Politiker begrüßen Entscheidung

Bremer Eiswette öffnet sich 2020 für Frauen

Am 191. Eiswettfest in Bremen im kommenden Jahr dürfen erstmals auch Frauen teilnehmen. Bei Bremer Politikern stößt diese Entscheidung auf breite Zustimmung.
23.10.2019, 15:22
Lesedauer: 3 Min
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Von Carolin Henkenberens Sabine Doll
Bremer Eiswette öffnet sich 2020 für Frauen

Ende der Männerrunde: Ab 2020 dürfen auch Frauen am Eiswettfest teilnehmen.

Frank Thomas Koch

Erstmals seit rund 190 Jahren dürfen am 18. Januar 2020 auch Frauen am traditionellen Eiswettfest in der Hansestadt Bremen teilnehmen. "Ich bin davon überzeugt, dass es eine gute Entscheidung ist, die Eiswette für Frauen zu öffnen", sagte Eiswett-Präsident Patrick Wendisch dem WESER-KURIER. Er bestätigte damit seine Aussagen in der Wochenzeitung „DIE ZEIT“. Dort hatte Wendisch gesagt, dass Damen künftig auch Gäste und „Genossinnen“ des Traditionsfestes sein können. Als Genossinnen können sie ihrerseits Gäste einladen.

Wendisch betonte, dass die Eiswette für viel Positives stehe, "für Gastfreundschaft, für Humor, für Spritzigkeit", und sagte dann: "Wir wollen, dass so ein tolles Fest nicht weiter durch so eine Frage belastet wird". Die Entscheidung sei im engsten Gremium, dem geschäftsführenden Präsidium, getroffen worden. Weitere Details über den Prozess wollte Wendisch nicht nennen.

Im Januar hatte Wendisch noch für Aufruhr gesorgt, weil er der "Bild" gesagt hatte: "Wir sind ein Herrenklub, machen diesen Gendergaga nicht mit. Selbst der Papst würde nicht eingeladen, wenn er eine Frau wäre." Auf diese Worte nun angesprochen sagte Wendisch: "Die Bemerkung tut mir sehr leid."

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Die Debatte über Frauen bei der Eiswette ausgelöst hatte Karoline Linnert (Grüne), die einstige Finanzsenatorin und Stellvertreterin des damaligen Bürgermeisters. Sie war, als Carsten Sieling nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte, nicht eingeladen worden, weil sie eine Frau ist. Stattdessen wurde Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz auf die Gästeliste gesetzt. Linnert hatte dies mit einem Facebook-Posting damals öffentlich gemacht.

Linnert sagte am Mittwoch auf Nachfrage: "Herzlichen Glückwunsch! Ich wünsche eine schöne nächste Eiswette und sie werden sehen: Es tut auch gar nicht weh." Sie sehe die Veränderung nicht als ihren Verdienst an, sondern als den Verdienst einer kritischen Öffentlichkeit. "Im Grunde fanden das ja viele seltsam und es war auch ein Affront gegenüber dem Staat, weil Frauen nun mal in Ämter gelangen", sagte Linnert.

Der Bremer CDU-Chef Carsten Meyer-Heder findet die Entscheidung "richtig und zeitgemäß". Noch im Januar hatte er gesagt, dass er es in Ordnung finde, dass keine Frauen zum Eiswettfest zugelassen werden. Dazu sagt er nun: "Ich würde auch hingehen, wenn nur Männer da wären." Der Eiswett-Präsident habe ihn kürzlich um seine Meinung bezüglich der Frauenfrage gefragt. "Ich hab gesagt: Macht es", berichtete Meyer-Heder. "Die Männer sollten aber nicht einfach nur ihre Frauen mitbringen. Es müssten Frauen eingeladen werden, die auch was geleistet haben, wirtschaftlich oder kulturell."

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD), sagte: „Eine überfällige Entscheidung. Die Verantwortlichen haben die Zeichen der Zeit erkannt und damit zugleich die Zukunft dieser traditionsreichen Veranstaltung gesichert.“ Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), der aus Protest dem Eiswettfest im Jahr 2019 ferngeblieben war, sagte zu der Öffnung für Frauen: "Dieser Schritt war überfällig. Ich begrüße die Entscheidung sehr."

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Claudia Bernhard ist als Senatorin neben Gesundheit und Verbraucherschutz für Frauen zuständig. Aus der Opposition heraus hatte die Linken-Politikerin im vergangenen Jahr deutliche Worte gefunden und die Äußerungen von Eiswett-Präsident Patrick Wendisch als „eine einzige Frechheit“ bezeichnet. Ebenso deutlich fällt die Reaktion der Frauensenatorin nun auch zu der neuesten Entwicklung aus: „Das begrüße ich. Es ist schön, dass der Protest Wirkung gezeigt hat. Es freut mich, dass das Eiswettfest 2020 damit im 21. Jahrhundert angekommen ist.“

Alexandra Werwath, Landesvorstandssprecherin der Grünen, sagte: "Ich bin froh darüber, dass das Eiswettfest mit dieser sexistischen Tradition bricht." Im 21. Jahrhundert sei es längst an der Zeit dafür. Auf die Frage, ob sie selbst gern einmal zum Eiswettfest eingeladen werden möchte, sagte Werwath, dass sie gern dabei wäre, weil es um einen guten Zweck gehe.

Die Bremer FDP-Chefin Lencke Steiner teilte mit: „Es freut mich, dass die Veranstalter nun entschieden haben, dass auch Frauen teilnehmen dürfen.“ Ihr persönlich sei es allerdings viel wichtiger, dass Frauen endlich über eine zufriedenstellende und flexible Kinderbetreuung verfügen, gleich bezahlt werden und in Führungspositionen arbeiten. „Die Diskussion über die Teilnahme an der Eiswette ist da zweitrangig“, so Steiner.

Den Brauch der Eiswette gibt es in Bremen seit 1828. Sie klärt jeweils am Dreikönigstag (6. Januar) die Frage, ob die Weser zugefroren ist oder nicht. Das ist sie seit 1947 schon nicht mehr. Am dritten Samstag im Januar kommen die Eiswett-Genossen und künftig auch -Genossinnen und ihre Gäste dann zum traditionellen Eiswettfest zusammen, um den Wetteinsatz zu verspeisen.

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