Lebensmittelkonzern Mondelez

Umzug in die Bremer Überseestadt

Der Nahrungs- und Genussmittelhersteller Mondelez hat sich entschieden: Im kommenden Jahr will er seinen Verwaltungssitz in die Überseestadt verlegen. Der Verkauf des bisherigen Gebäudes läuft.
27.07.2017, 13:23
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Umzug in die Bremer Überseestadt
Von Maren Beneke

Noch lässt sie sich schwer verleugnen, die lange Firmenhistorie von Mondelez. Im Verwaltungssitz in der Langemarckstraße hatte einst Klaus Jacobs sein Büro. Holzvertäfelt, so hört man, mit einer angeschlossenen Pantry-Küche und einem winzigen Badezimmer. Heute wird das einstige Büro als Besprechungsraum genutzt und doch, durch den Raum soll nach wie vor ein Hauch Geschichte wehen.

Damit wird es demnächst vorbei sein: Wenn Mondelez, wie am Donnerstag angekündigt, Anfang kommenden Jahres in die Überseestadt zieht, dann gibt der Konzern seinen langjährigen Bremer Deutschlandsitz auf, der zwar immer das gleiche Unternehmen, aber mit immer unterschiedlichen Namen gesehen hat: 1990 hatte Jacobs seine Firma an Philip Morris verkauft. Nach mehreren Umfirmierungen und Zusammenlegungen war im Jahr 2000 der US-Lebensmittel-Multi Kraft Foods geboren, der 2012 wiederum gespalten wurde und seither außer in Nordamerika Mondelez International heißt. Die vielen Namen, sie alle waren immer gut sichtbar an dem Hochhaus in der Langemarckstraße.

Hochhaus soll verkauft werden

Doch nun ist es eben an der Zeit, neue Geschichten zu schreiben, sich weiterzuentwickeln. Und wo ginge das besser, als in der Überseestadt? Eine Mondelez-Sprecherin spricht am Donnerstag von einer Aufbruchstimmung. Ähnliches ist auch aus der Mitarbeiterversammlung am Morgen zu hören, in der die Verwaltungsangestellten erfahren haben, wo sie wahrscheinlich schon ab dem ersten Quartal 2018 arbeiten werden. Die Nachricht sei positiv aufgenommen worden, heißt es.

Dabei ist das neue Gebäude noch gar nicht fertig und auch der bisherige Verwaltungssitz noch immer nicht verkauft. Nach Angaben der Sprecherin läuft mit Unterstützung eines Maklers derzeit die finale Bieterrunde für die Immobilie in der Langemarckstraße, wo nach wie vor das Kaffeeunternehmen Jacobs Douwe Egberts Mieter von Mondelez ist. Läuft alles nach Plan, wird das Hochhaus aber noch in diesem Jahr den Besitzer wechseln. Für Mondelez waren die Räume, nachdem in den vergangenen Jahren immer wieder Mitarbeiter das Unternehmen verlassen mussten, schlichtweg zu groß geworden und nicht mehr zeitgemäß genug.

Neue Zentrale nur gemietet

Der neue Verwaltungssitz des Produzenten von Marken wie Philadelphia oder Milka an der Konsul-Smidt-Straße wird dem Unternehmen allerdings nicht gehören. Bauherrin und später auch Besitzerin ist die Gustav-Zech-Stiftung, bei der sich Mondelez dann einmieten möchte. Eine entsprechende Absichtserklärung ist von beiden Seiten unterschrieben worden.

"Wir fühlen uns in Bremen wohl", sagt die Mondelez-Sprecherin. Die gut 500 Verwaltungsangestellten, die nach Unternehmensangaben mit in das neue Gebäude einziehen sollen, werden einen Großteil der dann sechsstöckigen Immobilie belegen. Es wird aber wohl noch einen weiteren Mieter geben, dessen Name noch nicht öffentlich werden soll. Der Bremer Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Dieter Nickel, sagt: "Wichtig ist erst einmal, dass das Unternehmen in Bremen bleibt." Dass nun gut 500 Angestellte im neuen Deutschlandsitz Platz finden sollen, passe mit den jüngsten Mitarbeiterzahlen zusammen.

Immer wieder Stellenkürzungen

Vor Abspaltung der Kaffeesparte arbeiteten noch gut 1000 Menschen in Bremen für Mondelez. Doch in den vergangenen Jahren wurden immer wieder häppchenweise Stellen gestrichen: 2014 waren es bis zu 180 Jobs, die aufgegeben werden sollten; kurze Zeit später kamen weitere 60 Arbeitsplätze dazu, die ins Ausland verlagert wurden; und das Programm "Transformation" läuft weiter, Bremen und der Produktionsstandort Bad Fallingbostel sollen noch einmal mit gut 90 Stellen weniger auskommen. Betriebsbedingte Kündigungen will Mondelez indes auch weiterhin vermeiden und setzt auf freiwillige Abgänge.

Ein entsprechender Sozialplan für die Mitarbeiter in der Hansestadt wurde kürzlich durch die Einigungsstelle beschlossen. Die NGG ist nach eigenen Angaben "recht zufrieden" mit dessen Inhalt. Dieser falle für die Arbeitnehmer besser aus, als der der vorherigen Sparrunde. Der Sozialplan regelt nun unter anderem, wie hoch die Abfindungen der Arbeitnehmer, die Mondelez verlassen, ausfallen. Diese berechnen sich unter anderem anhand der Dienstjahre, der Anzahl der Kinder, des Behinderungsgrades oder auch des Fahrens eines Dienstwagens. Ein Wermutstropfen bleibt nach Angaben von Nickel aber: Der Sozialplan gilt nur für Bremen, nicht aber für die Mitarbeiter aus Bad Fallingbostel.

Für dieses Jahr rechnet der NGG-Geschäftsführer nun erst einmal nicht mit einem weiteren Stellenabbau. Für das kommende Jahr will er ein neues Transformation-Programm aber nicht ausschließen. "Es kann immer sein, dass da was kommt", sagt er. Mit einer gemieteten Immobilie hat sich der Lebensmittelhersteller dann zumindest mehr Flexibilität erkauft.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+