3:2 in Düsseldorf

Last-Minute-Elfmeter bringt Werder den ersten Saisonsieg

Werder Bremen hat sich nach dramatischen Schlussminuten im Spiel gegen Fortuna Düsseldorf den ersten Saisonsieg gesichert. Das entscheidende Tor erzielte Maximilian Eggestein per Elfmeter in der Nachspielzeit.
31.07.2021, 22:43
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Von Daniel Cottäus
Last-Minute-Elfmeter bringt Werder den ersten Saisonsieg

Dramatisches Finale: Maximilian Eggestein trifft in Düsseldorf in der sechsten Minute der Nachspielzeit zum 3:2 für Werder Bremen.

Andreas Gumz

Schon beim Aufwärmen gab es diese kleine Szene, an der sehr gut abzulesen war, wie viel sich Markus Anfang für das Auswärtsspiel bei Fortuna Düsseldorf vorgenommen hatte. Während einer einfachen Passübung feuerte der Trainer des SV Werder Bremen seine Spieler derart enthusiastisch an, als ginge es um die entscheidenden Aktionen in den letzten Minuten der Partie. Dieser große Ehrgeiz, dieser Wille, diese Entschlossenheit – all das war den Bremern während des Spiels dann zwar nicht durchgehend anzusehen, am Ende trug es die Mannschaft nach einer intensiven Schlussphase inklusive äußerst dramatischer Nachspielzeit aber doch zum wichtigen 3:2 (1:0)-Auswärtssieg, durch den Werder den Fehlstart in die 2. Bundesliga abgewendet hat. Zum Held des Abends wurde dabei Maximilian Eggestein mit seinem Siegtreffer in der 96. Minute.

Im Vergleich zum 1:1 gegen Hannover hatte Anfang seine Startelf auf zwei Positionen verändert. Für Linksverteidiger Anthony Jung, der gerade zum ersten Mal Vater geworden ist, rückte Marco Friedl ins Team und kam somit zu seiner Zweitliga-Premiere. Auf der offensiven Außenbahn erhielt Romano Schmid zudem den Vorzug vor Felix Agu. Am fußballerischen Auftritt der Bremer änderte sich dadurch zunächst aber nichts, denn auch gegen Düsseldorf hatte der Bundesliga-Absteiger in der Anfangsphase große Probleme.

Die Gastgeber wirkten vor 12.850 Zuschauern entschlossener und verzeichneten folgerichtig die ersten guten Möglichkeiten. In der 17. Minute prüfte Edgar Prib Werders Torhüter Michael Zetterer aus der Distanz, und nur Sekunden später setzte Jakub Piotrowski einen Kopfball nach Flanke des Ex-Bremers Florian Hartherz hauchdünn am Tor vorbei. Zwei Szenen, die Werder offenbar wachrüttelten, denn danach fand die Mannschaft besser in die Partie.

Nach einem schönen Spielzug über Maximilian Eggestein und Niklas Schmidt kam Niclas Füllkrug im Strafraum in bester Position zum Schuss, der allerdings im letzten Moment von Prib geblockt wurde (28.). Die Gäste, die ihr 4-3-3-System bei eigenem Ballbesitz in ein 3-1-5-1 umbauten, suchten nun zielstrebiger den Weg nach vorne, waren in ihren Aktionen aber oftmals zu ungenau, was viele Angriffe schnell verpuffen ließ. Anders in der 39. Minute: Schmid zog aus halbrechter Position beherzt ab, was Fortuna-Torhüter Florian Kastenmeier offenbar überraschte, jedenfalls wehrte er den Ball nicht zur Seite, sondern nach vorne ab – und damit genau vor die Füße von Josh Sargent. Werders US-Amerikaner zögerte nicht lange und traf trocken zum 1:0. Eine zu diesem Zeitpunkt etwas schmeichelhafte Führung, die die Bremer kurz vor der Pause sogar noch hätten ausbauen können, wenn sie eine 4-gegen-1-Kontersituation besser ausgespielt hätten. Haben sie aber nicht, und so kam es, dass sich Düsseldorf schnell im Spiel zurückmeldete.

Der zweite Durchgang war gerade einmal zwei Minuten alt, da traf Rouwen Hennings mit seinem dritten Saisontor zum 1:1. Vorausgegangen war eine Flanke von Khaled Narey, in deren Folge Lars Lukas Mai gar nicht gut aussah: Werders Neuzugang verlor Hennings im Strafraum aus den Augen und sah den Stürmer nur noch jubelnd abdrehen. Es folgte eine Phase, in der Düsseldorf die Gäste in der eigenen Hälfte einschnürte – Werder schwamm, was ausdrücklich nichts mit dem stärker werdenden Regen zu tun hatte. Immerhin: Die Bremer überstanden den Dauerdruck des Gegners ohne weiteres Gegentor. Und besser noch: Wie aus dem Nichts gingen sie erneut in Führung.

Nach einem Eckball des guten Schmidt war es wieder Düsseldorfs Torhüter Kastenmeier, der eine unglückliche Figur machte, weil er im Fünfmeterraum tatenlos dabei zusah, wie Sargent per Kopf seinen Doppelpack schnürte – 2:1 (64.). Und plötzlich war der erste Zweitliga-Sieg der Bremer in der laufenden Saison (und generell seit Mai 1981) wieder zum Greifen nahe. Die Fortuna stemmte sich jedoch nach Kräften dagegen, lieferte Werder einen packenden Fight, in dem es auf nassem Boden nun viele hitzige Zweikämpfe gab. Und deutlich mehr Räume für Werder, weil Düsseldorf das Risiko von Minute zu Minute erhöhen musste.

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So hätte der eingewechselte Felix Agu in der 77. Minute nach einem Konter für die Entscheidung sorgen können, schloss aber nicht genau genug ab. Kurz darauf jubelte Sargent zum dritten Mal, allerdings zählte der Treffer nicht, weil Vorlagengeber Yuya Osako zuvor im Abseits gestanden hatte (80.). Auf der anderen Seite musste sich Zetterer bei einem länger und länger werdenden Freistoß von Prib enorm lang machen, um den Ball zur Ecke zu klären (82.).

Es ging nun hin und her. Bitter für Werder: Der erst in der 76. Minute eingewechselte Kevin Möhwald musste in der Nachspielzeit schon wieder angeschlagen vom Platz. Für ihn kam Christian Groß, um dabei mitzuhelfen, den Sieg über die Zeit zu retten. Und was dann in den noch verbleibenden Minuten passierte war nur noch: kurios.

Zunächst gelang Narey der gefühlte Last-Minute-Ausgleich (90.+3), was Werder kalt erwischte. Aber nicht so kalt, um nicht selbst noch einmal zurückzuschlagen. Nachdem Narey vom Helden zum Unglücksraben geworden war und einen Foulelfmeter verursacht hatte, besorgte Maximilian Eggestein vom Punkt aus den 3:2-Siegtreffer (90.+6).

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