Haven Höövt in Vegesack

70 Millionen Euro für das Haven-Höövt-Quartier

Die Vorbereitungen für Teilabriss und Umbau des Haven Höövts laufen. Projektentwickler Max Zeitz von der Wesbau GmbH plant bis zu 200 Wohnungen und eventuell auch ein Polizeirevier.
23.11.2017, 16:54
Lesedauer: 4 Min
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70 Millionen Euro für das Haven-Höövt-Quartier
Von Patricia Brandt

Vegesack. 71,5 Millionen will der neue Eigentümer in die Revitalisierung des Einkaufszentrums Haven Höövt und eine Bebau­ung der zugehörigen Grundstücksflächen stecken. Aus dem Areal zwischen Museumshaven und Bahnhofsvorplatz soll ein lebendiges Quartier mit Wohnungen für bis zu 400 Menschen, einem Kindergarten und Gastronomie werden. Aktuell verhandelt Projektentwickler Max Zeitz, Geschäftsführer der Wesbau, auch über die Ansiedlung des geplanten Großreviers Polizei­inspektion Nord-West auf dem Gelände.

Rote Weihnachtskugeln leuchten von der Decke. Eine Verpflichtung den verbliebenen Mietern gegenüber. Es sind nicht mehr viele Schaufenster, die den Blick auf Ware frei geben. Die meisten sind verhüllt. Max Zeitz, braune Haare, gewinnendes Lächeln, schlägt den Weg zum Center Management ein. Donnerstags ist sein Vegesack-Tag. „Man sieht noch nicht viel, aber es geht schon los“, sagt der gebürtige Essener, der das Vegesacker Shoppingcenter für die Wesbau Baubetreuungsgesellschaft aus Mannheim im Auftrag eines deutschen Bestandshalters auf Vordermann bringen will. Mehr als ein halbes Jahr ist seit dem Verkauf im April verstrichen.

Arbeiter haben an diesem Tag die obere Parkebene des Haven Höövts abgesperrt. „Wartungsarbeiten“, steht auf einem Schild. Zeitz sagt, dass die Parkplätze vergrößert werden sollen. Sie entsprächen nicht mehr dem Standard. Gleiches gilt für Brandschutz und Lüftungstechnik. 11,5 Millionen Euro sollen in die Revitalisierung der Grundstücksfläche D fließen. Es ist der hintere Gebäudeteil, der, in dem heute Marktkauf sitzt. Die Wesbau wird die 2003 illegal über­dimensioniert eröffnete Verkaufsfläche halbieren. Bleiben wollten „Deichmann, Rossmann, die Apotheke“, zählt Zeitz auf. Spiele­maxx werde voraussichtlich ins zweite Obergeschoss ziehen, wo auch Gastronomie geplant ist.

Eine Mutter mit Kinderwagen schiebt sich durch die Kleiderstangen bei H & M. Der Textilist gehört laut Zeitz zu denen, die vermutlich nicht im kleinen Haven Höövt zu finden sein werden. Zeitz zuckt die Achseln. „Kik will bleiben und Tedi – da schauen wir mal.“ Kleines Haven Höövt – der Name gefällt Zeitz: „Nahversorgungszentrum ist nicht der richtige Begriff“, sagt Zeitz. Denn das, was er plant, ist ein Mini-Einkaufszentrum mit Kaufland als Supermarkt und einem Elektronikfachmarkt mit einer Gesamtverkaufsfläche von rund 10 500 Quadratmetern. Welcher Elektronikmarkt nach Bremen-Nord kommt, weiß der Projektentwickler noch nicht. Zeitz lächelt: „Die sind alle nicht abgeneigt.“

Der Umbau erfolgt peu á peu. „Wir werden nicht zumachen“, verspricht Zeitz. Im Zuge der Umbauarbeiten soll auch die Fassade erneuert werden, und Zeitz verspricht künftig mehr Aufenthaltsqualität im Center. „Das Haven Höövt ist sehr nüchtern.“ Das neue, kleine Haven Höövt soll Sitzgelegenheiten auf den langen Gängen bieten: „Man soll an zwei bis drei Stellen sitzen und essen können“, stellt sich Zeitz vor. An dem langen, weißen Konferenztisch im Center Management sind ein Dutzend Gläser aufgereiht. Wenn sich der Wesbau-Geschäftsführer donnerstags nach Vegesack aufmacht, um sich mit dem neuen Haven-Höövt-­Verwalter Vivanium, seinem Architekten Bastian Wieland vom Büro Archis aus Karlsruhe oder Vertretern des Bauamts zu treffen, geht es längst nicht nur um den ­alten Handelsteil. Weit größeren Raum nimmt ­aktuell der Teil des Haven Höövts ein, den die Wesbau gerade neu denkt.

