Teurer Kinderwunsch Bremen soll kinderlose Paare bei künstlicher Befruchtung finanziell unterstützen

Bremen soll sich an einem Förderprogramm des Bundes beteiligen und kinderlose Paare bei künstlicher Befruchtung finanziell unterstützen - so wie andere Bundesländer auch. Das fordert die FDP in einem Antrag.
19.03.2019, 20:19
Lesedauer: 3 Min
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Bremen soll kinderlose Paare bei künstlicher Befruchtung finanziell unterstützen
Von Sabine Doll

Als am 25. Juli 1978 in England Louise Brown geboren wurde, war das eine Weltsensation. Die heute 40-Jährige war das erste Baby, das dank künstlicher Befruchtung zur Welt kam. Heute ist das Verfahren, das kinderlosen Paaren die Hoffnung auf ein Baby erfüllen kann, millionenfach Routine. Und die Nachfrage auch in Deutschland steigt seit Jahren: „Als unser Zentrum vor 25 Jahren eröffnete, war es eines von zehn Kinderwunschzentren bundesweit. Heute zählt das Deutsche IVF-Register 136 Mitgliedszentren“, sagt der Leiter des Bremer Zentrums für Fortpflanzungsmedizin in Gröpelingen, Olaf Drost. Bundesweit hat sich die Zahl der Kinderwunschbehandlungen in diesem Zeitraum nach Angaben des „Ärzteblatt“ auf rund 100 000 im Jahr 2015 fast verzehnfacht.

In Bremen gibt es zwei Zentren, in denen sich Paare beraten und behandeln lassen können. Sie kommen aus der Hansestadt, viele reisen auch aus anderen Bundesländern an. „Wer zu uns oder einem anderen Kinderwunschzentrum kommt, hat sich das sehr, sehr gut überlegt“, sagt Drost. Zum einen wegen der psychischen Belastung, denn eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. Dazu komme: Die Kinderwunsch-Behandlung ist teuer. Eine In-vitro-Befruchtung etwa, bei der der Frau Eizellen entnommen und im Labor mit den Samenzellen des Mannes zusammengeführt werden, kostet etwa 3000 Euro – pro Behandlungszyklus. Dazu können noch Kosten für Hormontherapien und andere Leistungen kommen.

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Seit 2004 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen 50 Prozent der Kosten für die ersten drei Behandlungszyklen einer künstlichen Befruchtung – allerdings ausschließlich für verheiratete Paare. Seit 2012 ermöglicht ein Förderprogramm des Bundes weitere Finanzhilfen: Ehepaare können die Übernahme von 25 Prozent ihres Eigenanteils beantragen – für insgesamt vier Behandlungen. 2016 ist das Förderprogramm für unverheiratete Paare erweitert worden: Sie bekommen für die ersten drei Behandlungen 12,5 Prozent und für die vierte Behandlung einen Zuschuss von 25 Prozent.

Bundesländer müssen sich an dem Förderprogramm beteiligen

Bund und Länder teilen sich die Kosten für die Finanzhilfe. Voraussetzung dafür: Die Bundesländer müssen sich an dem Förderprogramm mit Landesmitteln beteiligen, mindestens in gleicher Höhe wie der Bund. Acht Länder haben das seitdem getan: Alle ostdeutschen Bundesländer sind der Richtlinie beigetreten, außerdem unterstützen Berlin, Hessen und Niedersachsen kinderlose Paare bei ihrem Wunsch nach einem Baby mit Landesmitteln – Bremen zählt bislang nicht dazu.

„Zu der Zeit, als die Bundeszuschüsse diskutiert worden sind, also 2011, gab es eine Diskussion um die soziale Ausgewogenheit des Programms. Sie hat sich damals an dem vierten Behandlungszyklus entzündet, den die Krankenkassen nicht fördern. Frauen mit geringeren finanziellen Mitteln, so die Diskussion damals, würden damit aus der Bundes- und Landesförderung ausgegrenzt“, erklärt der Sprecher der Bremer Sozialbehörde, Bernd Schneider. In späteren Jahren habe die Politik das Thema nicht mehr aufgegriffen. Insofern habe sich die Debatte in Bremen auch nicht weiterentwickelt.

Das will die FDP-Fraktion mit einem Bürgerschaftsantrag ändern: „Das Land Bremen verwehrt ungewollt Kinderlosen den Weg, einkommensunabhängig alle Möglichkeiten auszuschöpfen, sich den Kinderwunsch doch noch zu erfüllen“, heißt es darin. Die Gründe für ungewollte Kinderlosigkeit seien vielfältig, für die Betroffenen seien sie jedoch immer schwerwiegend und äußerst belastend. Dank des medizinischen Fortschritts stünden den Betroffenen heute viele Möglichkeiten offen, die hohen Kosten versagten jedoch Paaren mit geringem Einkommen oftmals den Zugang zu dieser Option.

Unverheiratete Paare erfahren unverhältnismäßige Benachteiligung

Dazu komme: „Unverheiratete Paare erfahren hierbei eine unverhältnismäßige Benachteiligung. Im Land Bremen erhalten diese aufgrund der aktuellen Regelung keinerlei Unterstützung und werden im Gegensatz zu verheirateten Paaren deutlich benachteiligt. Die Chance auf ein Wunschkind darf nicht länger Privileg sein oder am Geld der Betroffenen scheitern.“ Mit dem Antrag fordert die Fraktion die Bürgerschaft auf, ab 2020 ein entsprechendes Förderprogramm aufzulegen, die Landesmittel dafür im Haushalt sicherzustellen – und eine Gleichbehandlung unverheirateter Paare zu prüfen.

Niedersachsen beteiligt sich seit 2013 an dem Förderprogramm für verheiratete Paare: Bis 2018 wurden rund 19 000 Anträge von Ehepaaren gestellt, wie eine Sprecherin des niedersächsischen Sozialministeriums auf Nachfrage des WESER-KURIER mitteilt. Für jeden Behandlungszyklus muss ein neuer Antrag gestellt werden. Gefördert werden Paare, deren Hauptwohnsitz in Niedersachsen liegt; sie können sich in einem niedersächsischen Kinderwunschzentrum oder in einer Einrichtung in einem angrenzenden Bundesland behandeln lassen, etwa in Bremen. Die Frau kann zwischen 25 und 40 Jahre alt sein, der Mann zwischen 25 und 50 Jahre.

120 unverheiratete Paare sind laut der Sprecherin in den Jahren 2016 bis 2018 nach der Richtlinie gefördert worden. Vom 1. Januar 2013 bis 31. Dezember 2017 wurden rund zehn Millionen Euro ausgezahlt, der größte Anteil ging an verheiratete Paare. Der Anteil des Landes betrug 50 Prozent.

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