Nach Corona-Pause Kreuzfahrtschiffe machen wieder los

Die Corona-Pandemie hat die Kreuzfahrtindustrie in eine Zwangspause versetzt. Nun bringen die ersten Reedereien ihre Flotten wieder in Fahrt. Eine Normalität wie vor der Krise ist aber noch weit entfernt.
19.06.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Kreuzfahrtschiffe machen wieder los
Von Peter Hanuschke

Die Kreuzfahrtreedereien bringen ihre Schiffe teilweise wieder in Fahrt. Das Columbus Cruise Center in Bremerhaven (CCCB) rechnet sich gute Chancen aus, künftig wieder als Start- und Zielhafen von den Reedereien angelaufen zu werden. Von der Normalität der Boomjahre von vor der Corona-Krise wird das Geschäft noch weit entfernt sein: Um die Hygienemaßnahmen besser umsetzen zu können, plant keine der Reedereien mit einer vollen Belegung an Bord.

Noch im Juni startet Hurtigruten. Zwischen dem 26. Juni und 4. September setzt die Reederei das neue Hybrid-Expeditionsschiff „Fridtjof Nansen“ für sechs Kreuzfahrten ab Hamburg für deutsche Gäste zur norwegischen Küste und ihren Fjordlandschaften ein. Vom 2. August an will der Bremer Veranstalter Plantours den regulären Fahrplan wieder aufnehmen. Die MS „Hamburg“, Deutschlands kleinstes Hochseekreuzfahrtschiff, startet ebenfalls ab Hamburg zu einer Reise nach Norwegen und Spitzbergen. Einen genauen Termin beim größten deutschen Kreuzfahrtanbieter, Aida Cruises, als auch bei der Nummer zwei, Tui Cruises, gibt es bislang nicht.

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Tui Cruises – die Reederei fährt seit ein paar Jahren regelmäßig Bremerhaven an – hat angekündigt, in den nächsten Wochen das Geschäft wieder aufnehmen zu wollen. Wann genau, das ließ das Unternehmen bislang offen. Vor August wird das nicht passieren. Genau wie Aida Cruises hatte die Reederei alle Kreuzfahrten bis einschließlich Juli abgesagt. Man arbeite daran, noch in diesem Sommer mit Kreuzfahrten ab Deutschland starten zu können, sagte eine Tui-Cruises-Sprecherin. Klar sei, dass die Schiffe nicht mit voller Auslastung fahren werden. Im Vordergrund stehe die Gesundheit der Gäste. „Dafür sind wir gemeinsam und im Schulterschluss mit anderen Reedereien mit allen notwendigen Behörden in Gesprächen.“ Was die Hygienemaßnahmen an Bord angehe, prüfe Tui Cruises zusätzliche infektionspräventive Maßnahmen.

Die erfolgte Aufhebung der Reisewarnung für deutsche Urlauber, wertet Aida Cruises als positives Signal. Das vermittele Zuversicht, dass – wenn auch unter neuen Bedingungen – Kreuzfahrten bald wieder möglich sein werden, so eine Sprecherin. Andererseits sei die Lage in vielen weltweiten Destinationen weiterhin angespannt. Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren arbeite die Reederei an der Vorbereitung für die schrittweise Wiederaufnahme des Kreuzfahrtbetriebes. „Wir sind hierzu mit den Behörden in Rostock, Hamburg und Kiel in engem Austausch.“

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Das Terminal in Bremerhaven sieht sich gut vorbereitet für das Abfertigen der Schiffe unter Corona-Bedingungen: „Wir haben in den vergangenen Wochen einige Schiffsanläufe gehabt, anfangs, damit die restlichen Passagiere von Bord gehen können, später, um Teilen der Crew den Weg in ihre Heimat zu ermöglichen“, so Andrea Kamjunke, Commercial Director beim CCCB. „Dafür haben wir mit den Behörden ein Konzept entwickelt, das Hygienerichtlinien berücksichtigt und jetzt eben auch auf künftige Schiffsanläufe anwendbar ist.“ Man sei mit verschiedenen Redereien in Gesprächen, um auch deren Vorgaben beim Check-in berücksichtigen zu können.

Anbieter von Flusskreuzfahrten sind schon weiter: Nicko Cruises war Anfang Juni mit einer Tour gestartet und will die Destinationen nach und nach steigern. A-Rosa ist ebenfalls wieder gestartet. Plantours hat sein Flusskreuzfahrtschiff MS „Sans Souci“, das schon häufig am Anlegeplatz Am Tiefer an der Wilhelm-Kaisen-Brücke festgemacht hat, am Donnerstag in die Saison von Berlin nach Kiel geschickt.

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Boomende Branche

Die Kreuzfahrtbranche hat fundamentales Interesse an einer weitgehenden Normalisierung. Jeder Tag Stillstand koste umgerechnet rund 80 Millionen Euro, hatte der Kreuzfahrtverband Clia erklärt, als mit Ausbruch der Corona-Krise etwa 100 Schiffe in amerikanischen Häfen festsaßen. Die Zahlen galten nur für diese 100 Schiffe. Weltweit gibt es mit 400 etwa vier Mal so viel.

Die Branche hat gute Jahre hinter sich. Das zeigt sich auch im Columbus Cruise Center Bremerhaven. Dort gab es seit 2015 immer neue Rekorde: Etwa 250.000 Passagiere nutzten das Kreuzfahrtterminal 2019, ein Jahr davor waren es 240.000. 2015 wurde das Passagieraufkommen mit rund 66.000 beziffert.

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