Bremer Senat beschließt Änderungen Impfkampagnen in Corona-Hotspots

Für Geimpfte und Genesene in Bremen sollen negative Corona-Tests als Zugangshürden wegfallen. Das hat der Bremer Senat am Dienstag beschlossen. Außerdem soll es Impfaktionen in Corona-Hotspots geben.
04.05.2021, 17:12
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Impfkampagnen in Corona-Hotspots
Von Nina Willborn

In Bremen und Bremerhaven ist die Inzidenz am Dienstag weiter gesunken. Gleichzeitig steigt der Bevölkerungsanteil der Geimpften. Der Senat hat deshalb weitere Lockerungen beschlossen, die an den kommenden Tagen greifen. Außerdem soll zeitnah in Stadtteilen mit hohen Inzidenzen geimpft werden.

Köln als Vorbild

Köln macht es seit Montag vor: Weil die Sieben-Tages-Inzidenz im Stadtteil Chorweiler über 500 liegt, wird dort mit mobilen Teams geimpft. Auch in Bremen gibt es Stadtteile, in denen die Infektionszahlen deutlich höher als in anderen sind, deshalb sollen nun auch dort Impfkampagnen gestartet werden. Das bestätigt der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Lukas Fuhrmann, dem WESER-KURIER. „Allerdings wird es anders ablaufen als in Köln-Chorweiler, wo die Menschen ohne Anmeldungen vorbeikommen können. Wir wollen ein strukturiertes Verfahren mit Einladungen und einem Kontrollsystem.“ Geprüft würden derzeit auch die Standorte für die Impfaktionen, ob Gebäude oder Räume dafür gemietet werden könnten. In Bremen gehören etwa Gröpelingen, Huchting und Osterholz zu den Hotspots, in denen die Infektionsraten deutlich höher sind als in anderen Stadtteilen.

Wo begonnen werden soll, steht laut dem Sprecher noch nicht fest. Auch der Zeitpunkt für den Auftakt sei noch unklar. Laut Informationen des WESER-KURIER sollte bereits dieses Wochenende im Gespräch gewesen sein, das konnte Fuhrmann nicht bestätigen. „Das soll alles zeitnah passieren. Wir arbeiten unter Hochdruck daran“, so Fuhrmann. Die Aktionen seien durch die Impfverordnung gedeckt: Die Priorisierungsgruppe 3 umfasse explizit „Personen mit prekären Arbeits- und Lebensbedingungen“. Wie in anderen Städten zeigt sich auch in Bremen, dass Menschen in benachteiligten Regionen oder Stadtteilen ungleich härter von dem Virus betroffen sind.

Wie man Genesung nachweist

Bremerinnen und Bremer, die vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind, und alle diejenigen, die die Krankheit schon überwunden haben, sollen künftig von der Testpflicht ausgenommen werden. Als Nachweis überall dort, wo laut dem Infektionsschutzgesetz negative Corona-Tests vorgelegt werden müssen, soll auch der Impfpass gelten – vorausgesetzt, die zweite Impfung ist mindestens 15 Tage her. Wer mit Corona infiziert war, wird laut Behördensprecher Fuhrmann nur einmal geimpft. Für Genesene gilt: Sie können einen PCR-Test mit dem Nachweis einer Infektion vorlegen, wenn sie innerhalb der vergangenen sechs Monate infiziert waren. „Es geht um die Vorlage des PCR-Tests, mit dem die Infektion nachgewiesen wurde. Die sechs Monate gelten ab dem letzten Tag der Quarantäne“, sagt Fuhrmann. Vollständig Geimpfte und Genesene sind auch von den Testpflichten in Unternehmen ausgenommen.

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Alle anderen, das beschloss der Senat ebenfalls, können sowohl mit PCR-Tests als auch mit Antigen-Schnelltests und auch Selbsttests den Nachweis liefern, dass sie nicht erkrankt sind. Selbsttests müssen dabei allerdings vor Ort, etwa beim Friseur oder bei der Fußpflege, sowie unter Aufsicht gemacht werden. So soll sichergestellt werden, dass das Ergebnis tatsächlich aktuell ist und nur die Person Zugang zu der jeweiligen Dienstleistung erhält, die auch getestet wurde.

Friseurbesuch mit Selbsttest

Die Bremer Handwerkskammer begrüßte die neue Rechtsauslegung des Senats. „Wir freuen uns, dass jetzt wieder eine einheitliche Regelung mit Niedersachsen existiert. Außerdem ist es zu begrüßen, dass eine zusätzliche Hürde, die bei den stark von Corona-Einschränkungen betroffenen Friseuren Umsatzverluste verursacht hat, beseitigt werden konnte“, sagte Andreas Meyer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Bremen.

Eine weitere Änderung: Terminshopping soll wieder möglich sein, wenn die Inzidenz an fünf Tagen hintereinander den Wert von 150 unterschreitet. Außerdem wird mit der neuen Verordnung die Maskenpflicht an Grundschulen wieder in Kraft gesetzt – offiziell war sie es seit dem Urteil des Oberverfassungsgerichts vom 21. April wegen eines formellen Fehlers nicht.

Positiv in Bus und Bahn

Eine Debatte darüber, dass positiv auf das Coronavirus getestete Frauen und Männer nach ihrem Besuch im Testzentrum in Bus und Bahn steigen, ist in Bremen-Nord entbrannt. Der CDU-Gesundheitspolitiker Rainer Bensch fordert deshalb gesonderte Transportmöglichkeiten für Infizierte, etwa infektionssichere Taxen.

Anlass für Nachfragen liefert dabei unter anderem eine Handlungsanweisung der Bildungsbehörde, die an die Schulleiter gegangen ist. Wörtlich heißt es darin: „Der Schüler soll – je nach Alter mit Begleitung – umgehend mit dem positiven Ergebnis (...) direkt zum Testzentrum des MVZ fahren und kostenlos einen PCR-Test machen lassen. Bei Benutzung von Bus und Bahn muss eine FFP2-Maske getragen werden.“ Laut Annette Kemp, Sprecherin der Bildungsbehörde, besteht aber keine Notwendigkeit mehr, infiziert durch die Stadt zu fahren: Seit einiger Zeit könnten Schüler auch in Vegesack einen PCR-Test machen.

„Selbstverständlich sollten positiv Getestete den ÖPNV nach Möglichkeit meiden, wenn sie auf dem Weg in die häusliche Quarantäne sind“, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts, auf Anfrage unserer Zeitung. „Sollte das nicht möglich sein, sollen diejenigen selbstverständlich durchgehend mindestens eine FFP2-Maske tragen und Abstand zu anderen Personen halten.“ Einen Fahrservice für positiv Getestete gebe es jedenfalls nicht.

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