Bürgerschaftswahl 2019

Bremer Grüne wählen Maike Schaefer auf Listenplatz eins

Die Grünen stellen die Liste für die Stadt Bremen zur Bürgerschaftswahl 2019 auf. Maike Schaefer wird erwartungsgemäß auf Platz eins gewählt, es folgen Björn Fecker, Anja Stahmann und Ralph Saxe.
08.12.2018, 09:55
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Grüne wählen Maike Schaefer auf Listenplatz eins
Von Ralf Michel

Um Viertel nach neun betritt Karoline Linnert am Samstagmorgen den Konferenzsaal im Weserhaus, in dem wenig später die Listenaufstellung der Grünen zur Bürgerschaftswahl am 26. Mai 2019 beginnen soll. Es ist ein großer, lang gestreckter Raum mit sehr vielen Stuhlreihen. Die Finanzsenatorin sucht sich einen Sitz ganz hinten, und das wirkt irgendwie symbolisch. Vorne, da wo die Musik spielt, gehört sie nicht mehr hin, seit sie im September die Urwahl um den Spitzenplatz gegen Maike Schaefer verloren hat. Wie angekündigt, bewarb sich Linnert nach dieser Niederlage nicht mehr um einen Listenplatz.

Aber das war an diesem Vormittag längst Geschichte. Und weil die Grünen hinter den Kulissen auch den Streit um Listenplatz 2 aus der Welt geschafft hatten, verlief die Wahlversammlung für den Bereich Stadt Bremen weitgehend im erwarteten Rahmen. Klare Voten für alle Kandidaten auf den ersten sieben Listenplätzen, von Platz 8 bis Platz 20 dann Kampfabstimmungen mit jeweils mehreren Wahlgängen. Und mit zum Teil bis zu 15 Bewerbern um einen Platz – sichtbarer Ausdruck für die Hoffnung, mit der die Bremer Grünen angesichts des derzeitigen Umfragehochs in den Bürgerschaftswahlkampf 2019 ziehen. „Ohne uns Grüne wird das nichts in Bremen“, formulierte es Alexandra Werwath, Sprecherin des Landesvorstands, in ihrer Begrüßungsrede.

Vorweihnachtliche Harmonie also bei den Bremer Grünen? Nicht ganz. Denn eröffnet hatte Werwath die Wahlversammlung mit ganz anderen Worten. Sie erkenne ihre Partei nicht wieder, ärgerte sich die Grünen-Sprecherin darüber, dass vor zwei Wochen aus Parteikreisen gezielt Informationen in die Öffentlichkeit lanciert wurden, die offensichtlich Umweltstaatsrat Ronny Meyer schaden sollten, der dem Vernehmen nach mit einer Kandidatur um Listenplatz 2 liebäugelte.

„Misstrauen gesät“

Dies habe Misstrauen in der Partei gesät, zu unerfreulichen Spekulationen über den Urheber des Lecks geführt und letztlich auch dazu, dass Meyer nicht kandidiert habe, erklärte Werwath. „Ich wünsche mir eine Kandidatenliste, die klug, bedacht und mit Fair Play gewählt wurde. Und dieses Fair Play dann auch im Wahlkampf.“

Spitzenkandidatin Maike Schaefer legte wenig später in ihrer Bewerbungsrede nach. Sie sei schockiert über die anonyme mediale Denunziation. Eine ebenso feige wie beschämende Aktion sei das gewesen. „Hört auf mit dem Mist. Das sind nicht die Grünen. Und das gehört auch nicht zu den Grünen.“ Björn Fecker sah‘s genauso: Indiskretionen und Personalpolitik via Zeitungsartikel – das sei inakzeptabel und „unwürdig für unsere Partei“.

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Das war‘s dann aber auch schon mit den Aufregern auf der Wahlversammlung der Grünen. Es folgten durchweg klare Ergebnisse für die Bewerber um die ersten sieben Listenplätze, die alle ohne Gegenkandidaten antraten. Maike Schaefer auf Platz 1 erhielt 159 von 178 Stimmen, Björn Fecker (Platz 2) 143 von 176 Stimmen, Sozialsenatorin Anja Stahmann, die für Platz 3 kandidierte, 158 von 171 Stimmen und Ralph Saxe (Platz 4) 145 von 185 Stimmen.

Die Listenplätze 5 und 6 waren laut Wahlordnung der Grünen Kandidaten vorbehalten, die nach dem 26. Mai 1988 geboren wurden. Lea Schweckendiek (Platz 5) erhielt dabei 134 von 178 Stimmen, Philipp Bruck (Platz 6) 142 von 181 Stimmen. Letzte sichere Bank mit nur einer Kandidatin war Platz 7, der mit 156 von 181 Stimmen an Henrike Müller ging.

„Ab jetzt wird es etwas lebendiger“, leitete der Wahlvorstand das Rennen ab Platz 8 ein. Vor allem langwieriger, denn fortan gab es jede Menge Bewerber um die ebenfalls noch als aussichtsreich geltenden Listenplätze. Allein um Platz 12 waren es nicht weniger als 15 Kandidaten. Mancher von vornherein chancenlos. Aber was macht das schon, wenn man zuvor in einer fünfminütigen Bewerbungsrede seiner Partei zumindest ordentlich die Leviten lesen konnte. Weil man zum Beispiel meint, im Wahlprogramm der Grünen Symbolpolitik, Ordnungspolitik und Tendenzen zum Überwachungsstaat gefunden zu haben.

33 Plätze vergeben

Durchsetzen konnten sich auf den folgenden Listenplätzen Robert Bücking (Platz 8), Sahhanim Görgü-Philipp (9), Christopher Hupe (10), Solveig Eschen (11), Jan Saffe (12), Ilona Osterkamp-Weber (13) und Thomas Pörschke (14). Erst auf Platz 15 von 33 zu vergebenden Listenplätzen landete Kai Wargalla, Mitglied des Stadtparlaments und noch bis vor einem Jahr Sprecherin des Landesvorstandes. Sie bewarb sich zunächst auf Platz 8, unterlag dort aber in der Stichwahl Robert Bücking. Auch ihre nächsten Anläufe scheiterten, bis sie schließlich bei der Wahl um Platz 15 erfolgreich war. Es folgten Nima Pirooznia (16), Mena Santjer (17), Robert Hodonyi (18), Beatrice Claus (19) und Ken Oduah (20).

Anschließend wurde über die letzten 13 Listenplätze en bloc abgestimmt. Trotzdem dauerte es fast zehn Stunden, bis die teilweise über 200-köpfige Versammlung die Liste gewählt hatte, mit der die Grünen der Stadt Bremen bei der Wahl zur Bremischen Bürgerschaft im Mai 2019 antreten.

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