Saisonstart

1:1 gegen Hannover: Werder enttäuscht bei Zweitliga-Auftakt

Zum Auftakt in die Zweitliga-Saison hatte sich der SV Werder Bremen mehr erhofft als nur ein 1:1 gegen Hannover 96, am Ende müssen die Bremer mit dem Punkt aber zufrieden sein. Unser Spielbericht.
24.07.2021, 22:30
Lesedauer: 3 Min
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Von dpa
1:1 gegen Hannover: Werder enttäuscht bei Zweitliga-Auftakt

Ömer Toprak trifft per Kopfball zum 1:0.

Andreas Gumz

Es hätte ein Fußball-Fest werden können, doch es wurden viel mehr Erinnerungen an die vergangene Abstiegssaison wach: Der SV Werder Bremen tat sich in seinem ersten Zweitliga-Spiel nach über 40 Jahren sehr schwer und kam nicht über ein 1:1 (0:0) gegen Hannover 96 hinaus. Da half auch die Rückkehr der Fans nichts. Die in der Corona-Pandemie zugelassenen 14.000 Zuschauer im zu einem Drittel gefüllten Wohninvest Weserstadion gaben wirklich alles, sahen aber einen Favoriten, der nach dem Abstieg mental immer noch extrem angeschlagen ist.

Auch die Führung durch ein Eigentor von Simon Falette (49.) brachte keine Sicherheit, weil Marvin Ducksch schnell ausglich (56.). Am Ende konnte Werder sogar froh sein, noch einen Punkt in Bremen behalten zu haben. Hannover war die bessere Mannschaft.

Anfang überrascht mit der Aufstellung

Der neue Coach Markus Anfang hatte mit seiner ersten Aufstellung in einem Werder-Pflichtspiel durchaus für Verwirrung gesorgt. Es gab in Anthony Jung nicht nur eine Überraschung in der Startelf, sondern auch eine unerwartete Umstellung: Felix Agu agierte als linker Außenstürmer, was er in der Vorbereitung nie gemacht hatte. Für ihn lief hinten links Innenverteidiger Jung auf, der die Position zwar kennt, aber in den vergangenen Wochen auch nicht gespielt hat.

Beide Besetzungen machten noch einmal die Probleme im Bremer Kader deutlich: Es fehlen ausreichend echte Flügelspieler – sowohl offensiv als auch defensiv.
Anfang hält trotzdem an seinem 4-3-3-System fest, genauso wie an seinem offensiven Ansatz. Das sorgte immerhin für einen flotten Beginn.

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Angetrieben von den zurückgekehrten Fans, die gleich mal ein „Werder, Werder“ durch die Arena brüllten, übernahmen die Gastgeber gleich die Initiative. Yuya Osako probierte es aus der Distanz, 96-Keeper Ron-Robert Zieler parierte (8.). Keine Riesenchance, aber immerhin ein Anfang nach dem bitteren Abstieg. Auch ein Niklas Schmidt, der eigentlich längst weg sein sollte, aber sich mit einer starken Vorbereitung in die Startelf gekämpft hatte, machte mit einigen Aktionen Spaß. Doch letztlich spielte Werder kaum etwas zu Ende, mal fehlte die Passgenauigkeit, mal das Durchsetzungsvermögen oder Bälle sprangen zu weit weg. Das war ganz schön wenig von Spielern wie zum Beispiel Josh Sargent, Niclas Füllkrug oder auch Maximilian Eggestein, die sich eigentlich noch in der 1. Liga sehen.

Hannover legte den Respekt schnell ab, Marvin Ducksch setzte seinen Kopfball nur knapp neben das Bremer Tor (17.). Und als Florent Muslija die Kugel aus 23 Metern an die Latte jagte (25.), da fuhr es gefühlt allen Grün-Weiß im Stadion und sicher auch vor dem Fernseher in die Glieder. Denn spätestens da war jedem klar: In dieser 2. Liga wird es richtig schwierig für Werder.

Wohl dem, der da einen Zweiliga-erfahrenen Trainer hat. Anfang reagierte in seiner 100. Partie im deutschen Fußball-Unterhaus – nicht personell, sondern mental. Seine Spieler kamen nach der Pause wie verwandelt aus der Kabine, attackierten die Gäste sofort. Osako probierte es zum wiederholten Mal, aber wieder nicht präzise genug, um Zieler überwinden zu können (48.). Das machte ausgerechnet ein Hannoveraner besser: Simon Falette beförderte eine gute Schmidt-Ecke mit dem Hinterkopf ins eigene Tor (49.) – hart bedrängt von Ömer Toprak, der sich gleich mal als Torschütze feiern ließ. Hauptsache jubeln, denn die Erleichterung über dieses 1:0 war riesengroß, das Weserstadion bebte.

Ducksch verpasst die Führung

Allerdings nicht lange. Denn nur vier Minuten später traf Ducksch auf der anderen Seite den Pfosten. Und das war mehr als ein Warnschuss. Diesen robusten Mittelstürmer bekamen die Bremer nicht in den Griff. Der lange Ball von Sei Muroya war zwar richtig gut, doch Neuzugang Lars Mai und Felix Agu, der bei dem Konter nach einem offensiven Standard für Toprak hinten absicherte, ließen Ducksch viel zu einfach weglaufen. Und der 27-Jährige glich mit einem feinen Lupfer aus (56.). Michael Zetterer hatte in seinem ersten Spiel als Werders Nummer eins vergeblich versucht, noch zu retten, was nicht mehr zu retten war. 

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Werder präsentierte sich wie schon in der ersten Halbzeit nach dem Lattenkracher schwer angeschlagen, das Selbstvertrauen war futsch. Nach vorne ging fast gar nichts mehr, 96 wirkte gefährlicher. Anfang brachte den quirligen Romano Schmid für Agu, der als Linksaußen nicht hatte überzeugen können und mitschuldig am Ausgleich war (74.). Später schickte er auch noch Nick Woltemade und Johannes Eggestein für Osako und den unauffälligen Füllkrug ins Rennen – für die Offensive wohlgemerkt. Doch hinten hätte es Hilfe gebraucht. Vor allem gegen Ducksch, der zielte erst nach einer feinen Kombination nur knapp vorbei und scheiterte dann an Zetterer.

Werder schwamm gewaltig, die Gäste witterten ihre Siegchance. Anfang ging auf Nummer sicher, brachte den defensiven Christian Groß für den kreativen Schmidt. Der totale Fehlstart wurde damit verhindert, aber auch mit dem 1:1 durften die Bremer nicht zufrieden sein, dafür war die Leistung einfach zu schlecht. Nächste Woche in Düsseldorf dürfte es nicht einfacher werden. 

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