Inklusive Wohnprojekte

Zweite inklusive Wohngemeinschaft in der Überseestadt geplant

„Das Interesse an unserer Arbeit ist groß“, sagt Lars Gerhardt vom Verein Inklusive WG Bremen, der 2019 sein erstes Projekt in der Überseestadt gestartet hat. Nun ist dort die zweite inklusive WG in Planung.
15.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Zweite inklusive Wohngemeinschaft in der Überseestadt geplant
Von Anne Gerling

Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen leben selbstbestimmt und auf Augenhöhe miteinander: So läuft es seit Oktober 2019 in der inklusiven Achter-Wohngemeinschaft im Blauhaus in der Überseestadt.

Dass dort auf 330 Quadratmetern mit hohen Decken ein barrierefreies Wohnprojekt mit mehreren Badezimmern, einem Gästezimmer, geräumiger Garderobe und viel Platz für gemeinsame Aktivitäten entstanden ist, in der vier junge Erwachsene mit geistiger Beeinträchtigung und vier Studierende nun altersgerecht zusammen wohnen, ist unter anderem auch der Gewoba zu verdanken. Deren Architekten nämlich hatten sich darauf eingelassen, in ihren Entwurf die Wünsche der zukünftigen Bewohner einfließen zu lassen.

So ist es auch im Fall der nächsten – bremenweit dritten – inklusiven WG, die im Gewoba-Neubauprojekt Kaffee-Quartier beim Hilde-Adolf-Park entstehen soll. Lars Gerhardt, Geschäftsführer des Vereins „Inklusive WG Bremen“, hat dieses Vorhaben am Montag, 12. April, im Sozialausschuss des Waller Beirats vorgestellt und geht davon aus, dass die Wohnung in der zweiten Jahreshälfte 2023 bezugsfertig sein wird.

Langfristiges Ziel des Vereins ist es, mehrere inklusive WGs in Bremen einzurichten, um personelle Engpässe etwa bei Krankheitsfällen oder Pandemien besser stemmen zu können. Gerhardt zufolge gibt es über das nun geplante zweite Projekt des Vereins in der Überseestadt hinaus Gespräche zu weiteren Wohngemeinschaften in der Gartenstadt Werdersee und im zukünftigen Hulsberg-Quartier.

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Während es dort aber bislang noch nichts Spruchreifes gibt, konnte Gerhardt den Waller Ortspolitikern für die Am Kaffee-Quartier geplante Wohnung nun sogar schon den Grundriss präsentieren: 369 Quadratmeter – davon 83 Quadratmeter Gemeinschaftsbereich zum Kochen, Essen und Wohnen – neun Zimmer, vier Bäder und eine 48 Quadratmeter große Terrasse wird sie demnach haben. „Ich glaube, dass wir da eine richtig schöne Wohnung hinbekommen haben, die inklusives Wohnen fördert. Eine besondere Wohnung, die man so auch nicht wieder findet“, so Gerhardt. Anders als die WG im Blauhaus – die in der obersten Etage des Gebäudes liegt – wird sich die zweite WG im Erdgeschoss befinden. Sie liegt dabei auf der Rückseite des Gebäudes, sodass die zukünftigen Bewohner auch hier Privatsphäre haben.

Das Interesse am Thema inklusive Wohnprojekte ist in Bremen groß, ist Gerhardt überzeugt. So hätten sich bei einem Informationsabend Ende März 29 Familien zugeschaltet, von denen 22 anschließend weitere Informationen angefordert haben. Zwei der insgesamt fünf Plätze für Bewohner mit Unterstützungsbedarf in der neuen WG Kaffe-Quartier sind Gerhardt zufolge bereits Interessenten zugesagt worden: „Für die anderen beginnt in den zwei Jahren die Auswahl – insbesondere durch die beiden, die jetzt schon die Absicht haben, einzuziehen.

Die Studierenden wohnen mietfrei und übernehmen dafür innerhalb der WG bestimmte Aufgaben, sagt Gerhardt: „Etwa so, wie es auch innerhalb einer Familie üblich ist.“

Die Erfahrungen, die in den ersten eineinhalb Jahren in der WG im Blauhaus gesammelt wurden, sind Gerhardt zufolge überwiegend positiv. Gezeigt habe sich unter anderem dies: „Auch Menschen mit Mehrfachbehinderung können in der WG leben.“ Dafür werde von den Bewohnern mit Pflegebedarf eine Pflege-WG gegründet und der 2015 gegründete Verein unterstütze sie bei der Organisation der Pflege. So sei unter anderem tagsüber stets eine Fachkraft in der WG.

Grundsätzlich will der Verein den jungen Bewohnern mit Beeinträchtigungen ermöglichen, dass sie ihr Leben lang in der WG wohnen können – wenn sie es denn möchten. In München, wo es bereits seit mehr als 30 Jahren inklusive WGs gibt, seien mittlerweile einige Bewohner in Senioren-WGs oder auch als Paare in Wohnungen im Umfeld ihrer Ursprungs-WG umgezogen, konnte Gerhardt berichten.

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