Nach den Weihnachtsferien Corona-Tests für alle Bremer Schüler und Lehrer

Bevor die Schulen im neuen Jahr wieder ihren Betrieb aufnehmen, sollen sich alle Schüler und Lehrer der Stadt Bremen auf das Coronavirus testen lassen können. Dies soll für mehr Sicherheit sorgen.
16.12.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Sara Sundermann und Patricia Brandt

Alle Schüler und Lehrer der Stadt Bremen sollen sich nach den Weihnachtsferien auf Corona testen lassen können. Das hat der Senat am Dienstag beschlossen. „Wir haben organisatorisch alles vorbereitet“, sagte Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) gegenüber dem WESER-KURIER. Die Senatorin will damit verhindern, dass Infektionen nach dem Lockdown neu in die Schulen eingeschleppt werden und sich dort verbreiten könnten. „Wenn nach drei Wochen alle, die in die Schulen zurückkehren, getestet werden, wären wir quasi bei einem Null-Punkt, mit null Infektionen. Das wäre auch gut für das Sicherheitsgefühl“, so Bogedan.

Bogedan zufolge werden die Massentests für die Schulen bis zu 2,5 Millionen Euro kosten, wenn alle Lehrer und Schüler teilnehmen. In der Stadt gab es zu Beginn des Schuljahres rund 74.000 Schülerinnen und Schüler und mehr als 5300 Lehrkräfte.

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Darüber hinaus soll beim Überschreiten einer Sieben-Tage-Inzidenz von 200 für alle Schüler ab Klasse acht Halbgruppen-Unterricht stattfinden. Dann soll auch das Schulschwimmen von der achten Klasse an ausgesetzt werden. Niedersachsen will im neuen Jahr unabhängig von Inzidenzen von Klasse fünf bis zwölf auf Halbgruppen setzen.

Tablets: 75 Prozent verteilt

Unterdessen haben noch nicht alle Schülerinnen und Schüler in der Stadt Bremen ihre Tablets erhalten, die Verteilung läuft. Der Zentralelternbeirat kritisiert, dass an einigen Schulen noch keine Geräte bei Schülern angekommen sind und fordert die digitale Infrastruktur ein, die angesichts des Lockdown dringend gebraucht wird. Von diesem Mittwoch an ist die Präsenzpflicht an Schulen bis zum 22. Dezember aufgehoben.

Bisher wurden nach Angaben der Senatorin 65.000 Schüler-i-Pads ausgeliefert, das sind laut Bildungsbehörde gut 75 Prozent. Der Rest soll bis zu den Ferien folgen. „Pro Woche wurden Tausende Tablets verteilt, das muss jetzt nicht unbedingt anders werden“, sagt Behördensprecherin Annette Kemp. „Unser Logistik-Unternehmen hat versichert, dass bis zum 22. Dezember alles ausgeliefert sein wird.“ Es sei noch nicht mit allen Schulen gesprochen worden, man sei aber optimistisch, dass dies funktioniere.

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Zuerst wurden Schulen mit hohem Sozialindikator und gymnasialer Oberstufe beliefert. Die restliche Verteilung liegt laut Behörde komplett bei einem von Bremen beauftragten Logistikdienstleister und orientiere sich vor allem an einer effizienten Tourenplanung. „Das ist ein extrem hoher logistischer Aufwand, der generalstabsmäßig geplant werden muss“, so Kemp. Weshalb hat sich die Verteilung der iPads verzögert? Die Behörde benennt als Ursache Logistikprobleme wie den Ausfall von Transportflügen und die Reservierung von Lkw-Kapazitäten für medizinische Güter.

Allein mit der Auslieferung der Geräte ist es nicht getan: Damit Schüler die Tablets fürs Distanzlernen einsetzen können, muss der Umgang zuvor mit den Lehrern eingeübt werden. Dafür blieb in vielen Klassen kaum oder keine Zeit mehr.

Eltern geteilter Meinung

Bremen hält im Lockdown bis zum Ferienstart die Schulen grundsätzlich offen, stellt den Eltern aber frei, ob sie ihre Kinder dorthin schicken. Dabei sind Familien gebeten, dass Schüler möglichst zu Hause bleiben. Bei der Elternvertretung findet diese Regelung Zuspruch: „Ich persönlich finde, der Bremer Weg ist besser als eine komplette Schulschließung“, sagt Michael Skibbe vom Zentralelternbeirat. So könnten Familien selbst entscheiden. Die Meinungen dazu seien unter den Eltern gespalten. Es müsse jetzt nur ein kleiner Zeitraum von wenigen Tagen überbrückt werden, betont Skibbe: „Wichtig ist für uns vor allem, was im nächsten halben Jahr passiert: wie Bremen sicherstellt, dass die Abschlussklassen ihre Prüfungen machen können und dass der digitale Distanzunterricht funktioniert.“

Kritik an Kita-Regelung im Lockdown

Anders als in anderen Bundesländern schließen in Bremen die Kitas während des Lockdown nicht, sondern bleiben offen für alle, die eine Betreuung brauchen. „Nach wie vor arbeiten die Kitas im eingeschränkten Regelbetrieb“, schreibt Thomas Jablonski, Abteilungsleiter für Kitas in der Bildungsbehörde an die Familien. Zugleich sind Eltern gebeten, ihre Kinder - wenn möglich - zu Hause betreuen.

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„Grundsätzlich finde ich es gut, dass es in den Kitas nicht wieder gemischte Kohorten gibt und dass Eltern selbst entscheiden können“, sagt Ann-Kathrin Rohde von der Zentralelternvertretung. Doch ohne die von der Bundesregierung angekündigten zusätzlichen Urlaubstage für Eltern gebe es für viele keine Entscheidungsfreiheit. „Bei vielen ist der Urlaub aufgebraucht, auch durch den ersten Lockdown im Frühling“, so Rohde. „Wir brauchen jetzt vom Bund eine Regelung zur Entlastung.“ Viele Bremer Eltern würden ihre Kinder gerne zu Hause lassen, so Rohde.

Die Gewerkschaft Verdi, die auch Erzieherinnen vertritt, fordert mit Blick auf die Infektionszahlen und den Lockdown, in Kitas sofort auf Notbetreuung umzustellen. „Die Entscheidung, ob Kinder in den Kitas betreut werden, darf nicht einfach auf die Eltern abgeschoben werden“, sagt Bremens Verdi-Sprecherin Kornelia Knieper. Die Politik müsse jetzt Verantwortung übernehmen. Sie verweist darauf, dass Eltern derzeit keinen Anspruch auf Verdienstausfall-Entschädigungen haben, weil Kitas geöffnet bleiben.

Toren Christians vom Personalrat des städtischen Eigenbetrieb Kita Bremen beklagt, der Politik fehle der Mut, eine klare Entscheidung zu treffen: „Die Kollegen rechnen mit Desorientierung und Chaos und fühlen sich auch nicht geschützt.“

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