittelfeld mit der einen oder anderen Abschlusschance aus der Distanz. Romano Schmid nach einer abgewehrten Standardsituation (10.), Ludwig Augustinsson mit einer Direktabnahme (22.) und Kevin Möhwald (31.) hielten mutig drauf, sorgten auch für Gefahr, aber in die Kategorie „Großchance“ gehörte keiner dieser Schüsse.

Der VfB Stuttgart, dem zuletzt in Silas Wamangituka, Nicolas Gonzalez und Orel Mangala durch Verletzungen drei Säulen weggebrochen sind, kam erst nach etwa 20, 25 Minuten besser in Schwung. Weshalb Kohfeldt auch die taktischen Möglichkeiten seines Teams nutzte und von Vierer- auf Fünferkette umstellte. Womit aber nicht verhindert werden konnte, dass die Bremer Defensive bis zum Pausenpfiff immer stärker ins Schwimmen geriet. Philipp Förster sorgte für den ersten Abschluss der Schwaben (25.), später stellten sich Borna Sosa und Gonzalo Castro zu umständlich an (37.).

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Umständlich war auch ein gutes Stichwort für das, was Füllkrug kurz vor der Pause machte. Einen Gebre Selassie-Pass hatte er noch perfekt verarbeitet und Gegenspieler Waldemar Anton mit einer Bewegung schlecht aussehen lassen. Doch statt selbst den Abschluss zu suchen, wählte Füllkrug den Querpass auf Milot Rashica. Was eine schlechte Entscheidung war, denn Konstantinos Mavropanos grätschte dazwischen, machte so die beste und aussichtsreichste Bremer Aktion zunichte (40.). Torlos endete also eine Halbzeit, die zwar munter begonnen hatte, die dennoch niemanden in Verzückung hatte versetzen können. Selbst strittige Szenen hatte es nur wenige gegeben. Gebre Selassies Halbfoul etwa gegen Matteo Klimowicz, für das es keinen Elfmeter gab. Oder die Schwalbe des bereits gelbbelasteten Förster, die ebenfalls ungeahndet blieb. Aktionen, über die wohl auch nur dann gesprochen wird, wenn dem Spiel die Tore fehlen.

In Halbzeit zwei stieg immerhin die Frequenz der Torraumszenen auf beiden Seiten deutlich an. Und es gab einen Grund, mal wieder das Regelbuch herauszuholen. VfB-Keeper Gregor Kobel hatte einen Mavropanos-Rückpass mit der Hand aufgenommen – durfte er auch, weil der Pass per Knie gespielt war. Und das ist erlaubt. Maximilian Eggestein meckerte trotzdem und sah dafür Gelb – es war seine fünfte in der Saison, er fehlt damit am Samstag gegen RB Leipzig.

Und vor den Toren? Für den VfB knallte Sosa, über dessen linke Seite beinahe jeder VfB-Angriff lief, drüber (53.). Für Werder war es Füllkrug nach Rashica-Vorarbeit (55.). Und Pavlenka tauchte bei einem Klimowicz-Schuss rechtzeitig runter (58.). Die Partie, sie wurde offener, wilder, und beiden Teams war jederzeit zuzutrauen, das erste Tor zu erzielen. Beiden war allerdings auch anzumerken, dass die Ausfälle in der Offensive einiges an Abstimmung kosteten. Flüssig und harmonisch war es nicht, was Füllkrug, Schmid und Rashica auf Bremer Seite zeigten. Die Konterschwäche blieb den Bremern auch in dieser Besetzung erhalten.
Nach 73 Minuten tauschte Coach Kohfeldt das offensive Personal, brachte Yuya Osako für Schmid und Davie Selke, der in der Jugend für den VfB gespielt hatte, für den insgesamt wenig auffälligen Füllkrug. Kohfeldt wollte also mehr als ein 0:0, wollte mehr als einen Punkt, der im Abstiegskampf zwar hilft, aber weiterhin keine Sicherheit verspricht.

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Dann wurde es aber gar keiner. Und so passierte es: Castro marschierte ungestört über das halbe Feld, Sosa flankte in die Mitte, wo Augustinsson per kopf ins eigene Tor traf. Geht‘s noch unglücklicher? Nein, geht es nicht. Und nach dem Sargent-Eigentor beim 1:2 gegen den VfL Wolfsburg war es zum zweiten Mal in Folge, dass sich Werder selbst in Rückstand brachte.

Neun Minuten plus Nachspielzeit blieben danach noch, um die Niederlage abzuwenden. Doch Werder wurde abgesehen von einer Möglichkeit für Osako nicht mehr gefährlich und verpasste vor den schweren Spielen gegen RB Leipzig und Borussia Dortmund die Chance, sich wenigstens einen Punkt zu sichern. Am Mittwoch geht es aber erstmal mit dem DFB-Pokalspiel bei Zweitligist Jahn Regensburg weiter. Dann winkt der Einzug ins Halbfinale.

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