Serie „Bremer Institutionen“ Teil 5: SWB

„Ich mag dieses raue Geschäft“

An Kabelgräben steht Sören Sturm als Bereichsleiter des technischen Services der Wesernetz nur noch selten, sein Arbeitsplatz ist nun das Büro. Im Interview erzählt er, was im Jahr 2006 sein Job-Highlight war.
04.05.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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„Ich mag dieses raue Geschäft“
Von Nina Willborn
Beschreiben Sie mal bitte Ihre Aufgabe als Bereichsleiter.

Beim technischen Service der Wesernetz kümmern wir, das sind rund 300 Mitarbeiter, uns um die Wartung, Instandhaltung und die Entstörung der gesamten Technik, die Strom, Gas, Fernwärme oder Wasser zu Ihnen nach Hause bringt. Mein Job als Bereichsleiter ist das klassische Sandwich zwischen der Geschäftsführung und den Mitarbeitern. Ich kümmere mich um administrative Aufgaben, beispielsweise unsere langfristige Planung sicher und wirtschaftlich zu gestalten. Natürlich ist aber auch viel Tagesgeschäft dabei. Welche Projekte laufen, wo gibt es Störungen? Aktuell nimmt die Gasumstellung rund 20 Prozent meiner Arbeitszeit ein. Sie ist unter den aktuellen Bedingungen natürlich eine spezielle Maßnahme.

Inwiefern?

Es ist ein bisschen paradox. Im Moment können wir sehr effektiv arbeiten, weil durch das Coronavirus viele Menschen zu Hause sind. Wir halten uns natürlich an die vorgeschriebenen Abstände, haben Hygienemaßnahmen verstärkt. Wir haben aber bei der Gasumstellung auch keine andere Wahl, weil es die gesetzliche Verpflichtung gibt und wir nach einem bundesweiten Fahrplan arbeiten müssen.

Gibt es weitere Herausforderungen für Sie?

Ja, im Moment vor allem der Mangel an Fachkräften, zum Beispiel bei den Monteuren im Strom-, Gas-, Fernwärme- und Wasserbereich. Sie sind eine gesuchte Spezies. Wir sind jetzt in einer Re-Investitionsphase der Netzinfrastruktur, die in den 50er- und 60er-Jahren installiert wurde. Nun muss sie langfristig ausgetauscht werden. Da geht es dann um Fragen wie: Wie baue ich Personal auf? Kann ich Leute umschulen? Welche Prozesse übernehmen wir selbst, welche nicht? Eine andere Herausforderung ist, dass wir technisch immer up to date bleiben müssen, unter anderem beim Stichwort Digitalisierung.

Als Bereichsleiter sind Sie viel im Büro. Kommen Sie trotzdem auch noch raus?

Gefühlt komme ich viel zu wenig aus dem Büro, normalerweise so zwei Mal im Monat. Im Moment natürlich wegen Corona seltener. Da blutet mir schon ein wenig das Herz, weil ich es toll finde, irgendwo im Regen an einem Kabelgraben zu stehen. Es ist ein raues Geschäft, aber damit kann ich mich zu 100 Prozent identifizieren. Ich bin 1999 aus Thüringen nach Bremen gekommen, weil die SWB damals einen Ingenieur für elektrische Schutztechnik suchte. Das wollte ich unbedingt machen, und es hat geklappt.

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Was war das Außergewöhnlichste, das Sie bislang im Job erlebt haben?

Das war Ende des Jahres 2006 die Anbindung von Bremen an das europäische Verbundnetz aufgrund der Liberalisierung des Strommarkts. Da mussten wir eine zweite Einspeisung aufbauen, und als die angeschlossen wurde, stand ich im Umspannwerk in Niedervieland und wusste: Einen kleinen Teil dieser Technik habe ich zu verantworten. Für andere Menschen sind es vielleicht nur graue Schränke, aber ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich da vorbeilaufe.

Das Gespräch führte Nina Willborn.

Info

Zur Person

Sören Sturm (48) ist seit Januar Bereichs-
leiter des technischen Services der Wesernetz GmbH. Bei der SWB arbeitet der Elektroingenieur in verschiedenen Positionen seit mehr als 20 Jahren.

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