Werders 3:0 gegen Rostock

Die Fortschreibung des Fortschritts

Neuzugang Marvin Ducksch hat zwei Tore für Werder gegen Rostock geschossen und einen langersehnten Heimsieg eingefahren. Werder-Trainer Anfang will aber nicht, dass das Lob an ihn alleine geht.
30.08.2021, 17:41
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Von csa

Natürlich wusste auch Markus Anfang, dass einer der Sonne am Sonntag noch näher war als alle anderen. Dass dieser eine damit aber alle anderen in den Schatten zu stellen drohte, war für den Trainer des SV Werder dann doch „nicht in Ordnung“. Also gab sich Anfang alle Mühe, Marvin Ducksch, den zweifachen Torschützen beim 3:0 über Hansa Rostock, nicht noch mehr in den Himmel zu heben.

Dessen Traumdebüt, dessen Tore – in Anfangs Augen ist das zwar sehr schön und sehr nötig gewesen, aber auch nichts wahnsinnig Aufsehenerregendes. „Dass Marvin ein guter Stürmer ist, das wissen wir ja alle“, sagte der Coach fast schon beiläufig und meinte, dass man dem Spiel nicht gerecht würde, wenn man „nur über den einen reden“ würde. Fraglos war der Sieg aus mehreren Komponenten zusammengebaut als nur Ducksch, Ducksch und nochmal Ducksch.

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Zum Beispiel die Defensive. Es ist nicht nur eine Randnotiz, dass Werder nach dem desaströsen Abwehrverhalten beim 1:4 gegen den SC Paderborn nun zweimal in Folge ohne Gegentor geblieben ist. Erst 0:0 in Karlsruhe, dann 3:0 gegen Rostock – für Anfang ein klares Zeichen, dass sich das Team „auf dem Weg zur Stabilität“ befinde. Fast erscheint es so, als sei das Erlebnis gegen Paderborn wie ein heilsamer Schock gewesen, in dessen Folge sich alle am Riemen gerissen haben. Die Nullnummer in Karlsruhe war der klar erkennbare Fortschritt, die Partie gegen Rostock die Fortschreibung des Fortschritts – dann eben mit eigenen Toren. „Den Jungs“, sagte Anfang und beschrieb die Stimmungslage nach der bisher besten Saisonleistung, „ist ein Stein vom Herzen gefallen. Zu null gespielt, Tore gemacht, das darf uns Rückenwind gegeben.“

Es darf nicht nur, es sollte sogar. Zumal das Team allein durch die Verpflichtung von Marvin Ducksch schon einen Schub bekommen hat. Nicht nur wegen dessen Strafraumaktionen und Toren, sondern weil er den Spielern um ihn herum neue Möglichkeiten bietet – als Zielspieler, als Lückenreißer, als Teil einer Offensive, die mit ihm erst wirklich zu einer solchen wird. Anfang: „So wie die Jungs sich Chancen herausgespielt haben – das können sie, das ist kein Zufall.“

Damit war explizit nicht nur Ducksch gemeint, sondern auch Eren Dinkci, Romano Schmid und Niklas Schmidt. Junge Spieler, die sich bis zur Führung gegen Rostock redlich mühten, danach aber richtig aufdrehten, wie befreit wirkten. Am Ende waren Anfang die drei erzielten Tore „gefühlt noch zu wenig. Es hätten mehr sein können“, sagte er. Die Flügelspieler Schmid und Dinkci sowie Spielmacher Schmidt dahinter – das hat in vielen Momenten der Partie gut funktioniert. „Die Jungs bringen sich da gut ein, sie besetzen die Räume unterschiedlich, sind mal in der Mitte, mal außen und kommen so immer wieder in ihre Aktionen. Dadurch ist auch eine gewisse Torgefahr entstanden“, analysierte der Trainer, der diesmal hochzufrieden war. Der aber auch mahnte: „Gegen Rostock haben wir es erzwungen, haben gut nach vorne gespielt und viele Chancen kreiert. Wir können aber nicht erwarten, dass es immer funktioniert, weil es einmal funktioniert hat. Es wird auch wieder Spiele geben, in denen es schwerer wird. Wir befinden uns da in einem Prozess.“

Dieser Prozess hat zwischen den Spielen gegen Paderborn und Rostock jedoch einen enormen Zwischenspurt hingelegt. Am Sonntag war sogar ein hohes Spaß-Level erreicht, das erste Mal herrschte wieder Fußball-Freude im Wohninvest Weserstadion, das so lange nur ein Ort der Geisterspiele und Frustration gewesen war. Und die „Baumann-raus-Rufe“, die zwei Wochen zuvor noch die Atmosphäre im Stadion bestimmt hatten? Verstummt! Natürlich auch wegen Ducksch. Seine Tore haben Sportchef Frank Baumann aus der Schusslinie genommen. Ob nur für den Augenblick oder dauerhaft, das wird sich erst noch zeigen.

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„Wir müssen jetzt dranbleiben“, forderte Anfang nach dem Erfolg, der den Absteigern aus Bremen in der Tabelle der 2. Liga zu einer ordentlichen Ausgangsposition verhalf. Acht Punkte und Platz sieben – das ist am Ende der Saisonstartphase und vor allem am Ende der turbulenten Transferwochen zwar kein Grund, Hurra zu schreiben, aber auch kein Anlass zum Jammern. Als „absolut okay“ bewertet Anfang das bisher Erreichte.

Nun legt die 2. Liga eine Pause ein, Länderspiele stehen an. Erst am 11. September geht es mit dem Auswärtsspiel beim FC Ingolstadt weiter. Am Mittwoch (16.00 Uhr) testet Werder aber schon in Lohne gegen den niederländischen Erstligisten Heracles Almelo. Dann geht es darum, die neuen Spieler noch besser zu integrieren. Obwohl das im Fall Marvin Ducksch schon gar nicht mehr nötig erscheint. 

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