Das Haven Höövt soll die städtebauliche Achse zwischen der Fußgängerzone und dem Museumshaven bilden. Dafür soll der vordere Teil der alten Shopping Mall, der Bauteil B, vom Glasturm bis zur Brücke, weichen und neu bebaut werden. Wie auch das Bauteil C, jene Freifläche, auf der Haven-Höövt-Mitbegründer Frank Albrecht mit Kino und Bowlingbahn einst Entertainment versprochen hat. Rund 60 Millionen Euro wird die Bebauung der beiden Bauteile nach Angaben der Wesbau verschlingen. Geplant sind bis zu 200 Wohnungen und eine Reihe von öffentlichen Nutzungen. „Das soll hier ein lebhaftes Quartier werden.“ Zeitz spricht von einer Kita, einem Ärztehaus und neuer­dings von einem Gebäude für die neue Polizeiinspektion Nord-West. Bekanntlich sucht das Innenressort seit Monaten einen Standort für ein 24-Stunden-Großrevier in Vegesack.

Zeitz kann sich gut vorstellen, dass seine neuen Mieter eine Polizeidienststelle schätzen würden. Durch ein Fenster ist die Grohner Düne zu sehen. Der Mann aus Mannheim weiß, dass die Wohntürme ein sozialer Brennpunkt sind. Das Bauamt könne sich auf dem Haven-Höövt-Areal eine zwei- bis dreigeschossige Bauweise und 180 bis 200 Wohnungen vorstellen, sagt er. Die Wesbau wolle keine Luxuswohnungen mit bodentiefen Fenstern und Fußbodenheizungen bauen. „Das ist nicht Vegesack, man muss authentisch bleiben“, findet Zeitz. „Wir wollen Wohnungen schaffen, die im Schnitt zehn Euro Miete pro Quadratmeter kosten.“ Die barrierefreien Wohnungen sollen im Schnitt 75 Quadratmeter groß sein.

Architekt Bastian Wieland aus Karlsruhe bereite mit der Wesbau den von Bremen geplanten Architektenwettbewerb für den Wohnungsbau vor. „Fünf Büros dürfen teilnehmen, wir geben die Inhalte vor“, berichtet Zeitz. In Kürze werde die Baudeputation beraten, Anfang des Jahres solle dann der Wettbewerb starten. Zeitz steckt sich eine Spalte einer geschälten Mandarine in den Mund. Er wirkt sehr entspannt.

Der Wesbau-Geschäftsführer kommt eigentlich aus der Kommunikationsbranche, wie er sagt. Zuletzt habe er in Frankreich und der Schweiz für einen Internetbetreiber gearbeitet. Auf Umwegen kam der Wahl-Mannheimer, Vater von erwachsenen Zwillingen, in die Immobilienbranche.

„Vom Schmuddelkind zur Flaniermeile“, titelte die Wochenzeitung für Weinheim 2016. Da hatte die Wesbau angekündigt, die Weinheimer Einkaufspassage Karlsberg in der Nähe von Mannheim für einen Mannheimer Investor für bis zu 30 Millionen Euro umzugestalten. „Herzstück der Überlegungen ist, den Wohnflächen-Anteil durch eine Teilreduzierung der Gewerbeflächen zu erhöhen“, sagte Zeitz der Rhein-Neckar-Zeitung. „Die vergangenen zwölf bis 14 Monate haben wir die Standort- und Zielgruppen-Analysen und die darauf aufsetzenden Planungsschritte durchgeführt. Mit dem Umbau von einigen Büros in Wohnungen wurde bereits begonnen. Mit dem Umbau der gewerblich geprägten Passage beginnen wir im Frühjahr des kommenden Jahres“, erläutert Zeitz.

Möbelt die Wesbau immer Pleiteobjekte auf? „Nein“, sagt Zeitz und lacht. Er spricht von einem Terminal, das die Wesbau für eine Logistikgesellschaft in Dänemark entwickelt und von einem Verwaltungsgebäude für einen Mannheimer Energieversorger. Und dann fällt ihm noch der Gewerbepark in Rhein/Main ein. Der hatte wie das Haven Höövt Insolvenz anmelden müssen. Das Konzept für die Gewerbeflächen ähnelt dem für Vegesack: „Einen alten Teil erhalten und einen neuen Teil ansiedeln.“

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