Der Weg des Stürmers bis in die Bundesliga

Werder-Talent Dinkci: Alles begann mit einem WM-Maskottchen

In Mainz schoss er bei seinem Bundesliga-Debüt das wichtige Siegtor für Werder. Abheben wird er deshalb nicht: Eren Dinkci ist ein sehr bodenständiger Junge. Sein Vater war sein erster Trainer.
22.12.2020, 09:04
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Werder-Talent Dinkci: Alles begann mit einem WM-Maskottchen
Von Jean-Julien Beer
Werder-Talent Dinkci: Alles begann mit einem WM-Maskottchen

Ein Team mit seinem Vater: Eren Dinkci im Jahr 2008 in der F-Jugend der SV Hemelingen. Er steht hinten rechts. Links sein Vater und Trainer Safak.

privat

Seinen ersten Ball besorgte sich der vierjährige Eren Dinkci kurzerhand selbst. Das Sommermärchen rund um die Weltmeisterschaft 2006 begeisterte zu jener Zeit gerade Millionen Fans im ganzen Land – und auch den kleinen Jungen in Bremen. Der besaß voller Stolz das WM-Maskottchen „Goleo“, an dem ein Ball befestigt war. Also riss der kleine Eren den Ball einfach ab und schoss selbst damit, wie die großen Stars im Fernsehen. „Ab diesem Tag“, erinnert sich sein Vater Safak Dinkci, „ging es in seinem Leben immer um Fußball.“

Seine Familie begleitete ihn auf dem langen Weg, der am vergangenen Wochenende bis in die Bundesliga führte. Ein paar Minuten Einsatzzeit genügten Eren Dinkci in Mainz, um mit einem schönen Kopfball das für Werder so wichtige Siegtor zu erzielen. Geradezu reflexartig macht man sich bei Werder seither Sorgen, dass nun ein störender Rummel rund um den gerade 19 Jahre alt gewordenen Stürmer entstehen könnte, der eigentlich noch der Regionalliga-Mannschaft des Vereins angehört. Doch wer sich näher mit diesem jungen Spieler beschäftigt, der merkt schnell, dass es keinen Grund zu Sorge gibt. Er wird nicht nur von allen Weggefährten als sehr bodenständig beschrieben, er ist es auch. Seine Familie hat daran einen großen Anteil, das wird schon daran deutlich, wie sein Vater Safak das Bundesligadebüt seines Sohnes am Wochenende einordnet: „Das Tor war schön und wir freuen uns natürlich, dass er jetzt mal in der Bundesliga reinschnuppern konnte. Aber vor allem sind wir sehr große Werder-Fans und erleichtert, dass die Mannschaft diese drei Punkte in Mainz geholt hat.“

Großer Stolz beim SC Borgfeld

Wie so viele Väter begleitete auch Safak Dinkci seinen Sohn in den Anfangsjahren, er war der Trainer der Jugendmannschaften, in denen Eren spielte. Erst bei der SV Hemelingen, dann beim ATSV Sebaldsbrück und auch noch beim FC Oberneuland. Bis zur C-Jugend ging das so. Doch dann wurde immer deutlicher, dass der Junge viel Talent mitbringt und entsprechend gefördert werden sollte. Die Familie entschied sich für den SC Borgfeld, dessen gute Jugendarbeit weit über Bremen hinaus bekannt ist. Nationalspieler Julian Brandt von Borussia Dortmund ist der berühmteste Borgfelder Jugendspieler, auch dessen Bruder Jascha Brandt oder Davis Asante (beide inzwischen bei Werder) spielten bei dem kleinen Bremer Verein an der Grenze zum niedersächsischen Lilienthal.

„Wir sind natürlich super stolz auf Eren“, sagt der Vorsitzende des SC Borgfeld, Thomas Kaessler. Auch er beschreibt den jungen Spieler als einwandfreien Charakter, der sich unheimlich für seine Mannschaften eingesetzt habe und neben vielen Extraschichten im Training auch noch den Eltern geholfen habe, die zwischenzeitlich das Vereinsheim gepachtet hatten. Das enge Verhältnis zum SC Borgfeld zeigte sich auch dadurch, dass der Stürmer zwar in der A-Jugend zu Werder Bremen wechselte, sich aber nach der Vertragsunterschrift noch für die gesamte Rückrunde wieder an Borgfeld ausleihen ließ, um seiner Mannschaft noch helfen zu können. Sich in Borgfeld über die Junioren-Regionalliga zu entwickeln, sei „ein sehr guter Mittelweg für Spieler, die nicht in einem Nachwuchsleistungszentrum sind“, gerade das zeige die Entwicklung von Dinkci, sagt Kaessler.

Kohfeldt will ihn fördern

Ein Wort fällt in Borgfeld immer, wenn man über den Stürmer spricht: Torriecher. Diesen hat Dinkci einfach, das zeigte er in Borgfeld und in der A-Jugend bei Werder, auch in der U 23 in der Regionalliga Nord der Herren schoss er in dieser Saison schon sieben Tore in acht Spielen. Dass er diese Tore auch auf noch höherem Niveau machen kann, deutete sich bereits vor seinem Bundesligadebüt an. Beim Training mit den Profis am Tag nach der Niederlage gegen Dortmund schoss Dinkci nicht nur mehrere Tore, sondern es waren Abschlüsse dabei, die nicht jeder so hinbekommt.

Drei Trainer haben ihm das beigebracht, sein Vater Safak, in Borgfeld dann Burak Bahar (inzwischen bei Hannover 96) und bei Werder in der A-Jugend Marco Grote (inzwischen bei Osnabrück). Auf dem Sprung zu den Profis hat Dinkci nun das Glück, auf Florian Kohfeldt getroffen zu sein. Der arbeitete selbst viele Jahre im Nachwuchsbereich und steht nicht im Verdacht, junge Spieler zu verheizen oder nur für den schnellen Erfolg zu planen. Kohfeldt will Dinkci weiter fördern und fordern. Es ist deshalb möglich, dass der junge Stürmer auch beim Pokalspiel am Mittwochabend in Hannover wieder zum Bremer Kader gehört. „Für einen Trainer ist es natürlich ein gutes Gefühl, zu wissen, dass man da einen Spieler hat, der etwas bewirken kann, wenn er reinkommt“, sagt Kohfeldt, „ich will da nichts versprechen, aber auch nichts ausschließen. Ich werde keinen jungen Spieler zurückhalten. Am Ende liegt es immer am Spieler selbst.“

Große Geschenke erwartet Eren Dinkci ohnehin nicht, meint sein Vater und lacht: „Er wollte als Kind nicht mal Spielsachen. Immer nur Trikots und Bälle.“

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