Bürgerpark braucht Spenden „Die Lage ist schwierig“

Das zweite Corona-Jahr hat auch für den Bürgerpark finanzielle Folgen: Die Tombola musste verkürzt werden, Miet- und Pachterlöse fehlen. Joachim Linnemann, Präsident des Bürgerparkvereins, schildert die Lage.
08.05.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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„Die Lage ist schwierig“
Von Silke Hellwig

Herr Linnemann, die Bürgerpark-Tombola endet an diesem Sonntag. Welche Bilanz ziehen Sie?

Joachim Linnemann: Die Tombola konnte in diesem Jahr wegen der Kontaktbeschränkungen erst vier Wochen später beginnen als geplant. Wir gehen davon aus, dass wir am Ende mit plus/minus null dastehen. Die Einnahmen werden die Kosten decken, aber wir werden keine oder nur geringe Einnahmen für den Park haben.

Kann die Tombola nicht einfach verlängert werden?

Davon versprechen wir uns nicht viel. Im vergangenen Jahr konnten wir das Minus durch die Verlängerung noch etwas ausgleichen, weil die Geschäfte wieder öffnen durften. Aber das ist in diesem Jahr schwer abzusehen. Wir haben deutlich weniger Lose verkauft, weil die Stadt sehr leer ist. Unser Tombo-Mobil wird noch zwei Wochen länger im Bürgerpark unterwegs sein.

Damit bricht eine Einnahmequelle für den Erhalt des Bürgerparks weg. Was bedeutet das in Zahlen?

Wir haben aus der Tombola pro Jahr etwa 300.000 Euro für den Park erlöst, bei einem Kostenvolumen von rund 2,5 Millionen Euro. Uns fehlen aber nicht nur diese Erlöse, sondern auch Mieten und Pachten aus der Gastronomie, dem Bootsverleih und der Minigolfanlage im Park. Wir rechnen mit einem Minus von gut einer halben Million.

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Im vergangenen, dem ersten Corona-Jahr kam es bereits zu Einbußen. Sie hatten die Bevölkerung um Spenden gebeten, um die Pflegekosten und Mitarbeiter bezahlen zu können. Flossen genug Spenden?

Tatsächlich haben wir im vergangenen Jahr sehr viele Spenden bekommen, darunter eine hohe Einzelspende und eine großzügige Erbschaft, sodass wir das Minus ausgleichen konnten. Es war wirklich toll, wie viele Bürgerinnen und Bürger sich beteiligt haben. Außerdem haben wir viele neue Mitglieder gewonnen. Auch darüber haben wir uns sehr gefreut. Das lag sicher auch daran, dass die Bremer den Park bevölkert haben wie nie zuvor. Viele Bürger haben ihn offenbar neu für sich entdeckt - und honorieren das entsprechend.

Wie sieht es bislang in diesem Jahr aus?

Wir bekommen Geldspenden im Umfang der Vorjahre, die Neujahrsspende ist etwas höher ausgefallen als sonst. Auch die Baumspenden bewegen sich auf dem Niveau der Vorjahre. Aber das wird in diesem Jahr nicht reichen, um das Defizit auszugleichen. Wir sind auf weitere Spenden angewiesen und über jeden Beitrag glücklich. Wir sind als Bürgerpark für jeden da, das gilt auch für den Verein. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 15 Euro im Jahr, das soll auch so bleiben, damit es sich jeder leisten kann, ihm beizutreten. Viele zahlen freiwillig höhere Beiträge.

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Wollen Sie weiterhin auf finanzielle Hilfe der Stadt verzichten?

Wir bleiben dabei, dass wir uns nicht in finanzielle Abhängigkeit begeben wollen. Aber es hat uns schon erstaunt, dass in den gut drei Millionen Euro, die aus dem Corona-Sonderfonds für Bremens Parks und Grünanlagen bereitgestellt werden, der Bürgerpark und der Park links der Weser von vornherein ausgenommen waren, weil sie privat finanziert werden.

Eine durch die Pandemie begründete Sonderzuweisung würden Sie annehmen?

Angesichts der aktuellen Lage - ja.

Steigen die Pflegekosten langfristig, weil der Bürgerpark klimafest gemacht werden muss?

Das ist für uns ein ganz großes Thema. Wir müssen den Park mit neuen Baumarten anreichern, die dem Klimawandel besser gewachsen sind. Der Park hat sehr unter beiden jüngsten Sommern mit ihren hohen Temperaturen gelitten. Heftigen Stürmen - wie denen am Wochenende - können vor allem einige Bäume aus der Gründungszeit des Parks nicht mehr standhalten. Gefährdete Exemplare müssen gesichert, gefällt oder Äste müssen entfernt werden. Das zieht höhere Ausgaben nach sich. Das macht die derzeitige Lage für uns so schwierig: Deutlich geringere Einnahmen stehen tendenziell höheren Ausgaben entgegen. Wir sind dringend auf Spenden angewiesen, um unser aller Bürgerpark so prächtig zu erhalten, wie er ist.

Das Gespräch führte Silke Hellwig.

Info

Zur Person

Joachim Linnemann

ist geschäftsführender Gesellschafter der Justus Grosse Unternehmensgruppe. Seit 2004 ist er Präsident des Bürgerparkvereins.

Weitere Informationen

Spendenkonto des Bürgerparkvereins:
IBAN DE93 2905 0101 0001 0999 93, BIC SBREDE22XX, Sparkasse Bremen

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