Bund entscheidet über Finanzierung Bremen bewirbt sich für Fahrradquartier

Fünf Fahrradstraßen, eine große Radstation, diverse neue Straßenquerungen und mehr als 500 Radstellplätze: Das könnte in der Alten Neustadt rund um den Zentralcampus der Hochschule an den Wallanlagen entstehen.
21.05.2016, 00:00
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Bremen bewirbt sich für Fahrradquartier
Von Sara Sundermann

Fünf Fahrradstraßen, eine große Radstation, diverse neue Straßenquerungen und mehr als 500 Radstellplätze: Das könnte in der Alten Neustadt rund um den Zentralcampus der Hochschule an den Wallanlagen entstehen.

Der Umbau des Neustadtgebiets zwischen Kleiner Weser und Lahnstraße einerseits und Langemarck- und Friedrich-Ebert-Straße andererseits würde 2,5 Millionen Euro kosten. Wenn sich der Bremer Vorschlag in Berlin gegen Konkurrenzprojekte aus anderen Bundesländern behaupten kann, würde der Bund 90 Prozent dieser Kosten übernehmen und Bremen müsste die restlichen zehn Prozent zahlen. Ohne die Förderung des Bundes dürfte ein so aufwendiges Stadtumbauprojekt für Bremen finanziell kaum zu stemmen sein.

Wenn Bremen den Zuschlag bekommt, würde der Umbau im Januar 2017 beginnen, 2018 müsste er abgeschlossen sein. In einem Modellquartier sollten alle Straßen zu Fahrradstraßen werden – als Teil eines Verkehrsversuchs. Dort hätten dann Radfahrer Vorrang und Autofahrer einen Gaststatus.

Bessere Querungsmöglichkeiten

Auf schmalen Straßen rund um die Hochstraße – zum Beispiel auf der Kleinen Johannisstraße – würde ein Teil des Kopfsteinpflasters auf einem Mittelstreifen durch eine Asphaltspur ersetzt. Es sollen bessere Querungsmöglichkeiten für Radfahrer und Fußgänger zum Beispiel an der Langemarck- und der Westerstraße gebaut werden und Hunderte Fahrradstellplätze entstehen – der Großteil davon überdacht.

Ein zweistöckiges Gebäude neben der Hochschule soll E-Bike-Ladestationen, Radparkplätze, eine Selbsthilfewerkstadt und eine Dusche für Radfahrer beherbergen, so der Bremer Vorschlag. Das Fahrradquartier solle zudem an geplante Premium-Radrouten angebunden werden.

In diesen Tagen wird beim Bund die Entscheidung fallen, ob es der Bremer Vorschlag in die nächste Runde schafft und in die engere Wahl kommt. Im Herbst wird dann endgültig entschieden, ob Bremen den Zuschlag erhält. In der Neustadt fiebern die Initiatoren des Projekts mit: Steffi Kollmann, Projektleiterin für Klimaschutz an der Hochschule Bremen (HSB), hat die Pläne für das Modellquartier angeschoben.

Klimaschutz-Zeil der Hochschule

Sie hat den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und zwei Bremer Verkehrsplaner ins Boot geholt und die Netzwerke der Neustadt aktiviert: Nun unterstützen Beirat, Wirtschaftsförderung, Südbad, mehrere Kultureinrichtungen im Stadtteil, der BUND und die Kita am Neustadtswall den Bremer Antrag.

Ein zentrales Ziel war für Steffi Kollmann, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Die HSB hat sich dem Klimaschutz-Ziel verpflichtet, bis 2050 die CO2-Emissionen um 80 Prozent zu senken. „Ein Drittel der Emissionen wird durch Mobilität verursacht“, sagt Kollmann. Obwohl ein Großteil der Beschäftigten und Studierenden an der Hochschule in einem Umkreis von fünf Kilometern wohne, komme nicht einmal jeder Zweite mit dem Rad. Das habe eine Umfrage an der HSB ergeben. Diese Quote lasse sich erhöhen, sagt Kollmann: Sie hofft auf einen Radfahreranteil von 75 Prozent.

Klar ist: Allein zu den drei Standorten der Hochschule an den Neustadtswallanlagen, an der Werderstraße und am Flughafen sind täglich rund 10 000 Studenten und Mitarbeiter unterwegs. In der Neustadt insgesamt leben rund 40 000 Menschen. „Die Neustadt ist der bevölkerungsreichste Stadtteil, doch hier gibt es bislang keine einzige Fahrradstraße“, sagt Gunter Mischner vom ADFC. „Das Modellquartier wäre eine Riesenchance für die Neustadt.“ Immer mehr Menschen würden sich teure Fahrräder oder E-Bikes kaufen und damit auch weitere Strecken zurücklegen. Bereits heute sei bundesweit jedes vierte verkaufte Fahrrad ein E-Bike.

"Intensive Konkurrenz"

„Es wird intensive Konkurrenz geben, aber wir versuchen es“, sagt Michael Glotz-Richter, Referent für nachhaltige Mobilität in der Verkehrsbehörde. Er hat den Projektantrag beim Bund eingereicht. Derzeit werde in Bremen jeder vierte Weg mit dem Rad zurückgelegt. „Mit diesem Projekt könnten wir die innovative Radverkehrspolitik fortsetzen“, sagt der grüne Landesvorsitzende Ralph Saxe.

„Wir wollen den Radverkehrsanteil weiter erhöhen.“ Die Grünen sprechen sich in einem Positionspapier für ein Fahrradmodellquartier aus und wollen dazu mit der SPD einen Antrag ins Parlament einbringen. Dass ein solches Quartier eingerichtet werden soll, hat sich die rot-grüne Landesregierung bereits im Koalitionsvertrag zum Ziel gesetzt.

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