Konzernumbau drückt Ergebnis

NordLB auf dem Weg zum nächsten Verlustjahr

Der Umbau der NordLB kostet weitere Millionen. Das macht sich in den Halbjahreszahlen bemerkbar. Zum einen steht da die Frage nach der Kapitalspritze, zum anderen die, was aus dem Bremer Standort wird.
29.08.2019, 15:02
Lesedauer: 3 Min
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NordLB auf dem Weg zum nächsten Verlustjahr
Von Lisa Boekhoff
NordLB auf dem Weg zum nächsten Verlustjahr

Die NordLB erzielte in den ersten sechs Monaten ein besseres Ergebnis als im Vorjahr. Unterm Strich geht sie allerdings für das Gesamtjahr weiter von einem Verlust aus aufgrund des Umbaus des Konzerns.

Ole Spata

Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) hat ihr Konzernergebnis nach Steuern im ersten Halbjahr deutlich verbessert. Wie die Bank mit Sitz in Hannover am Donnerstag mitteilte, stieg es auf 149 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum lag das Konzernergebnis noch bei 54 Millionen Euro. „Mit dem Geschäftsverlauf in der ersten Jahreshälfte können wir durchaus zufrieden sein“, sagte Thomas Bürkle, Vorstandsvorsitzender des Konzerns, zu den Zahlen. Die NordLB, die in Zukunft kleiner und regionaler werden soll, habe dabei die Bilanzsumme und die Kosten weiter verringert. Der Verwaltungsaufwand ging um sieben Prozent zurück auf 487 Millionen Euro.

Trotz des Anstiegs des Halbjahresergebnisses geht die Bank für das Gesamtjahr weiter von einem Verlust aus. Das liegt am geplanten Umbau des Konzerns. Im zweiten Halbjahr kommen laut Bürkle hohe Kosten für die Restrukturierung auf das Geldinstitut zu. Der Vorstandschef sagte: „Die Neuausrichtung der NordLB wird uns alles abverlangen, und sie dürfte sich auch im kommenden Jahr dämpfend auf das Unternehmensergebnis auswirken.“ Für den nachhaltigen Erfolg der Bank sei sie aber „unumgänglich“. In den ersten sechs Monaten lag der Aufwand für die Neuorganisation bereits bei 71 Millionen Euro.

Ausmaß des Verlusts noch nicht erfasst

Wie groß der Verlust sein wird, hängt laut einem Sprecher der NordLB maßgeblich davon ab, in welchem Umfang das Geldinstitut in diesem Jahr Rückstellungen für den Konzernumbau bilden muss sowie für den damit angestrebten Personalabbau.

Offen bleibt, ob die Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt als Teilhaber der Bank sowie die Sparkassen-Finanzgruppe die NordLB mit der für sie dringend notwendigen Kapitalspritze von 3,6 Milliarden Euro versorgen dürfen. Die Entscheidung der EU-Kommission steht noch aus. Gespräche gibt es auch mit der Bankenaufsicht. Im Frühjahr hatten sich die Akteure auf ein Rettungspaket geeinigt und im Sommer in einer Grundlagenvereinbarung den Rahmen dafür gesetzt. Zum Ende des Jahres soll der Vorgang abgeschlossen sein.

In Schieflage brachten die NordLB faule Schiffskredite wie bereits die Bremer Landesbank, die schließlich ihre Eigenständigkeit verlor und von der NordLB übernommen wurde. Das Unternehmen gab in diesem Jahr bekannt, sich komplett aus dem Geschäft mit Schiffsfinanzierungen zurückzuziehen. Im April verkaufte es ein Portfolio mit Schiffskrediten über 2,6 Milliarden Euro an den Finanzinvestor Cerberus Capital. Das Schiffsgeschäft umfasste Ende Juni immer noch einen Betrag von sieben Milliarden Euro und umfasste 703 finanzierte Schiffen. Ende 2018 waren es noch 10,3 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr musste die NordLB – wie schon 2016 – einen Rekordverlust verzeichnen. Unterm Strich stand 2018 ein Minus von 2,35 Milliarden Euro.

Die Bilanzsumme der Bank soll in den nächsten fünf Jahren auf rund 95 Milliarden Euro sinken. Ende Juni lag sie bei 145,3 Milliarden Euro. Die Zahl der Mitarbeiter soll im selben Zeitraum auf 2800 bis 3000 Vollzeitstellen sinken. Im ersten Halbjahr ging sie bereits von 5850 auf rund 5600 zurück. Nach Angaben des niedersächsischen Finanzministeriums gibt es immer noch keine Entscheidungen zu den Standorten der NordLB in Oldenburg und dem in Bremen am Domshof. Damit bleibt für die Mitarbeiter weiter die Ungewissheit, inwieweit der Stellenabbau sie trifft und ob der Konzern die Niederlassungen jeweils hält. Die NordLB bestätigte, dass noch keine Entscheidungen gefallen seien.

Gibt keinen Plan B für Sparkassen

„Es ist ein gutes Signal, dass sowohl die Personalaufwendungen als auch die Verwaltungsaufwendungen rückläufig sind", kommentierte Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) die Zahlen der NordLB für das erste Halbjahr am Donnerstag. Hilbers ist gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Bank. Die Zahlen zeigten, dass die "notwendige Verschlankung der Bank" begonnen habe und erste Früchte trage. Allen sei aber bewusst, dass die NordLB "umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen" vor sich habe. Niedersachsen ist mit 59 Prozent Mehrheitseigner des Geldinstituts.

In dieser Woche hatte der scheidende EU-Haushaltskommissar Günter Oettinger (CDU) gesagt, dass die EU-Kommission alles für eine Rettung der NordLB tue. Es solle nach Möglichkeit bis Ende Oktober Klarheit geben. Eigentlich sollte die Bank das Kapital schon Anfang September bekommen entsprechend der von der EZB-Bankenaufsicht gegebenen Frist.

Zu den Gesprächen in Brüssel sagte der Präsident des Sparkassenverbands Niedersachsen, Thomas Mang, gerade erst: „Wenn Sie einen 1500-Meter-Lauf machen und 1380 Meter geschafft haben, wechseln Sie 120 Meter vor dem Ziel auch nicht zum Kugelstoßen.“ Der Sparkassenverband mache sie über einen Plan B „derzeit keine Gedanken“.

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