Selbstversuch im Westbad Mehr schwimmen, weniger planschen

Wer nur Bahnen ziehen will, hat es jetzt deutlich einfacher. Gesellig mit Gespräch zu zweit oder dritt nebeneinander zu schwimmen, ist dagegen nicht mehr möglich: Ein Schwimmbadbesuch in Corona-Zeiten.
16.06.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Mehr schwimmen, weniger planschen
Von Timo Thalmann

Nach 92 Tagen hält sich der Andrang in Grenzen. So lange war das Westbad wegen der Corona-Pandemie geschlossen und jetzt verlieren sich in den ersten Stunden der Wiedereröffnung am Montag gerade mal vier Badegäste in der Anlage. Mehr als zehn werden es an diesem ersten Vormittag nicht. „Das liegt aber eher am Wetter, als an den neuen Regeln“, sagt Marc Feldmann vom Bremer Bäderbetrieb, der hier nach der Pause auch wieder seinen ersten Dienst als Bademeister verrichtet. Gut möglich, dass er recht hat. Vor zehn Uhr zeigt sich die Sonne kaum. Luft und Wasser erreichen gerade mal so die 20-Grad-Grenze.

In dem leeren Freibad wirken die neuen Regeln und Auflagen für die Badegäste etwas bizarr, etwa das Abstandsgebot von 1,50 Meter oder die Maskenpflicht auf dem Weg zur Toilette. Nur im Wasser und auf dem direkten Weg dahin, darf der Mund-Nasen-Schutz abgelegt werden. Das Foyer des Westbades ist mit zusätzlichen Gittern, Absperrbändern und viel hilfreichem Personal auch eher auf einen größeren Ansturm von Badegästen ausgelegt. Dass jetzt eine strenge Obergrenze von 400 Besuchern innerhalb einer auf fünf Stunden begrenzten Schwimmzeit gilt, wirkt an diesem Morgen ebenfalls etwas übertrieben.

Lesen Sie auch

Das war am Sonnabend im Stadionbad schon anders. Bei schönstem Sonnenschein waren die Besucherzahlen dort bereits dreistellig, wenn auch weit entfernt von der festgelegten Obergrenze von 600 Besuchern. Oberflächlich betrachtet wirkt der Badebetrieb am Stadion schon fast normal, wenn da nicht die Masken wären und die Absperrbänder vor den Duschen und Umkleiden. Mit Trennleinen sind jetzt außerdem alle Schwimmbahnen eindeutig markiert. Wer sportlich seine Bahnen ziehen will, hat es jetzt deutlich einfacher. Gesellig im Gespräch zu zweit oder dritt nebeneinander zu paddeln, ist dagegen nicht mehr möglich.

Außerdem müssen die Badegäste in allen Bädern ihre Eintrittskarten für jeden Badbesuch nun vorab kaufen. Und dafür gibt es nur zwei Möglichkeiten: Online über einen eigens eingerichteten Internet-Shop oder im Bädershop bei Karstadt-Sports in der Innenstadt. So wollen die Bremer Bäder nicht nur die Besucherzahlen kontrollieren und dabei verhindern, dass Interessenten wegen zu viel Andrang vor Ort abgewiesen werden, sondern erfassen auch Namen und Kontaktdaten der Besucher.

Lesen Sie auch

Die Eintrittskarte selbst ist am Ende ein QR-Code, den man per E-Mail zugeschickt bekommt. Den muss man nicht mal ausdrucken. Im Westbad, im Freibad Blumenthal und im Schloßparkbad genügt es, ein Smartphone mit dem Code vor das Eingangsdrehkreuz zu halten. Im Stadionbad hält das Kassenpersonal ein Ablesegerät für das Telefon-Display oder wahlweise den Papierausdruck bereit. Das gleiche noch einmal am Ende des Badbesuchs am Ausgang. So wird genau registriert, wer sich wann und wie lange im Bad aufgehalten hat. Falls tatsächlich eine Corona-Infektion auftritt, sollen so alle Kontakte zurückverfolgt werden können.

Der Onlineshop hat noch seine Ecken und Kanten. Bezahlen kann man nur per Kreditkarte oder Paypal. Besitzer von bereits vorausbezahlten Bäderkarten müssen schon sehr genau hingucken, bis sie entdecken, wie sie eine Karte reservieren können, die dann vor Ort mit der Bäderkarte verrechnet wird. Und wer sich anmeldet, wurde zumindest in den ersten Tagen mit einer englischsprachigen E-Mail begrüßt. „Normalerweise hat so ein Projekt rund sechs Monate Vorlauf, wir haben das jetzt in knapp drei Wochen gestemmt“, sagt Bäderchefin Martina Baden und verspricht Nachbesserung.

Lesen Sie auch

Das hält auch Kerstin Eckardt für notwendig. Die Christdemokratin im Waller Beirat hat gleich am ersten Öffnungstag das Westbad besucht. „Ich besuche hier Kurse und gehe regelmäßig schwimmen.“ Umso erleichterter sei sie, dass das Bad nun wieder geöffnet ist. Allerdings hat sie ihre Eintrittskarte doch vor Ort erstanden. „Wie das mit der Bäderkarte online gehen soll, hat sich mir nicht offenbart“, sagt sie. Eckardt glaubt auch nicht, dass der eher geringe Zuspruch allein am Wetter liegt.

„Das Freibad ist mit den Corona-Regeln ja nicht attraktiver geworden.“ Gerade bei dem im Westbad eher älteren Publikum findet sie die Becken schlicht zu kalt. „Wenn das beheizt würde, wäre schon viel gewonnen.“ Auch die jetzt fehlenden Umkleiden würden sicher den ein oder anderen vom Badbesuch abhalten. Die Bäderchefin ist da deutlich optimistischer. „Noch ist die Freibadsaison 2020 nicht verloren“, sagt Baden. Selbst mit den neuen Besucher-Obergrenzen könne man rein rechnerisch auch jetzt noch die Zahlen des Vorjahres erreichen. „Der entscheidende Faktor ist allein das Wetter.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+