20 Millionen Euro Defizit erwartet Bremer Klinikverbund plant mit dickem Minus

Der Aufsichtsrat des angeschlagenen Bremer Klinikverbundes Gesundheit Nord geht nicht von einer raschen wirtschaftlichen Gesundung der vier Krankenhausstandorte aus. Für 2020 wird ein Defizit von 20 Millionen Euro erwartet
17.02.2020, 19:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Klinikverbund plant mit dickem Minus
Von Jürgen Theiner

Der städtische Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) wird in diesem Jahr voraussichtlich einen weiteren zweistelligen Millionenverlust erwirtschaften. Der Aufsichtsrat des Konzerns hat am Montagabend den Wirtschaftsplan für 2020 gebilligt, der ein Defizit von 20 Millionen Euro vorsieht. 2019 waren es rund 28 Millionen, spitz abgerechnet ist das desaströse zurückliegende Geschäftsjahr noch nicht. Ein ausgeglichenes Ergebnis erwartet die Gesundheit Nord erst wieder für 2024. Bis dahin soll ein ganzes Bündel von Maßnahmen für eine wirtschaftliche Stabilisierung der vier Häuser in Mitte, Nord, Ost und Links der Weser sorgen.

Die Geno ist das mit Abstand größte Sorgenkind der Bremer Kommunalpolitik. In den vergangenen Jahren hatte der Verbund mehrfach die selbst gesteckten finanziellen Ziele verfehlt. War man beispielsweise in das Geschäftsjahr 2019 mit einer Defizitprognose von 5,5 Millionen Euro gegangen, musste das voraussichtliche Ergebnis mehrfach nach unten korrigiert werden. Gründe dafür gab es zuhauf, unter anderem den Dauerkonflikt mit den Krankenkassen über die Korrektheit abgerechneter Leistungen. Zudem mussten immer wieder Stationen zeitweilig geschlossen werden, weil das rare Pflegepersonal an anderer Stelle benötigt wurde. Wirtschaftspläne vergangener Jahre wurden auch deshalb oft verfehlt, weil die Leistungsentwicklung zu optimistisch eingeschätzt worden war. Zumindest in diesem Punkt will man diesmal auf der sicheren Seite sein. "Wir haben für 2020 sehr zurückhaltend geplant", sagte Geno-Sprecherin Karen Matiszick nach der Aufsichtsratssitzung. Die Erträge aus medizinischen Behandlungen seien auf dem Niveau des Vorjahres kalkuliert.

"Schließungen wenigstens gut gemanagt"

Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke), die zugleich Geno-Aufsichtsratsvorsitzende ist, strebt für 2020 ein etwas ehrgeizigeres wirtschaftliches Ziel an als die Geschäftsleitung. Die 20 Millionen Miesen sind ihr zu viel. Geht es nach Bernhard, sollte der Fehlbetrag 15 Millionen Euro möglichst nicht überschreiten. Der Schlüssel für eine Verbesserung des Ergebnisses ist aus ihrer Sicht eine "intelligente Personalplanung". Angesichts des Fachkräftemangels insbesondere in der Pflege, teilweise aber auch im ärztlichen Bereich, müssten die vorhandenen Ressourcen zwischen den Häusern optimal verteilt werden. Dies auch vor dem Hintergrund bundesgesetzlicher Regelungen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zum 1. Januar per Verordnung weitere Mindestbesetzungsregelungen für bestimmte Klinikbereiche festgesetzt. Auch für Herzchirurgie, Neurologie, neurologische Frührehabilitation und Spezialstationen für Schlaganfall-Patienten gelten seither Untergrenzen für die personelle Ausstattung.

Nicht nur der Geno fällt es schwer, diese Limits zu garantieren. Oft geht es nur auf Kosten der Schließung anderer Stationen – was dann Einnahmeausfälle nach sich zieht. "Wenn wir schon zu diesem Mittel greifen müssen, dann sollten die zeitweiligen Schließungen wenigstens gut gemanagt werden", sagte die Senatorin. Für unverzichtbar hält sie zudem den Ausbau der Kurzzeitpflege für Entlasspatienten, eine Steigerung bei der Zahl der Ausbildungsplätze und eine verbesserte Abrechnung der erbrachten Leistungen gegenüber den Krankenkassen, damit es hierüber nicht mehr so häufig zu juristischen Auseinandersetzungen kommt.

Rainer Bensch (CDU): Bernhard handele "verantwortungslos"

Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Rainer Bensch, bezweifelt, dass die Geno schon auf dem Weg der Besserung ist. "Senatorin Bernhard hat offensichtlich nicht die politische Kraft, die notwendigen strukturellen und nachhaltigen Veränderungen herbeizuführen, die nötig sind, um die kommunalen Kliniken fit zu machen", sagte Bensch. Wer wie Bernhard nur "mutlos die Halbierung des Defizits" fordere und bis 2024 tiefrote Zahlen vorhersage, zugleich aber den notwendigen Sanierungsmaßnahmen aus dem Weg gehe, handele "verantwortungslos", urteilte Bensch.

Unterdessen gibt es eine personelle Veränderung an der Spitze der größten Geno-Klinik. Nach Informationen des WESER-KURIER scheidet die bisherige geschäftsführende Direktorin Daniela Wendorff aus der Leitung des Klinikums Mitte aus. Nachfolgerin soll Dorothea Stahl werden. Die neue Chefin kommt aus der Geno-Verwaltung, sie war dort bisher für Budgetmanagement und Medizincontrolling zuständig. Voraussichtlich zum Ende des ersten Quartals soll es auch in der Führungsetage der Geno selbst ein neues Gesicht geben. Claudia Bernhard sagte, sie befinde sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit Bewerbern für den Vorsitz der Geschäftsführung. Die Stelle ist vakant, seit die damalige Chefin Jutta Dernedde im November 2019 nach dem wirtschaftlichen Absturz des Klinikkonzerns gehen musste.

+++ Dieser Artikel wurde um 21:17 Uhr aktualisiert+++

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