Bremer Institutionen Teil 5: SWB

Wächter des Stromsees

Vom Namen kennt jeder Bremer große Institutionen wie die Arbeitnehmerkammer, die Gewoba oder die Stadtreinigung. In dieser Serie erklären wir, wie sie aufgebaut und was ihre Aufgaben sind. Teil 5:die SWB.
03.05.2020, 19:38
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Wächter des Stromsees
Von Nina Willborn
Wächter des Stromsees

Das Steinkohlekraftwerk der SWB in Hastedt hat eine installierte Leistung von 150 MW. Es ist das älteste Kraftwerk der Stadt.

Frank Thomas Koch

Anfang des 19. Jahrhunderts ließen die Bremer erst mal hanseatische Zurückhaltung walten, als es um die damals neumodische Möglichkeit ging, Straßenlaternen mittels Gas leuchten zu lassen – befürchtet wurden schwere Explosionen und andere Unfälle. Was dann aber in Hannover, Berlin und Dresden funktionierte, wurde schließlich auch an der Weser für gut befunden und schließlich am 23. September 1854 die erste große Gasanstalt an der heutigen Theodor-Heuss-Allee eröffnet. Auf dem Gelände zwischen Bahnhof und Schlachthof ist heute noch Energie das zentrale Thema: Dort hat die SWB ihren Hauptsitz.

Damals wie heute ist es eigentlich am besten, wenn man die Existenz eines Energieversorgers abgesehen vielleicht von den monatlichen Konto-Abbuchungen nicht groß zur Kenntnis nimmt, denn das bedeutet: Nichts ist explodiert, Licht, Strom, Gas und Wasser funktionieren. „Manchmal müssen wir den Menschen eben auf die Pelle rücken. Das kann dann auch Unannehmlichkeiten mit sich bringen“, sagt SWB-Sprecher Friedhelm Behrens. Das gilt bei akuten Problemen, wenn zum Beispiel an Leitungen gearbeitet werden muss und die Wasserversorgung beispielsweise in einer Straße unterbrochen werden muss, aber auch bei langfristigeren Vorhaben, die die Infrastruktur betreffen, aktuell zum Beispiel die Fernwärmetrasse.

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„Bei großen Projekten wie der neuen Fernwärmeleitung von der Uni durch Schwachhausen bis in die Vahr ist es unser Ziel, durch Austausch mit den Anwohnern wenn nicht Zustimmung, so doch eine Akzeptanz für unsere Pläne zu erreichen", sagt Behrens. Das sei allerdings nicht immer einfach. Ihre Aufgabe der Daseinsvorsorge versteht die SWB laut dem Sprecher aber auch in einem übergeordneten Sinn, nämlich dem Engagement für das Allgemeinwohl der Stadt. "Das machen wir vor allem in den Bereichen Sport und Bildung, beispielsweise beim Marathon oder der Bildungsinitiative", sagt er.

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Foto: Grafik WESER-KURIER / STV

Ansprechpartner vor Ort

Zwei Drittel der Bremer sind Strom- und Gaskunden bei der SWB, die 1941 zur Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Mit der 1999 vollzogenen Privatisierung der Bremer Stadtwerke gingen 49 Prozent der Aktien an die EWE. Seit 2009 gehört swb bis auf eine (städtische) Aktie vollständig zum Oldenburger EWE-Konzern. „Viele schätzen es, dass sie einen Anbieter vor Ort haben, mit einem Kundencenter, in dem man auch persönlichen Kontakt zu den Mitarbeitern hat“, sagt Behrens. Aber auch wer seinen Strom- oder Erdgasvertrag bei einem anderen Anbieter abgeschlossen hat, wird physikalisch über die SWB-Gesellschaft Wesernetz beliefert, bei der nicht liberalisierten Wasserversorgung ebenso alle Bremer Haushalte.

Sie wurde als Folge einer Änderung im Energiewirtschaftsgesetz aus dem Jahr 2005 organisatorisch strikt von der swb-eigenen Vertriebsgesellschaft getrennt und 2014 in Wesernetz umbenannt. Damit wird laut Gesetzgeber gewährleistet, dass der Zugang zum Bremer Netz für alle Energielieferanten zu gleichen Bedingungen erfolgt. Bei Wesernetz kümmern sich knapp 700 der insgesamt 2200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SWB um alle Aufgaben rund um die Daseinsvorsorge. "Man kann sich das Stromnetz in Bremen, aber auch überall sonst, wie einen See vorstellen", erklärt Behrens, "dessen Pegel immer gleich hoch sein muss. Was hineinfließt, muss auch wieder abfließen. Die Aufgabe von Wesernetz ist es, den Pegel des Netzes konstant bei 50 Hertz zu halten, also Einspeisungen entsprechend zu drosseln oder hochzufahren.“

Große Themen: Gasumstellung und Energiewende

Ein anderes Geschäftsfeld sind die technischen Dienstleistungen. Die SWB betreibt zur Strom- und Wärmegewinnung fünf Kraftwerke mit den Brennstoffen Kohle, Gas, und Abfall, dazu das Wasserkraftwerk in Hastedt, das mehr als 17.000 Haushalte mit Strom versorgt. Sie übernimmt laut Behrens aber auch den Betrieb kleinerer Blockheizkraftwerke für Unternehmen und organisiert beispielsweise die Gasumstellung für Industriebetriebe und andere Energieversorger.

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Zu den technischen Dienstleistungen gehört auch, dass sich die Mitarbeiter der Tochtergesellschaft "SWB Beleuchtung" um die knapp 63.000 Straßenlaternen in Bremen kümmern, sie nach und nach umweltfreundlicher umrüsten. Sie tun es im Auftrag der Stadt (und übrigens auch in anderen Kommunen), der Vertrag läuft derzeit noch bis 2024. Dass er verlängert wird, ist nicht sicher. Behrens: "Bei Ausschreibungen von städtischen Einrichtungen müssen wir uns mit anderen Angeboten messen. Und manchmal können andere bessere Konditionen bieten als wir.“

Eines der großen Themen für die SWB ist – natürlich – die Energiewende. Der Block 6 des Kraftwerks im Hafen liegt seit Ende Februar still: Ein Schritt auf dem Weg zum Ausstieg aus der Kohleverbrennung. Eines der selbstgesteckten Klimaziele werde die SWB bis Mitte der 2020er-Jahre übererfüllt haben, sagt Behrens, nämlich die Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes. „Hierfür arbeiten wir am kompletten Ausstieg aus der Kohle, und wenn wir das hinbekommen, was wir uns vorstellen, werden wir dann 90 Prozent weniger CO2 produzieren als jetzt.“ Dafür bedürfe es aber noch Investitionen im Bereich von knapp 200 Millionen Euro.

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Foto: Grafik WESER-KURIER / STV

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Zur Sache

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Bei der SWB als Unternehmen der kritischen Infrastruktur greifen besondere Maßnahmen. Viele der knapp 2200 Mitarbeiter arbeiten im Home-office, die Kundencenter sind geschlossen. Über die Webadresse www.swb.de/#WirSindDa stehen Kundenservices rund um Verträge und Abschläge online zur Verfügung.

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