Ärger über Müllentsorgung Bremer Stadtreinigung sucht Grundstück

Eine neue Recyclingstation mit einer Größe von bis zu 5000 Quadratmetern soll im Bremer Osten entstehen. Der Beirat Osterholz hat unterdessen die Wiedereröffnung der Station im Weserpark gefordert.
11.12.2019, 17:22
Lesedauer: 4 Min
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Bremer Stadtreinigung sucht Grundstück
Von Christian Hasemann

Das Thema Recyclingstation Weserpark hat die letzte Sitzung des Beirats Osterholz vor den Weihnachtsferien bestimmt. Beirat und Bevölkerung fordern von der Stadtreinigung Bremen und vom übergeordneten Umweltressort von Maike Schaefer (Grüne) eine kurzfristige Lösung. Beiratssprecher Wolfgang Haase machte zu Beginn der Diskussion klar, dass auch der Beirat von der Entscheidung der Bremer Stadtreinigung überrumpelt wurde. „Wir sind genauso überrascht, wie sie alle“, wandte er sich an die zahlreichen Besucher, die zum Teil bis auf den Flur des Ortsamtes standen. Angekündigt gewesen sei nur eine Prüfung.

„Und nun trifft uns die Konsequenz alle.“ Die Konsequenz ist die geschlossene Station im Weserpark und die teils langen Schlangen an den Ausweichstationen in Oberneuland und Hemelingen. Ein Zustand, der so nicht beibehalten werden könne, wie Wolfgang Haase meinte. Er monierte außerdem die späte Einbeziehung von Beirat und Ortsamt. „Wir sind nicht frühestmöglich informiert worden.“ Die Gutachtenvergabe wäre der richtige Zeitpunkt gewesen den Beirat zu informieren. „Dann hätten wir schon mal nach Alternativen schauen können.“

Kleine Station, große Mängel

Christian Vater vom öffentlichen Müllentsorgungsunternehmen hatte die nicht einfache Aufgabe, die Schließung der Anlage vor dem Beirat und den verärgerten Anwohnern zu begründen. Die Station im Weserpark sei etwas Besonderes. „Sie ist die kleinste mit 350 Quadratmetern, das ist wirklich winzig.“ Besonders sind auch die Öffnungszeiten: „Die waren an die Öffnungszeiten des Weserparks gebunden“, so Vater. Das heißt, dass sie bis Ladenschluss im Weserpark, also auch Sonnabends bis 20 Uhr, geöffnet hatte.

Nach der Übernahme der Station, die zuvor in privater Hand war, habe es Arbeitssicherheitsbegehungen der Stationen gegeben. „Es waren immer die gleichen Fragen, auf die wir stießen und die auch von den Arbeitern vor Ort an uns herangetragen wurden.“ Im Wesentlichen betrafen diese Fragen die Arbeitssicherheit und die Arbeitsstättenverordnung. „Wir haben dann einen externen Gutachter beauftragt.“

Dieser sei zu sehr deutlichen Ergebnissen gekommen. „Es gibt keinen Pausenraum, keine Dusche, keine Möglichkeit sich umzuziehen und keine eigene Toilette.“ Daneben sei ein Tor zu schwer zu bedienen und stelle eine Gesundheitsgefährdung für die Mitarbeiter dar. Insgesamt sei der Gutachter zu dem Ergebnis gekommen, dass diese Station nicht weiterbetrieben werden dürfe. „Wir würden uns als Arbeitgeber grob fahrlässig, wenn nicht sogar vorsätzlich Verhalten, wenn wir die Anlage weiterführen.“

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Die Stadtreinigung sei selbst von der Deutlichkeit des Gutachtens überrascht gewesen. Aus Sicht der Stadtreinigung gibt es am Standort in der Hans-Bredow-Straße nicht die Möglichkeit, die Anlage so zu erweitern, wie sich das Unternehmen den künftigen Betrieb von Recyclingstationen vorstellt. „Wir wissen, wie eine neue Station aussehen muss und suchen dafür eine Fläche im Bremer Osten“, so Christian Vater. Auf etwa 5000 Quadratmeter sollen sich die Recyclinghöfe der Zukunft ausbreiten – soweit möglich.

Darüber, dass kein Arbeiter gefährdet werden dürfe, bestand im Plenum Einigkeit. Beirat und Anwohner bezweifelten in der anschließenden Diskussion aber, dass es keine Möglichkeiten gibt, die Station kurzfristig so umzugestalten, dass wenigstens ein Minimalangebot bestehen bleibt. „Wir wollen, dass es im laufenden Betrieb zu Änderungen kommt“, stieg Wolfgang Haase in die Diskussion ein. Ralf Dillmann (Grüne) ergänzte: „Die jetzige Situation bringt massive Einschränkungen mit sich. Wenn sie Ausweichmöglichkeiten anbieten, dann nur, wenn sie sie auch die Öffnungszeiten aus dem Weserpark übertragen“, wandte er sich an Christian Vater.

Service für 30 000 Menschen

Wolfgang Schäfer sprach für eine Bürgerinitiative, die in der Sitzung eine Unterschriftensammlung mit 1118 Unterzeichnern überreichte. „Wir schlagen einen Runden Tisch vor mit Vertretern der Bürgerinitiative, der Stadtreinigung, Umweltsenatorin und Beirat.“ Die Station müsse wieder eröffnet werden. „Das ist so nicht hinnehmbar!“ Die Anlage im Weserpark ist von etwa 30 000 Einwohnern in Osterholz und Mahndorf in zehn Minuten per Fahrrad zu erreichen.

Das zeigen Daten der Internetseite Openroute Services, die vom Heidelberg Institute for Geoinformation Technology entwickelt wurde. Etwas weniger groß ist der Einzugsbereich der Recyclingstation Oberneuland: knapp 28 000 Einwohner können diese in zehn Minuten mit dem Fahrrad erreichen. 58 000 Menschen können dagegen die Hemelinger Recyclingstation in der Herman-Funk-Straße in derselben Zeit erreichen (siehe Grafik). Mit dem Wegfall der Station im Weserpark kommen also entweder deutlich längere Radwege auf die Anwohner zu oder aber mehr Fahrten mit dem Auto.

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Horst Massmann (SPD) sagte mit Blick auf den Karton mit den Unterschriftenlisten: „Sehr beachtlich, was sie erreicht haben. Und auch wir sind empört. Was ich an der Recyclingstation in Hemelingen erlebt habe, spottet jeder Beschreibung.“ Reinald Last von den Linken machte einen pragmatischen Vorschlag. „Man könnte die Station doch in einer abgespeckten Version betreiben und zum Beispiel die Annahme von Gelben Säcken aufgeben und stattdessen einen zusätzlichen Container für die Mitarbeiter aufstellen.“

Christian Vater blieb eine Antwort auf diese Vorschläge allerdings schuldig, bestätigte aber, dass es schon Vorschläge aus dem Ortsamt Osterholz zu zwei neuen möglichen Standort in Osterholz, beziehungsweise in Mahndorf gab. Der Beirat stimmte im Anschluss einstimmig für einen Antrag, in dem er eine übergangsweise Öffnung Wiedereröffnung der Recyclingstation fordert. Es solle geprüft werden, ob durch kurzfristige Maßnahmen ein Mindestmaß an Arbeitssicherheit hergestellt werden könne. Außerdem soll die Stadtreinigung kurzfristig ein Ersatzgrundstück im Bremer Osten suchen.

Weitere Informationen

Online-Petitionen können auf der Seite der Bremer Bürgerschaft gelesen und unterzeichnet werden. Die Internetadresse lautet: www.petition.bremische-buergerschaft.de.

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