Gesundheitssenatorin für neues Angebot Bremen will Mediziner ausbilden

In Bremen könnten in einigen Jahren junge Mediziner ausgebildet werden. Gesundheits- und Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) ist für den Aufbau eines solchen akademischen Angebots.
19.01.2018, 17:18
Lesedauer: 3 Min
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Von Jürgen Theiner Jürgen Hinrichs

In Bremen sollen künftig Mediziner ausgebildet werden. Dafür hat sich Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) ausgesprochen. Über die konkrete Ausgestaltung und mögliche Kooperationen mit anderen Universitäten müsse man zu gegebener Zeit im Detail reden, sagt Quante-Brandt im Gespräch mit dem WESER-KURIER. „Grundsätzlich befürworte ich das aber, wenn es vernünftig darstellbar ist.“

Hintergrund dieser Pläne ist nicht zuletzt der Medizinermangel in der Region. Erst kürzlich hatten die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und der Bremer Hausärzteverband darauf aufmerksam gemacht, dass sich in der hausärztlichen Versorgung Engpässe abzeichnen, weil mehr niedergelassene Allgemeinmediziner in Rente gehen, als neue nachkommen. KV-Chef Jörg Hermann hatte gegenüber dem WESER-KURIER ganz konkret den Aufbau einer medizinischen Fakultät in Bremen gefordert.

Kein kompletter Studiengang

Eva Quante-Brandt, die im Senat neben der Gesundheits- auch die Wissenschaftspolitik verantwortet, sieht ebenfalls Handlungsbedarf. Sie verweist auf den Wissenschaftsplan 2025, der sich in Vorbereitung befindet. Darin werden Perspektiven und inhaltliche Schwerpunkte für die akademischen Einrichtungen im Land Bremen entwickelt. „In diesem Zusammenhang prüfen wir, ob hier in Bremen eine Medizinerausbildung etabliert werden kann“, so Quante-Brandt. „Das muss kein kompletter Studiengang vom ersten bis zehnten Semester sein. Der vorklinische Teil könnte auch an einer anderen Uni angesiedelt sein.“

Für den klinischen Teil des Studiums sei Bremen jedoch im Grundsatz gerüstet. An Standorten wie dem Klinikum Mitte finde jetzt schon Hochleistungsmedizin auf Uni-Klinik-Niveau statt. „Viele unserer Chefärzte haben eine entsprechende Lehrbefähigung“, unterstreicht Quante-Brandt. Um tatsächlich in die Ausbildung von Medizinstudenten einsteigen zu können, müsse allerdings personell aufgerüstet werden. Nicht umsonst sei Humanmedizin mit rund 100 000 Euro pro Student der teuerste Studiengang. Die Entscheidung für eine Medizinerausbildung in Bremen sei also auch eine Frage der finanziellen Ressourcen.

Denkbar sei ein Rückkauf einiger Flächen

Unterdessen gibt es an der St.-Jürgen-Straße Streit um räumliche Ressourcen. In einem Schreiben an die Gesundheitssenatorin und an Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) haben die Direktoren des Klinikums Mitte ihre „große Sorge“ über den beschlossenen Verkauf von rund 14 Hektar Klinikgelände zum Ausdruck gebracht. Wie berichtet, wird das Areal mittelfristig frei, sobald der Umzug der diversen medizinischen Abteilungen in den Neubau abgeschlossen ist. Geplant ist das für Ende des Jahres. Das Gelände soll dann als Hulsberg-Quartier für den Bau von Wohnungen vermarktet werden – ein Fehler, wie die Chefärzte finden. Da der Neubau „sehr eng geplant“ sei, werde sich schon bald Bedarf für Erweiterungen ergeben. Man verbaue sich diese Möglichkeit, wenn die Wohnhäuser erst einmal an den Klinikneubau herangerückt seien.

Senatorin Quante-Brandt widerspricht dieser Darstellung. Erweiterungsmöglichkeiten bestünden durchaus auch nach dem Geländeverkauf, zum Beispiel durch Aufstockung des Neubaus. Bei der Geburtshilfe werde dies bereits vorexerziert. Denkbar sei auch der Rückkauf einzelner Flächen.

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Wie Quante-Brandt ist auch Florian Kommer, Geschäftsführer der Grundstücksentwicklungsgesellschaft (GEG) für das Hulsberg-Quartier, von dem Brief der Mediziner kalt erwischt worden. „Mit mir hat vorher keiner der Direktoren gesprochen“, sagt Kommer. Er ist verärgert: „Nach sieben Jahren Planung kommt so ein Brief, ganz so, als ob die Direktoren die ganze Zeit nur im Operationssaal standen und nicht mitbekommen haben, was wir mit dem Hulsberg-Quartier vorhaben.“ Der Bau eines Klinikums sei zwar stets eine hochkomplexe und schwierige Gemengelage, in der sich die Parameter verändern könnten. Sich viel zu spät und auf diesem Wege einzumischen, sei aber schon erstaunlich – „ich bin etwas überrascht, um es vorsichtig zu formulieren“.

Die Bauleitplanung für das 14 Hektar große Gelände, das Kommer vermarkten soll, damit die Stadt mit den Einnahmen aus den Grundstücksverkäufen einen Teil des Klinikneubaus finanzieren kann, ist weit fortgeschritten. Nach Kommers Angaben wird die zuständige Baudeputation im Februar oder März soweit sein, einen Bebauungsplan zu verabschieden. Der Plan ist verbunden mit einem städtebaulichen Vertrag, in dem zum Beispiel festgelegt wird, wo auf dem Areal Baugemeinschaften zum Zuge kommen können und wie groß die Verkaufslose sind. Mal geht es dabei um ein einzelnes Haus, das angeboten wird, mal um ein mittelgroßes Grundstück, mal aber auch um die Kombination von Baufeldern, sodass ein Bauträger in die Lage versetzt wird, mehrere Hundert Wohnungen zu errichten.

„Wir werden selbstbewusst und klar an der Grundstücksentwicklung festhalten“, kündigt Kommer an. Trotzdem spreche nichts dagegen, im Einzelfall zu prüfen, ob Teile des Areals oder der alten Gebäude im Besitz von Gesundheit Nord bleiben.

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