Entschärfung in der Fahrradstraße Verkehrsverlagerung in der Östlichen Vorstadt befürchtet

Der Verkehrsversuch in der Humboldtstraße soll bald beginnen. In der Sitzung des Verkehrs- und Mobilitäts-Ausschusses ging es um die Befürchtung, dass sich Autoverkehr in die Nebenstraßen verlagern könnte.
25.01.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Verkehrsverlagerung in der Östlichen Vorstadt befürchtet
Von Sigrid Schuer

Der Verkehrsversuch in der Humboldtstraße wird ab Anfang März beginnen. Das betonte Anne Mechels vom Team Nahmobilität des beim Mobilitäts- und Umwelt-Ressort angesiedelten Referats in der virtuellen Fachausschusssitzung für Mobilität und Verkehr des Beirates Östliche Vorstadt. Ziel ist die Entschärfung einer der gefährlichen Fahrrad-Straßen Bremens und der damit verbundenen Konflikte.

Mechels hatte den Verkehrsversuch bereits in der November-Sitzung des Ausschusses erläutert. Vorgesehen sind drei Phasen à acht Wochen, jede der Phasen soll abschließend evaluiert werden. Wie bereits berichtet sollen in Phase eins Schilder „Anlieger frei“ aufgestellt werden, das gilt auch für die von der Humboldtstraße abzweigenden Seitenstraßen. In Phase zwei sollen sogenannte Modalfilter wie Poller zwecks Regulierung des Verkehrs eingesetzt werden. Das könnte allerdings bedeuten, dass unter anderem in der Humboldtstraße einzelne Parkplätze wegfielen, um Platz für Wendemanöver zu schaffen, so Mechels.

Für Phase drei ist angedacht, die Einbahnstraßenrichtung in der Feldstraße in zwei kurzen Abschnitten umzudrehen, um eine Umfahrung der Einbahnstraße durch die Seitenstraßen zu verhindern – zum Beispiel Feldstraße ab Keplerstraße in Gegenrichtung zur Einbahnstraße Humboldtstraße. Das ganze mit dem Ziel, einen Schleichverkehr durch die Feldstraße zu verhindern. Die Ausschuss-Mitglieder hatten der Referentin in der November-Sitzung einen Fragen-Katalog mit auf den Weg gegeben, den sie nun beantwortete.

Einer der neuralgischsten Punkte aus Sicht des Ausschusses und großer Teile der Anwohnerschaft, der unter anderem von Astrid Hager-Guthrie formuliert wurde, ist die Sorge, dass die umliegenden kleineren Straßen von dem aus der Humboldtstraße abfließenden Verkehr zusätzlich belastet werden könnten. Auf diese Sorge bezog sich auch folgende Frage der Ausschuss-Mitglieder: Muss ein Teilabschnitt der Feldstraße zwingend in der Fahrtrichtung geändert werden oder macht es nicht vielmehr Sinn, erst herauszufinden, ob es tatsächlich zu vielen Schleichverkehren kommt?

Denn eine Umkehr der Fahrtrichtung sei immer mit einer langjährigen Umstellungszeit verknüpft, zum Beispiel für Navigationsgeräte. Deshalb sollte eine solche Änderung in der Fahrtrichtung nur erfolgen, wenn sie zwingend erforderlich ist. Mechels nimmt solche Sorgen ernst. Ein Ziel sei es, auf alle Fälle zu vermeiden, dass es in der Feldstraße zu einem Abfließen des Parksuchverkehrs kommt. Sie betonte, dass sie in puncto Einbahnstraßen-Problematik besonders sensibilisiert sei. „Das werden wir besonders im Blick haben.“

Eine weitere Frage der Ausschuss-Mitglieder bestand darin, ob es nicht möglich wäre, eine sichere Querung der Sankt-Jürgen-Straße zu entwickeln. Laut Mechels würde die gemessene Frequenz an Passanten die Einrichtung eines Zebrastreifens dort nicht rechtfertigen. Denkbar wäre aber eine Verengung der breiten Fahrbahn, um den Schulweg in Richtung Lessingstraße besser absichern zu können. Das wurde von Bianca Wenke (SPD) begrüßt, die die drei großen Schilderbäume am Eingang der Humboldstraße als unübersichtlich kritisierte. Hier könnte eventuell mit Bannern gearbeitet werden, so Mechels.

Wie bereits in der vergangenen Legislaturperiode erarbeitet der Beirat Östliche Vorstadt im Fachausschuss für Mobilität und Klima auch in diesem Jahr wieder eine Liste von baulichen Maßnahmen, die die Verkehrssituation für den Fuß- und Radverkehr verbessern und aus dem Stadtteil-Budget finanziert werden sollen. Sona Terlohr und Jens Schabacher von den Grünen haben dazu im November eine Reihe von problematischen Stellen im Stadtteil identifiziert und in einem Antrag, dem so genannten „Rumpelstellenplan“ zusammengefasst. Es geht dabei um Maßnahmen wie die Absenkung von Bordsteinen, Hochpflasterungen, die Sanierung von Radwegen und vielem mehr in diversen Straßen der Östlichen Vorstadt.

Die Mitglieder des Ausschusses befanden nach ausführlicher Diskussion darüber, für welche der Maßnahmen Kostenschätzungen beim Amt für Straßen und Verkehr (ASV) eingeholt werden, welche Maßnahmen für das Radwege-Erhaltungs-Programm des Amtes für Straßen und Verkehr angemeldet werden sollen und welche Maßnahmen zunächst zurückgestellt werden sollen. „Wenn die Kostenschätzungen vorliegen, entscheidet der Beirat, welche der Projekte im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten des Stadtteil-Budgets finanziert werden können. Dann wird über eine Priorisierung entschieden“, so Manuela Jagemann, stellvertretende Leiterin des Ortsamtes Mitte/Östliche Vorstadt.

Jagemann hatte kürzlich bei einem Ortstermin mit Vertretern des ASV und der Polizei eine weitere Problem-Stelle in Augenschein genommen, die immer wieder für Beschwerden, vor allem seitens der Radfahrer sorgt. An der Friedrich-Karl-Straße fahren Autos zwischen Bismarckstraße und Am Hulsberg im Begegnungsverkehr. „Wenn es für entgegenkommende Fahrzeuge eng wird, weichen Fahrzeuge in Richtung Am Hulsberg regelmäßig auf den Fahrradweg aus und gefährden damit den Radverkehr. Davon konnten wir uns bei dem Ortstermin überzeugen“, so Jagemann. Ortsamt und Behörden überlegen nun, mit welchen Maßnahmen dagegen vorgegangen werden kann.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+