Prozess wegen schwerer Brandstiftung Angeklagter streitet alle Vorwürfe ab

Vor dem Bremer Landgericht hat am Freitag ein Prozess wegen schwerer Brandstiftung und Körperverletzung begonnen. Der mutmaßliche Täter soll in anderem Zusammenhang ein Grab für seine Familie ausgehoben haben.
26.07.2019, 14:23
Lesedauer: 2 Min
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Angeklagter streitet alle Vorwürfe ab
Von Nina Willborn

Die Liste der Vergehen, wegen derer sich ein Bremer seit Freitag vor dem Landgericht verantworten muss, ist lang. Brandstiftungen, eine schwere Brandstiftung, Körperverletzungen. Und er behauptet, keines von ihnen begangen zu haben. Der Hintergrund der Taten könnte ein Streit um das Sorgerecht für seine Tochter sein, den der Angeklagte vor dem Bremer Amtsgericht verloren hatte.

Der 42-Jährige soll zwischen Oktober 2017 und November 2018 in Bremen und in zwei Fällen auch in Köln insgesamt sieben Autos angezündet haben. Zwei der Fahrzeuge sollen seinem ehemaligen Schwager gehört haben, der Angeklagte soll aber unter anderem auch den Wagen seines Rechtsanwalts, Autos einer Anwaltskanzlei sowie einen Mietwagen in Brand gesetzt haben. Auch auf den Wagen eines Bremer Familienrichters soll der mutmaßliche Täter es abgesehen haben, und diese Tat hätte beinahe zu einer Katastrophe geführt. Die Flammen aus dem in Brand gesetzten Auto hatten erst auf ein Carport und einen Schuppen übergegriffen, von dort hatte sich das Feuer ins Dach eines Doppelhauses ausgebreitet und dort Schäden im Ober- und Dachgeschoss sowie ebenfalls in einem anderen benachbarten Haus angerichtet. Menschen waren nicht verletzt worden.

Grabähnliche Grube ausgehoben

Des Weiteren soll der Angeklagte im Dezember 2018 einen Mann mit einem Messer angegriffen und ihn lebensgefährliche Schnittwunden an Stirn und Ohr zugefügt haben. Seiner Ex-Frau soll er laut der Anklageschrift trotz eines gerichtlichen Kontaktverbots mehrfach mit dem Tod gedroht ("Du gehst heute ins Grab", "Du bist bald dran") und sie beleidigt haben. Zuletzt soll er Anfang Februar die Fußmatte einer Anwaltskanzlei hochkant vor die Tür gestellt und angezündet haben, aufmerksame Zeugen verhinderten den Brand.

Kurz nach dieser mutmaßlichen Tat war der Mann von der Polizei festgenommen worden - allerdings in einem völlig anderen Zusammenhang: Er soll im Januar im Blockland in der Nähe der Mülldeponie eine grabähnliche Grube ausgehoben haben. Die Polizei hatte zunächst keinen Verdächtigen, ließ deshalb den Ort mit Kameras beobachten. Im Februar war dann der Angeklagte in weißem Schutzoverall an der Grube aufgetaucht, die Ermittler nahmen ihn fest. Sie vermuteten, dass der Bremer geplant haben könnte, seine Ex-Frau und seine Tochter zu töten und die Leichen in der Grube abzulegen. Weil das Ausheben einer Grube an sich aber kein Verbrechen ist, wurde in diesem Fall keine Anklage erhoben. Die Ermittler verfügten aber, dass der Angeklagte in einer forensischen Klinik untergebracht ist. Dort befindet er sich immer noch. Laut Staatsanwaltschaft leidet der Mann mit großer Wahrscheinlichkeit an einer paranoiden Störung seiner Persönlichkeit. Er soll deshalb in allen Fällen vermindert schuldfähig gewesen sein.

Zündete der Angeklagte die Autos aus Rache an? Warum verletzte er den anderen Mann? Antworten auf diese Fragen brachte der erste Prozesstag nicht. Der Angeklagte antwortete zwar auf die Fragen der Richterin, seine Schilderungen waren allerdings sehr weitschweifig und hatten teilweise keinen Bezug zu den Fragen. Vor allem aber bestritt er mehrfach sämtliche Vorwürfe. "Die Behauptung, dass ich Brände gelegt habe oder jemanden verletzt oder mit einem Messer bedroht habe, ist falsch. Ich bin zu so etwas gar nicht fähig", sagte er. Stattdessen vermutete er hinter den Taten eine Intrige seiner Ex-Frau und seiner Tochter. "Es ist alles umgekehrt." Auch, dass er krank sein könnte, bestritt der Mann. "Ich habe keine Psychose. Ich nehme auch keine Medikamente", sagte er.

Der Prozess wird am Freitag, 16. August, um 14 Uhr fortgesetzt. Die ersten Zeugen sollen allerdings erst am Mittwoch, 18. September, 9 Uhr, aussagen.

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