Wieder ein Windanlagenhersteller weniger

Siemens Gamesa schließt Übernahme von Senvion ab

Erneut geht die Geschichte eines Windanlagenherstellers zu Ende. Was nun mit den Mitarbeitern der Senvion-Produktion in Bremerhaven passiert.
10.01.2020, 14:09
Lesedauer: 2 Min
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Siemens Gamesa schließt Übernahme von Senvion ab
Von Florian Schwiegershausen
Siemens Gamesa schließt Übernahme von Senvion ab

Mit der Übernahme des Service-Geschäfts durch Siemens Gamesa ist das Ende des Windanlagenbauers Siemens Gamesa so gut wie besiegelt.

Carsten Rehder/DPA

Siemens Gamesa hat die Übernahme des Windanlagenherstellers Senvion abgeschlossen. Das haben beide Unternehmen an diesem Freitag bekannt gegeben. Damit liegt das bisherige Servicegeschäft des insolventen Anlagenbauers nun in den Händen von Siemens Gamesa. Nach Angaben von Senvion umfasst die Serviceflotte Windräder, die in 13 Ländern eine Leistung von insgesamt neun Gigawatt bringen. Insgesamt werde Siemens Gamesa damit in Zukunft eine Turbinenflotte von knapp 69 Gigawatt warten.

Die Übernahme trage dazu bei, die Geschäfte und die geografische Aufstellung von Siemens Gamesa zu diversifizieren, heißt es in der offiziellen Mitteilung. Die übernommenen Serviceverträge von Senvion laufen zudem langfristig und werden in der Regel verlängert.

Etwa 160 Beschäftigte der geschlossenen Sen­vion-Produktion in Bremerhaven sind seit Jahresanfang in einer Transfergesellschaft, um sich zu qualifizieren. Dort werden sie für mindestens vier Monate untergebracht sein. Die IG Metall wird in diesem Monat noch ein Gespräch mit Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) führen. Der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Daniel Friedrich, sagte, dass sich die Gewerkschaft für eine längere Laufzeit der Transfergesellschaft über den April hinaus einsetzen werde. Denn klar sei: Gerade in Bremerhaven bleibe die Situation angespannt.

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Noch 15 Mitarbeiter bei Senvion in Bremerhaven

Bis Februar werden in Bremerhaven wohl noch zehn bis 15 Mitarbeiter bei Senvion angestellt sein, um von der Maschine bis zur letzten Schraube aus der Produktionshalle alles zu verkaufen und die letzten Abrechnungen zu machen.

Die Transfergesellschaft wird von der Arbeitsagentur und aus der Insolvenzmasse des Unternehmens finanziert. Entsprechend erleichtert war Daniel Friedrich. Der Bezirksleiter der IG Metall Küste sagte: „Die Insolvenz und das sich über viele Monate hinziehende Verfahren ist für die Beschäftigten eine enorme Belastung.“ Es gehe nun darum, die Mitarbeiter weiter zu qualifizieren und an andere Unternehmen zu vermitteln. „Dafür braucht es ausreichend Zeit. Deshalb werden wir uns weiter für eine längere Laufzeit der Maßnahmen einsetzen und dazu auch weitere Gespräche mit der Landesregierung führen.“

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Grundsätzlich hat die IG Metall Küste den Abschluss des Verkaufs von Senvions Service-Geschäft an Siemens Gamesa als Teilerfolg begrüßt. „Die monatelange Hängepartie für viele Beschäftigte ist endlich vorbei“, sagte Daniel Friedrich. „Mit dem Abschluss des Verkaufs des Onshore-Service-Geschäfts an Siemens Gamesa haben zumindest 500 der ehemals 1800 Beschäftigten in Deutschland eine langfristige Perspektive. Die tariflichen Arbeitsbedingungen und Betriebsratsstrukturen bleiben beim neuen Eigentümer erhalten.“

Ernüchterndes Ergebnis

Insgesamt sei das Ergebnis des Verkaufsprozesses aus Sicht der Gewerkschaft aber ernüchternd. Friedrich ergänzte: „Nach der Insolvenz bleibt von Senvion in Deutschland nur der Service. Für Entwicklung und Produktion gibt es keine Zukunft. Hunderte Menschen haben in diesen Bereichen mit viel Herzblut gearbeitet und durch die Insolvenz ihren Arbeitsplatz verloren." Von der Bundesregierung erwartet die Gewerkschaft, den Ausbau der Windkraft voranzutreiben und nicht auszubremsen. Die geplanten Abstandsregeln bewirkten aber genau das.

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