Eigentümerwechsel auf der Überseeinsel

Neue Ideen im Schnee

Das Grundstück, auf dem Rickmers Reismühle produziert, hat den Eigentümer gewechselt. Der neue Besitzer Rolf Specht will auf der Überseeinsel perspektivisch Raum für Wohnen, Arbeiten und den Beat-Club schaffen.
12.02.2021, 05:00
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Neue Ideen im Schnee
Von Maren Beneke
Neue Ideen im Schnee

Rolf Specht (v.l.), Baustaatsrätin Gabriele Nießen, Bausenatorin Maike Schaefer und Ulrich Mittmann sind sich handelseinig. Im Jahr 2024 könnten, wenn alles nach Plan läuft, die Bagger rollen. Dann wäre Rickmers Reismühle an diesem Standort Geschichte.

Christina Kuhaupt

Seit wenigen Tagen ist die Tinte getrocknet, der Kaufpreis überwiesen. „Wir können Vollzug melden, von Vertragsseite her ist nun alles geregelt“, sagt Ulrich Mittmann, Geschäftsführer von Rickmers Reismühle. Sein Unternehmen ist Verkäufer eines 3,2 Hektar großen Grundstückes auf der Überseeinsel. Derzeit schleift der Produktionsbetrieb dort noch Reis und stellt sogenannte Convenience-Produkte, also solche, die schon vorgekocht sind, her. Doch damit soll, läuft alles nach Plan, im Jahr 2024 Schluss sein. Zumindest an dieser Stelle. Dann werden hier die Bagger rollen und die Käuferin des Areals, das ist die Specht-Gruppe, kann ihre Pläne umsetzen.

Das letzte größere Gelände auf der Überseeinsel

Zwischen Rickmers Reismühle und der Specht-Gruppe läuft ein Zug-um-Zug-Geschäft, an dem auch das Bau- und das Wirtschaftsressort beteiligt sind. Im August war bekannt geworden, dass die Unternehmensgruppe das letzte größere Gelände auf der Überseeinsel kaufen will (wir berichteten). Wenige Monate später, Mitte Dezember, hatten Firmenlenker Rolf Specht und die Baubehörde einen sogenannten Letter of Intent unterzeichnet, in dem sich beide Seiten auf die nächsten Schritte und darauf, was auf dem Areal passieren darf, einigten.

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„Wir hatten als Deadline das Jahresende als Ziel, um unsere Ideen zu Papier zu bringen“, sagt Specht. Zwischen Behörde und Unternehmensgruppe, deren Tochter Parkquartier Weserinsel GmbH das Gelände entwickeln soll, sei schnell ein Konsens hergestellt worden. Und das, damit hält Specht nicht hinter dem Berg, obwohl ein Modell gefunden werden musste, das für ihn auch wirtschaftlich ist. Kurz: Der Unternehmer will mit dem, was auf dem Areal gebaut wird, unterm Strich Geld verdienen. Lobende Worte findet auch Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne): Sie spricht von „sehr konstruktiven Verhandlungen“, die in „Rekordzeit“ zur Unterschriftenreife gebracht worden seien.

Wohnungen und Häuser im ehemaligen Gewerbegebiet

Der Plan in aller Kürze: Bislang war vor Ort nur gewerbliche Nutzung erlaubt, nun sorgt das Ressort für Veränderungen im Baurecht. Denn auf dem Gelände sollen Wohnungen und Häuser mit einer Bruttogeschossfläche von bis zu 35.000 Quadratmetern entstehen, 30 Prozent von ihnen als geförderter Wohnungsbau. Außerdem werden die Gebäude, in denen Leben und Arbeiten zusammenkommen sollen, nach einem speziellen KfW-Standard errichtet und teilweise mit Fotovoltaik-Anlagen ausgestattet.

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Auch eine Kita und ein Seniorenstift könnten vor Ort entstehen. Der Ufersaum wird park- oder waldähnlich und für die Öffentlichkeit frei zugänglich gestaltet. Außerdem ist ein Mobilitätskonzept im Gespräch, das zu 20 Prozent auf Autos setzt. Und, so die neueste Idee von Rolf Specht: Der Beat-Club könnte in dem Gebäude auf dem sogenannten Balkon, eine Fläche, die ein Stück weit in die Weser hineinragt, ein neues Zuhause finden. Schaefer spricht von einem „ganzheitlichen Ansatz, der hier verfolgt wird“. Ein Architektenwettbewerb mit mehreren Beteiligten soll in Zukunft für mehr Klarheit sorgen.

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Parallel zu den beiden Wendepunkten „Kaufabsicht“ und „Letter of Intent“ hatten Rickmers Reismühle, Wirtschaftsressort und Wirtschaftsförderung Bremen nach einem neuen Produktionsstandort für das Unternehmen gesucht. Und nun, noch einmal gut zwei Monate später, haben Specht-Gruppe und Reismühle die letzten Vertragsmodalitäten erledigt und auch die Verhandlungen über den neuen Standort der Produktionsfirma sind weit vorangeschritten. „Hier ist das Tintenfass auch schon geöffnet“, sagt Mittmann mit Blick auf ein Areal mit derzeit leer stehendem Produktionsgebäude in Oslebshausen, das, läuft alles nach Plan, die neue Heimat von Rickmers Reismühle werden soll. Die gut 100 Mitarbeiter der Stammbelegschaft sollen mit umziehen. Die Firma, die mit Pifin eine italienische Gesellschafterin hat, möchte am neuen Standort vor allem im Bereich Convenience expandieren, weil das Geschäft mit dem Reisschleifen, wie Mittmann sagt, in den vergangenen Jahren rückläufig gewesen sei.

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Im Frühjahr 2024 könnte, geht es nach Rolf Specht, Rickmers Reismühle umgezogen und auf dem dann ehemaligen Firmengelände an der Weser der Grundstein für die neuen Gebäude gelegt werden – sofern die Bauplanung bis dahin zu Ende angeschoben ist. Zwei bis zweieinhalb Jahre rechnet er dann noch einmal, bis das Gelände seine neue Gestalt angenommen hat.

Info

Zur Sache

Die Überseeinsel

Mit dem Rickmers-Reismühle-Grundstück hat das dritte und letzte Areal mit Weserzugang den Besitzer gewechselt. In der Nachbarschaft verfolgen WPD-Gründer Klaus Meier und Bauunternehmer Kurt Zech ganz ähnliche Pläne. Auf Meiers Grundstück, dem 15 Hektar großen, ehemaligen Kellogg-Gelände, läuft der Abriss, es wird ein Mix aus Wohnen und Arbeiten entstehen. Auch Zech plant auf dem Ex-Areal von Reimer Logistics eine Mischung verschiedener Nutzungen.

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