Europäische Warnliste umfasst 2201 Einträge für das vergangene Jahr ‒ und ist damit deutlich länger als sonst Gefährliche Produkte

Brüssel. Verletzungsgefahr bei Spielzeugen, Elektroschocks durch fehlerhafte Geräte bis hin zu Fahrzeugen und Motorrädern, die nicht sicher gebaut sind: Jede Woche gehen etwa 50 Warnmeldungen im Europäischen Schnellwarnsystem für gefährliche Produkte ein. 2017 wurde die Liste deutlich länger als sonst.
13.03.2018, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Gefährliche Produkte
Von Mirjam Moll

Brüssel. Verletzungsgefahr bei Spielzeugen, Elektroschocks durch fehlerhafte Geräte bis hin zu Fahrzeugen und Motorrädern, die nicht sicher gebaut sind: Jede Woche gehen etwa 50 Warnmeldungen im Europäischen Schnellwarnsystem für gefährliche Produkte ein. 2017 wurde die Liste deutlich länger als sonst. 2201 Einträge zählte das Überwachungsinstrument nach einem am Montag in Brüssel vorgestellten Bericht. Fast 4000 Reaktionen hat die EU daraufhin eingeleitet – meist wurden die betroffenen Waren aus dem Verkehr gezogen, ein Verkaufsverbot erteilt, die Rücknahme bereits in den Handel gebrachter Produkte eingeleitet oder gar die Einfuhr in die EU komplett verweigert. Dennoch bleibt noch viel zu tun.

„Dieses System hilft uns, für die Sicherheit unserer Kinder zu sorgen und tödliche Unfälle auf unseren Straßen zu verhindern“, betonte zwar die für Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissarin Vera Jourova. Dennoch funktioniert das Warnsystem noch nicht reibungslos. Das Problem: Konsumenten bestellen zunehmend Waren übers Internet, die aus Drittstaaten nach Europa geschickt werden. Auch deshalb verabschiedete die Behörde Anfang März eine Empfehlung, nach der die Mitgliedstaaten stärker gegen illegale Inhalte im Netz – einschließlich gefährlicher Produkte – vorgehen sollen.

Die EU führt auch Gespräche mit Online-Händlern. EU-Kommissarin Jourova betonte am Montag, man sei etwa mit Ebay, dem chinesischen Unternehmen Alibaba, Amazon oder der deutschen Otto-Gruppe in Kontakt und rufe sie dazu auf, freiwillige Zusagen zu machen, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen. Die Unternehmen sollten zum Beispiel prüfen, welche Produkte auf der EU-Plattform gemeldet worden sind und mit den jeweiligen Händlern in Kontakt treten. Jourova betonte: „Ich bin sicher, dass das Vertrauen der Kunden, das Vertrauen des Konsumenten der wichtigste Wettbewerbs-Vorteil für alle Online-Händler ist.“

Die meisten der als gefährlich eingestuften Artikel stammten einmal mehr aus China: Bei insgesamt 53 Prozent der gelisteten Objekte war das der Fall. 1155 Warnungen gingen in dem europäischen Überwachungssystem, an dem neben den EU-Mitgliedstaaten auch Island, Lichtenstein und Norwegen teilnehmen, ein. Die Kommission bemüht sich um Besserung: Unter anderem würden bewährte Prüfungsverfahren ausgetauscht – allerdings führte China bereits im Vorjahr die Negativliste gefährlicher Produkte an. Doch auch innerhalb der EU kursierten 2017 alarmierend viele solcher Waren: Insgesamt 413 Warnmeldungen (26 Prozent) betrafen gefährliche Produkte aus Europa. Die meisten Warnmeldungen bezogen sich auf Spielzeug (29 Prozent) – darunter der für unruhige Kinder geeignete Handkreisel (sogenannte Fidget Spinners) der mit einem Kugellager in der Mitte ausgestattet ist. Viele Modelle bergen aber offenbar das Risiko, sich die Finger darin zu verklemmen.

Auch Autos waren laut dem Bericht stark betroffen: 20 Prozent der aus Drittstaaten importieren Pkw mussten wegen Mängeln aus dem Verkehr gezogen werden. Zwölf Prozent der Kleidung-, Textil- und Modeartikel durften nicht im Handel bleiben. In Deutschland betrafen die Warnmeldungen größtenteils Autoteile: 68 Prozent der Einträge in der europäischen Liste bezogen sich auf diesen Sektor. In sieben Prozent der Fälle ging es um Kleidung, sechs Prozent der Warnungen entfielen auf Kosmetik.

Besonders hoch stufte die Kommission bei den aus dem Markt genommenen Artikeln das Risiko für Verletzungen ein – bei 28 Prozent der Warnungen war diese Gefahr ausschlaggebend, um die Produkte in der EU zu verbieten. Ähnlich hoch schätzte die Behörde gesundheitsschädliche chemische Reaktionen ein (22 Prozent), die ein Produkt bei Gebrauch auslösen könnte. 17 Prozent der Waren hätten von Kleinkindern verschluckt werden können. Jeder zehnte Artikel auf der Liste barg das Risiko eines Elektroschocks, in sechs Prozent der Fälle war sogar nicht auszuschließen, dass er sich von selbst entzündet.

Verbraucher und Unternehmen können Benachrichtigungen zu für sie relevanten Warengruppen übrigens abonnieren (ec.europa.eu/consumers/rapid-alert-system).

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