Staatsanwaltschaft erhebt Anklage Betrugsprozess gegen Bremer Jura-Professor

Betrug und Untreue: Das wirft die Staatsanwaltschaft Bremen einem emeritierten Rechtsprofessor der Uni Bremen vor. Mitangeklagt ist seine Ehefrau.
09.09.2018, 19:15
Lesedauer: 3 Min
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Betrugsprozess gegen Bremer Jura-Professor
Von Jürgen Theiner

Das kommt nicht alle Tage vor: Ein früherer Jura-Professor der Bremer Uni muss sich demnächst vor dem Amtsgericht Bremen wegen Untreue und Betrugs verantworten. Der Rechtswissenschaftler ist gemeinsam mit seiner Frau angeklagt, die Geschäftsführerin einer Bremer Stiftung war. Die Frau soll für private Zwecke rund 23.000 Euro aus dem Stiftungsvermögen entnommen haben.

Ihrem Mann wird Anstiftung zu der Tat vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft hat 31 Einzelfälle von Untreue aufgelistet, die sich zu dem genannten Betrag summieren. Außerdem werden dem Juristen zwei mutmaßliche Betrugsfälle zur Last gelegt, die im Zusammenhang mit nicht bezahlten Handwerkerrechnungen stehen.

Eine offizielle Bestätigung für den Vorgang war von der Staatsanwaltschaft nicht zu erhalten. Aus Justizkreisen ist jedoch zu hören, dass die jetzt im Raum stehende Anklage wahrscheinlich mit einem schon länger beim Amtsgericht anhängigen Verfahren gegen den früheren Lehrstuhlinhaber „zusammengezogen“ und sozusagen in einem Aufwasch verhandelt wird.

Frei erfundene Geschichten

Hintergrund der Fälle sind die schon länger anhaltenden Geldnöte des Ehepaars. Mehrere Hausbesitzer erstatteten in den vergangenen Jahren Strafanzeigen gegen den auch als Rechtsanwalt tätigen Jura-Professor, weil er ihnen die Kaufsumme aus Immobiliengeschäften schuldig geblieben sein soll. So beispielsweise in einem Fall aus Borgfeld.

Ein Rentnerehepaar, das inzwischen in der Nähe von Oldenburg wohnt, verkaufte dem Juristen vor drei Jahren eine stattliche Villa auf einem gut 3000 Quadratmeter großen Grundstück in bester Lage für 650.000 Euro. „Er wirkte gut situiert und machte einen sehr seriösen Eindruck“, erinnert sich die Geschädigte Waltraud D. an die ersten Begegnungen mit dem Jura-Professor und seiner Familie.

Nach der Beurkundung des Verkaufs im März 2015 habe er sogleich Handwerker mit der Umgestaltung des Gebäudes beauftragt. Als mehrere Wochen nach dem Notartermin noch kein Geld geflossen war, wurden Waltraud D. und ihr Mann misstrauisch. Am 12. Mai 2015 verliehen sie ihren Forderungen an den Rechtsprofessor per Einschreiben Nachdruck, allerdings erfolglos.

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„Einmal behauptete er, noch 700.000 Euro aus einem Mandatsverhältnis in der Türkei zu bekommen. Ein andermal erzählte er uns, er habe gerade eine Blitzüberweisung auf sein Konto bei der Commerzbank erhalten“, schildert Waltraud D. ihre Erlebnisse mit dem mutmaßlichen Betrüger. „Da haben wir gesagt: Na prima, dann fahren wir doch gemeinsam hin zur Commerzbank.“ Vor Ort habe sich die Geschichte als frei erfunden herausgestellt.

Über die Bonitätsauskunftei Creditreform erfuhren die Eheleute D. schließlich, wie es finanziell um ihren Vertragspartner stand. Dort ist der Bremer Jurist in die höchste Risikoklasse eingestuft. „Die Person ist bekannt, harte Negativmerkmale“, heißt es in dem Bonitätsstatus. Bis es Waltraud D. und ihrem Mann gelang, den illiquiden Käufer und dessen Familie wieder aus ihrem Haus zu bugsieren, war ein sechsstelliger Schaden entstanden. Das Ehepaar D. hat wegen mangelnder Erfolgsaussichten gar nicht erst versucht, dieses Geld zivilrechtlich einzutreiben. Umso mehr hofft es, dass der mutmaßliche Betrüger wenigstens strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wird.

"Die machten einen sehr konservativen und vertrauenswürdigen Eindruck"

Nach Informationen des WESER-KURIER vagabundiert der einst angesehene Lehrstuhlinhaber seit einiger Zeit mit seiner Familie durch die besseren Hotels der Stadt und lässt sich dort jeweils für einige Wochen oder auch Monate nieder. In mehreren Häusern steht er mit einigen Tausend Euro in der Kreide. So zum Beispiel in einem Haus im Bremer Osten, dessen Geschäftsführer nicht namentlich in Erscheinung treten möchte. Dort quartierte sich der Jurist im Frühjahr 2017 ein. „Die machten einen sehr konservativen und vertrauenswürdigen Eindruck“, sagt der Hotelier.

Für die ersten zwei Wochen habe sein Gast auch tatsächlich bezahlt, danach nicht mehr. „Wir haben gerade ein Haus gekauft und fahren jetzt in Urlaub, deshalb ist es gerade ein bisschen eng“, habe der Jurist seine Zahlungsschwierigkeiten begründet, „aber keine Angst, Sie kriegen Ihr Geld!“ Die Rückkehr der Familie aus dem Urlaub wartete der Hotelmanager noch ab, „danach musste ich Tacheles reden“. Der Jura-Professor habe ihm seinerzeit versichert, dass die aufgelaufene Rechnung kurzfristig beglichen würde, bis zum Tag des Auszugs sei aber kein Geld geflossen.

Sein Geld hat der Hotel-Geschäftsführer bis heute nicht gesehen. „Als ich mit der Sache bei der Polizei war, sagten die mir: Du bist nicht der Erste, der sein Geld nicht gekriegt hat“, erinnert sich der geprellte Unternehmer. Er habe daraufhin über den Hotel- und Gaststättenverband eine Warnung an seine Berufskollegen verschickt. Beachtung fand das Schreiben aber offenbar nicht überall, der Professor und seine Familie checkten noch in mehreren guten Häusern ein.

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