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Bremer erhält Bundesverdienstkreuz
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Chronist mit Haltung

Sara Sundermann 18.04.2018 2 Kommentare

Kurt Nelhiebel erhält das Bundesverdienstkreuz. Carsten Sieling überreicht es ihm.
Kurt Nelhiebel erhält das Bundesverdienstkreuz. Carsten Sieling überreicht es ihm. (Frank Thomas Koch)

Er steht für engagierten Journalismus und setzte sich für Versöhnung ein, nachdem er selbst als Nazi-Gegner aus seiner Heimat im heutigen Tschechien vertrieben wurde: Der Bremer Autor und Journalist Kurt Nelhiebel ist am Mittwoch mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden. Im Kaminsaal des Rathauses nahm der 91-Jährige die Auszeichnung von Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) entgegen. "Mit seinem antifaschistischen Antrieb engagiert sich Kurt Nelhiebel seit Jahrzehnten als Publizist und historisch-politischer Journalist, unter anderem für die Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus", sagte Sieling. Nelhiebel sei gegen Rassismus und Nationalismus eingetreten. "Das ist hochaktuell."

Das Bundesverdienstkreuz ist die höchste Auszeichnung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Sie ist nicht mit Geld verbunden.

Nelhiebel war Redakteur und später Nachrichtenchef bei Radio Bremen. In den 1960er-Jahren schrieb er als Journalist unter dem Pseudonym Conrad Taler über den Auschwitz-Prozess am Frankfurter Landgericht. Seine Reportagen über den Prozess wurden von der Zeitschrift der israelitischen Kultusgemeinde in Wien veröffentlicht.

Nelhiebel wuchs in Nordböhmen auf, einem Gebiet, das heute zu Tschechien gehört. 1965 kam er nach Bremen. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher über die jüngere deutsche Geschichte, über wieder erstarkenden Nationalismus und Rechtsextremismus. Er plädiert zugleich dafür, etwas so Wichtiges und Persönliches wie Heimatgefühle nicht national gesinnten Menschen zu überlassen.

Er bezog Position und scheute streitbare Thesen nicht: Man braucht eine Haltung, gerade als Journalist, davon ist Nelhiebel überzeugt. "Meine Grundposition war es immer, mich auf die Seite der Schwachen zu stellen – die Starken wissen sich selbst zu helfen", betonte er im Gespräch mit dem WESER-KURIER, als er 2014 den Friedenspreis der Villa Ichon erhielt.

Bei der Übergabe des Bundesverdienstkreuzes bekannte Nelhiebel: "Eine staatliche Auszeichnung ist für einen Journalisten eine zweischneidige Angelegenheit: War er vielleicht zu zahm?" Er äußerte die Hoffnung, die Auszeichnung möge in seinem Fall der Sache gelten, für die er sich einsetzte: "Dem Kampf gegen den Nazi-Ungeist und der Erinnerung an ermordete Widerstandskämpfer und alle anderen Opfer des Nationalsozialismus." Er betonte: "Die Erinnerung ist kein Selbstzweck, sondern ein notwendiges Korrektiv für die Gegenwart." Der von Deutschen gegen das NS-Regime geleistete Widerstand sei das einzige Guthaben gewesen, das die Deutschen nach dem Krieg hätten vorweisen können.

Auch Detlef Kniemeyer, früherer Leiter des Stadtplanungsamtes und langjähriger Nachbar und Freund von Nelhiebel, sprach bei der Feierstunde. Er beschrieb Nelhiebel als "geradlinigen und undogmatischen Nachbarn und hintersinnigen Geschichtenerzähler". Zum Abschluss stieß Nelhiebel mit der großen Gruppe von Freunden, Verwandten und Gratulanten an, die zu seiner Ehrung ins Rathaus gekommen waren, auf etwas an, das ihm am Herzen liegt: "Auf eine hoffentlich friedliche Zukunft."


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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