Neues Leben in der Innenstadt

Die Animationen zeigen einen gut ausgeleuchteten Ort unter der Hochbrücke; Fußgänger und Radler sind im Einklang unterwegs. „Breite Wege für den Breitenweg“ in Bahnhofsnähe, heißt es in der Architektensprache.
27.04.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Von Hans-Jörg Werth

Die Animationen zeigen einen gut ausgeleuchteten Ort unter der Hochbrücke; Fußgänger und Radler sind im Einklang unterwegs. „Breite Wege für den Breitenweg“ in Bahnhofsnähe, heißt es in der Architektensprache. Es geht um Belebung und Atmosphäre, die zum Verweilen am Bahnhof einladen soll. Dazu passend wird die Discomeile unter Einbindung des Immobilienentwicklers Thomas Stefes neu gestaltet. Zuletzt hat er den Umbau der Bremer Bank am Domshof mit den Neumietern Manufaktum und Markthalle 8 vorangetrieben.

Dass der Handlungsdruck zur Wiederbelebung der City rund um den Domshof, der als Scharnier gilt, besonders hoch ist, machen nicht allein Makler aus Bremen immer wieder deutlich. Lebendigkeit und Erlebnischarakter seien heutzutage die Gradmesser, nicht mehr nur die reine Versorgung, warnt Uwe Trocha. Der Teamleiter beim Immobilienunternehmen Robert C. Spies spricht von mangelnden Rundläufen, fehlenden Vernetzungen der City-Quartiere und generell mangelnder Aufenthaltsqualität in der Stadt. Und damit meint er nicht allein das „schäbige Entrée“ am Bahnhof. Dort sollen bis 2020 mit dem City Gate rund 35 000 Quadratmeter Hotel- und Geschäftshausflächen zum Verweilen einladen. Etwa 20 Prozent seien für Einzelhandel und Gastronomie reserviert, so die Entwickler.

Doch auch in den viel frequentierten Einkaufsmeilen wie der Sögestraße und Obernstraße passiert einiges, sagt die Wirtschaftsförderin Karin Take. 22 neue Ladenkonzepte, viele davon sind Neuzuzüge, seien beachtlich. Wie etwa die Seifenwerkstatt in der Böttcherstraße, die zum hochwertigen Ambiente passe. „Skandinavische Möbelhersteller, hochwertige Textilmode, ein Schuhladen, schickes Küchendesign und alte wie neue Gastronomiebetreiber werden das Bild der Bremer Innenstadt wieder neu anmischen“, sagt Take. Und auch Craftbeer-Freunde finden eine neue Anlaufstelle Am Wall – nämlich im ehemaligen Möbelhaus Ullmann.

Beachtenswert ist auch die Initiative der Anlieger des Domshofs zur Neugestaltung des Platzes mit weiteren Sitzgelegenheiten und einem Wasserspiel. Ob die in der Stadt diskutierte Überdachung am Domshof für ein Markthallenflair das richtige Konzept ist, lasse sich zwar anzweifeln, sagt Silvio Forner, Makler bei Engel & Völkers Commercial. Insgesamt spricht er aber von florierenden Geschäften und von A-, B-, B-Plus, und wie bei der Hutfilterstraße von B-Triple-Plus-Lagen.

Während etwa beim Brillisimo Mietpreise zwischen 20-24 Euro pro Quadratmeter verlangt würden, könne es in den Toplagen durchschnittlich im hohen zweistelligen Bereich und auch deutlich darüber liegen, sagt Forner. In der Obernstraße sind es für Ladenlokale mit Flächen von 80 bis 120 Quadratmetern bis zu 120 Euro, in der Sögestraße sind in der Spitze 130 bis 150 Euro pro Quadratmeter möglich.

Die vielen Neueröffnungen sind auch nach Meinung der City-Initiative um Geschäftsführer Jan-Peter Halves Beleg dafür, dass Bremens Innenstadt aktuell floriert. Als Beispiele werden die Systemgastronomie-Ketten Bar Celona und Dean and David mit je einem neuen Lokal in der Innenstadt benannt. Darüber hinaus beziehen bisher nur im Internet aktive Unternehmen kleine stationäre Ladenflächen wie etwa der Brillenhändler Mister Spex, Mymüsli oder Zalando.

Trotzdem gibt es noch Luft nach oben. Von bis zu 30 000 Quadratmetern fehlender Einzelhandelsflächen im Citybereich spricht Olaf Petersen vom auf Einzelhandelsimmobilien spezialisierten Maklerunternehmen Comfort Hamburg. Hinzu kommen noch Probleme, deren Antworten auch einen wichtigen Einfluss auf die Entwicklung der Innenstadt haben: Wer zieht ins Gebäude der Sparkasse Am Brill? Und: Was passiert noch Am Wall, wo Händler über zu wenig Kunden klagen?

Wichtig ist, dass sich die Innenstädte gut auf ihre Besucher einstellen. Die Verbraucher wollen heute jederzeit auf Produkte zugreifen. Das führe zu einer grundlegenden Veränderung des Einkaufsverhaltens, sagt Fiona Hamilton vom überregionalen Einzelhandelsmakler BNP Paribas Real Estate. Die Einkaufsmotivation ändere sich, weg von der Bedarfsdeckung hin zu emotionalen Beweggründen. Oder wie es Karin Take auf die einfache Formel bringt: „Was der Verbraucher nachfragt, wird schließlich gemacht.“

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