Abstrich statt Quarantäne

Tests am Bremer Flughafen womöglich schon nächste Woche

Die Gesundheitsminister der Länder wollen Urlaubsheimkehrern mit Testzentren an allen Flughäfen kostenfreie Tests unmittelbar nach Ankunft ermöglichen. Nur die Finanzierung ist noch nicht abschließend geklärt.
25.07.2020, 05:00
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Tests am Bremer Flughafen womöglich schon nächste Woche
Von Timo Thalmann
Tests am Bremer Flughafen womöglich schon nächste Woche

Zu den Reiseformalitäten wird in diesem Sommer an den Flughäfen nicht nur die Gepäckaufgabe gehören. Auch die Aussteigerkarten werden wieder eingeführt, in denen die Reisenden Angaben zur Person und ihren Aufenthaltsorten machen sollen.

Arne Dedert /dpa

Nach dem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz ging es ganz schnell. Unmittelbar nachdem die Fachpolitiker der Länder und der Bundesgesundheitsminister am Freitagmittag entschieden haben, dass sich alle Reisenden nach ihrer Rückkehr in Deutschland kostenlos auf das Coronavirus testen lassen können, trat in Bremen der Corona-Krisenstab zusammen. Denn eigens für diese Tests sollen an allen See- und Flughäfen neue Testzentren für die Reiserückkehrer errichtet werden.

So gab es am späten Freitag erste Gespräche des Krisenstabs mit der Flughafengesellschaft, weil nach Möglichkeit bereits kommende Woche eine solche Testgelegenheit auf dem Bremer Flughafen ihren Betrieb aufnehmen soll. Der Beschluss der Länder verpflichtet die Flughafenbetreiber, dafür entsprechende Räumlichkeiten bereitzustellen. Die medizinische Zuständigkeit liegt beim Bremer Gesundheitsamt.

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Zahlreiche praktische Fragen sind bis dahin zu lösen, etwa ob es neue Laufwege für die Flugpassagiere braucht, welcher Absperrungen es unter Umständen bedarf und wie sich Reisende aus verschiedenen Herkunftsländern trennen lassen. Denn die Testzentren in den Flughäfen sind allein den Urlaubern vorbehalten, die sich in einem vom Robert Koch-Institut als Risikogebiet definierten Land aufgehalten haben. Andere Reisende haben zwar ebenfalls Anspruch auf einen kostenlosen Test innerhalb von 72 Stunden nach Ankunft, müssen dafür aber das Corona-Testzentrum in den Messehallen aufsuchen.

Eine Verpflichtung für die Reisenden, sich testen zu lassen, ist in dem Beschluss der Länder nicht enthalten. Die Mehrheit hat dafür keine Rechtsgrundlage gesehen. Verpflichtend ist allerdings eine 14-tägige Quarantäne, wenn man aus einem Risikogebiet heimreist, die sich allein durch ein negatives Testergebnis abkürzen lässt. Daher rechnen die Verantwortlichen mit einer hohen Nachfrage der Reisenden für die freiwilligen Tests. Bremen sieht das Thema nach Angaben von Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitssenatorin, eher entspannt.

Nur kleine Zahl von Flügen aus der Türkei

„Das betrifft aktuell in Bremen nur eine kleine Zahl von Flügen, die aus der Türkei hierherkommen.“ Insofern sei man optimistisch, die damit verbundenen Fragen schnell lösen zu können. An großen Drehkreuzen wie Frankfurt oder München sieht das deutlich anders aus. Zugleich existieren dort bereits seit Ende Juni Möglichkeiten für Reisende, sich freiwillig, aber bislang auf eigene Kosten testen zu lassen.

Die jetzt für die Urlauber kostenfreien Test werden nach den Vorgaben der Corona-Testverordnung des Bundes von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert, auch wenn die Betroffenen privat oder gar nicht versichert sind. Der Bund hat zugesagt, das dafür zunächst aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds stammende Geld durch einen Zuschuss aus Steuermitteln zu ersetzen. Ein Test kostet seit Anfang Juli 52,50 Euro. Davon entfallen rund 40 Euro auf die Leistung des Labors, dazu kommen eine Transportpauschale und Arzthonorare.

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Bei den Ländern verbleiben indes die sogenannten Infrastrukturkosten, die unter anderem für die Einrichtung der Testzentren an den Flughäfen entstehen. Dazu zählen mögliche Mieten für die Räumlichkeiten und die Kosten für das medizinische Personal. Weil große Standorte wie Frankfurt, München oder Berlin deutlich mehr Verbindungen in Risikogebiete anbieten und damit auch Reisende aus anderen Bundesländern mit kostenfreien Tests versorgen, ist eine diskutierte gemeinschaftliche Finanzierung durch die Länder noch nicht endgültig entschieden.

Die Runde der Gesundheitsminister hat diese Frage am Freitag mit einem Formelkompromiss an die Ministerpräsidenten und Finanzminister weiter gereicht, die nächste Woche darüber weiter beraten. Unter Umständen kommen daher auf Bremen anteilige Kosten für Testzentren an anderen Flughäfen zu.

Aussteigerkarten werden wieder eingeführt

Die Beschlüsse der Gesundheitsminister richten sich über die Flughäfen hinaus an alle Reiseveranstalter, die per Bahn, Bus oder Schiff Reisen ins Ausland anbieten. Wieder eingeführt werden die sogenannten Aussteigerkarten. Damit sollen die Veranstalter von jedem Passagier die vollständigen Reisedaten erfassen und an die Gesundheitsbehörden übermitteln.

So soll auch nachvollzogen werden, wenn Heimkehrer über Zwischenstationen aus Risikogebieten kommen, beispielsweise wenn eine USA-Reise über Amsterdam oder London angetreten wurde. An den Außengrenzen soll die Bundespolizei Heimkehrer im Auto verstärkt in Stichproben nach ihren Aufenthaltsorten befragen. Dabei soll sie über die Quarantänepflichten aufklären sowie auf die Möglichkeit der kostenfreien Tests hinweisen. Auch an Bahnhöfen soll es entsprechende Informationen geben.

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