Für 16,7 Millionen Euro

Bremer Senat verkauft Parkhaus-Mitte an Zech

Nach zwei Jahren Verhandlung haben sich Bremen und der Unternehmer Kurt Zech über den Verkauf des städtischen Parkhauses-Mitte geeinigt. Zech will das Gebäude abreißen und eine City-Galerie entwickeln.
30.04.2019, 12:27
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Senat verkauft Parkhaus-Mitte an Zech
Von Jürgen Hinrichs
Bremer Senat verkauft Parkhaus-Mitte an Zech

Der Kaufpreis für das Parkhaus-Mitte liegt bei 16,7 Millionen Euro.

Frank Thomas Koch

Nach der Entscheidung des Senats, das Parkhaus-Mitte an den Unternehmer Kurt Zech zu verkaufen, ist die geplante City-Galerie im Herzen der Stadt ein beträchtliches Stück näher gerückt. Am Dienstag war der Handel bekannt gemacht worden. Zech zahlt für die Immobilie 16,7 Millionen Euro. Der Investor will die Immobilie abreißen lassen und die Fläche zusammen mit den Gebäuden von Karstadt und Kaufhof bis zum Jahr 2024 zu einer sogenannten City-Galerie umwandeln. Das Projekt gilt als Schlüssel für den erhofften Neuanfang der Bremer Innenstadt.

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„Nach vielen Jahren des Stillstands ist das ein Durchbruch für die Entwicklung der Innenstadt“, sagte Bausenator Joachim Lohse (Grüne) bei einer Pressekonferenz im Rathaus. Der Fokus liege dabei mitnichten allein auf dem Einzelhandel. Wichtig sei genauso, dass in den oberen Etagen der neuen Gebäude Wohnungen geschaffen würden. „Wir wollen außerdem den historischen Stadtgrundriss wieder freilegen, neue Rundläufe schaffen und dabei Flächen entwickeln, die bisher abseits lagen“, so der Senator. Mit Zech sei verabredet worden, bei Städtebau und Architektur einen hohen Standard zu erreichen.

Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) sprach von einem versöhnlichen Abschluss, nachdem vor vier Jahren der Plan für ein ­City-Center am Ansgarikirchhof gescheitert war. Günthner bezeichnete die Innenstadt damals als „toxisch“. Der Umschwung kam, als vor gut zwei Jahren die Geschäftszeile im Parkhaus-Mitte umgebaut werden sollte. Zech hörte davon und schlug vor, an einem ganz anderen Rad zu drehen. „Mit Herrn Zech haben wir einen der größten Projektentwickler an unserer Seite, und er ist auch noch Bremer“, freute sich der Senator. Parkhaus, Karstadt und Kaufhof seien die zentralen Spielsteine, die jetzt bewegt werden könnten.

Zech selbst war nicht dabei, als der Senatsbeschluss öffentlich gemacht wurde. Zwischen Lohse und Günthner saß stattdessen Wolfrat Voigt, ein enger Wegbegleiter des Unternehmers und Präsident der Gustav-Zech-Stiftung, die als Käufer des Parkhauses auftritt. „Die Bremer Innenstadt hat enormes Potenzial“, sagte Voigt, „wir wissen von großen Einzelhändlern, die nur darauf warten, dass hier etwas Grundlegendes passiert.“ Man müsse sich allerdings klarmachen, dass die Anforderungen noch ganz andere seien. „Nur der Handel kann das nicht mehr sein“, betonte Voigt. Sein Unternehmen wolle deshalb auf die Ergebnisse der „Ideenmeisterschaft“ vom vergangenen Jahr zurückgreifen. Außerdem sei ein Werkstattverfahren mit mindestens sechs Planungsbüros verabredet worden, das weit über einen Architekturwettbewerb hinausgehe.

Ob es bei Zech drei „Spielsteine“ bleiben oder noch ein vierter hinzukommt, das C&A-Gebäude gegenüber vom Kaufhof, ließ Voigt auf Nachfrage offen: „Es wäre nicht verkehrt, wenn auch dieses Haus einbezogen würde“, sagte er. Gespräche darüber gebe es zurzeit aber nicht.

Was jetzt erreicht wurde, war schon kompliziert genug. Fast zwei Jahre ist über den Verkauf des Parkhauses verhandelt worden. Die Schwierigkeiten lagen vor allem in der Verflechtung mit dem angrenzenden Galeria-Gebäude. Auf dem Dach des Kaufhauses gibt es 482 Stellplätze für Autos, die nur über das Parkhaus-Mitte zu erreichen sind. Der Eigentümer, die DIC Asset AG aus Frankfurt, hat signalisiert, kooperieren zu wollen. Möglicherweise verkauft er aber auch an Zech.

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Lange gerungen wurde beim Parkhaus-Deal auch um den Kaufpreis. In die Rechnung mit eingeht, dass Zech sich verpflichtet hat, den Abriss auf eigene Kosten durchführen zu lassen. Der Aufwand dafür liegt bei knapp drei Millionen Euro.

Weil in dem Gesamtpaket noch einige Unwägbarkeiten enthalten sind, wurde vertraglich festgelegt, dass beide Seiten von dem Geschäft wieder zurücktreten können. Das wäre zum Beispiel dann der Fall, sollte Zech gegen einen genau definierten Zeitplan verstoßen: Wenn der Bebauungsplan fertig ist, müssen ein Jahr später die Bauanträge eingereicht worden sein. Ist die Baugenehmigung da, hat Zechsechs Monate, mit dem Abriss zu beginnen. Drei Monate nach dem Abriss muss mit dem Bau begonnen werden. In 30 Monaten muss er fertig sein.

Zech wiederum kann den Handel rückgängig machen, wenn die Stadt nicht schnell genug das nötige Planungsrecht für das Areal schafft. Der neue Bebauungsplan muss demnach spätestens am 31. März 2024 gültig sein.

Kurt Zech.

Kurt Zech.

Foto: Karsten Klama

++ Der Artikel wurde um 19.03 Uhr aktualisiert. ++

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