Coach setzt auf alten Spruch Anfang will bei Werder auch die Null stehen sehen  

Werder-Coach Markus Anfang greift auch auf einen Spruch seines früheren Schalke-Trainers Huub Stevens zurück, um bei seinem Team den Kampfgeist zu wecken.
09.09.2021, 18:47
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Von Daniel Cottäus

Sie liegt inzwischen einige Jahre zurück, seine Zeit beim FC Schalke 04, doch in Vergessenheit geraten ist sie bei Markus Anfang deshalb nicht – im Gegenteil. In der Saison 1997/1998 hatte der heutige Werder-Trainer als aktiver Profi bei Königsblau unter Vertrag gestanden – und damals einen Satz regelrecht eingetrichtert bekommen: „Die Null muss stehen!“

Nur vier Worte, die im deutschen Fußball längst zur gängigen Redewendung geworden und bis heute untrennbar mit einem Namen verknüpft sind: Huub Stevens. „Ich habe das früher jedes Mal von ihm gehört“, erinnert sich Anfang mit einem Schmunzeln an seinen ehemaligen Trainer, der „die Null“, sprich Spiele ohne Gegentor, einst zum höchsten aller Ziele erkoren und Schalke mit diesem Ansatz 1997 sensationell zum UEFA-Pokalsieg geführt hatte.

Stolze 24 Jahre sind seitdem vergangen, doch Stevens’ Spruch ist aktueller denn je. Ab sofort soll er laut Anfang nämlich auch bei Werder tief verinnerlicht werden. „Ich finde diesen Ansatz sehr ansprechend“, sagt Anfang, der mit Werder „nicht für Spektakel-Fußball“ stehen will, sondern für „guten Fußball“. Und zu dem gehöre nun einmal auch die Null: „Kein Gegentor zu kassieren, ist die Basis dafür, dass du Spiele gewinnst.“

In den vergangenen beiden Partien gegen den Karlsruher SC (0:0) und Hansa Rostock (3:0) war es den Bremern jeweils gelungen, sich hinten schadlos zu halten. Während des sechsten Spieltags beim FC Ingolstadt (Samstag, 13.30 Uhr) soll es nun damit weitergehen. „Wir wollen unbedingt an die vergangenen Spiele anknüpfen“, betont Anfang, der davon überzeugt ist, dass es beim Tabellen-16. auch gelingen wird, wenn seine Spieler alles abrufen. Schließlich weiß auch der Trainer, dass Werders Abwehr nicht nur die wertvollste, sondern auch die am namhaftesten besetzte der 2. Bundesliga ist. Jüngster Beleg dafür:

Erst am Donnerstag hatte Anthony Jung, im Sommer als vermeintliche Stammkraft verpflichtet, verraten, dass er nicht damit gerechnet hätte, dass die Kollegen in der Defensive nach Ende der Transferphase noch derart prominente Gesichter haben. Haben sie aber, weshalb sich der 29-Jährige plötzlich in der Rolle des Herausforderers wiederfindet.

Anfang kann das freilich nur recht sein. Wenn die Null künftig regelmäßig stehen soll, kann Konkurrenzkampf in der Abwehr ganz sicher nicht schaden. Dass Werder bei Anfangs starker Gewichtung auf die Defensive ab sofort nur noch Beton anrührt, muss übrigens nicht befürchtet werden. Offensiv soll das Team weiterhin möglichst variabel und dominant agieren. Die Null, für Anfang ist sie vielmehr ein Instrument dafür, um dafür die nötige Sicherheit, das nötige Selbstvertrauen entstehen zu lassen.

Beim FC Ingolstadt, davon ist der Trainer überzeugt, wird dieser Ansatz auf eine harte Probe gestellt werden. „Ingolstadt spielt mit vielen langen Bällen“, sagt Anfang, der in der Spielphilosophie des Aufsteigers um Coach Roberto Pätzold allerdings auch Spuren von RB Leipzig ausgemacht hat: „Sie haben diese aggressive Spielweise von RB und verteidigen aus der Ordnung heraus aggressiv nach vorne, um den Gegner früh unter Druck zu setzen.“ An den ersten Spieltagen brachte das den Ingolstädtern eher überschaubaren Erfolg, allerdings scheint sich das Team inzwischen gefangen zu haben: Auf die drei Niederlagen zu Beginn gegen Dresden (0:3), Heidenheim (1:2) und Darmstadt (1:6) folgten ein Remis gegen Nürnberg (0:0) und zuletzt ein Sieg gegen Sandhausen (2:0). „Es wird nicht leicht für uns“, hält Anfang fest, was an seiner unmissverständlichen Zielsetzung aber nichts ändert: „Wir wollen dieses Spiel gewinnen und werden auch dementsprechend auftreten.“

Schließlich könnte ein Auswärtssieg für Werder zum Startschuss in eine deutlich ruhigere und erfreulichere Phase der Saison sein. Die monatelange Ungewissheit beim Blick auf den Kader ist endlich vorbei, die Mitgliederversammlung kürzlich auch gut über die Bühne gegangen – jetzt könnte der Blick wieder optimistischer nach vorne gehen. Sollte dabei auch noch die Null stehen – umso besser.

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