Plan für Hochhaus im Bremer Ostertor Bürgerinitiative kämpft weiter

SPD, Grüne und Linke in der Bremischen Bürgerschaft haben sich beim umstrittenen Hochhausprojekt im Bremer Ostertor mit dem Investor auf einen Kompromiss geeinigt. Der Bürgerinitiative reicht das nicht.
03.02.2020, 12:52
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Bürgerinitiative kämpft weiter
Von Jürgen Hinrichs

Die Bürgerinitiative gegen den Bau eines Hochhauses im Bremer Ostertor will in ihrem Widerstand gegen das Projekt nicht nachlassen. Das ist am Montag deutlich geworden, nachdem der WESER-KURIER darüber berichtet hatte, dass SPD, Grüne und Linke in der Bremischen Bürgerschaft sich auf einen Kompromiss mit dem privaten Investor geeinigt haben. Das Ergebnis der Verhandlungen: weniger Geschosse, mehr Sozialwohnungen. Den Anwohnern reicht das nicht, wie aus einer Pressemitteilung der Bürgerinitiative hervorgeht.

„Auch die neuen Vorschläge zu Abriss und Neubebauung auf dem Bundesbankgelände in der Kohlhökerstraße sind keine Lösung, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, schreiben die Aktivisten. SPD, Grüne und Linke würden ihr Wahlversprechen brechen, das Bundesbankgebäude um- und nachzunutzen statt den Abriss zu betreiben. Den Anwohnern solle in den engen Straßen jahrelanger Lkw-Verkehr zugemutet werden. Dazu komme die Feinstaubbelastung durch den Bauschutt. Auch sei durch den Abbruch mit Schäden an den umliegenden Gebäuden zu rechnen. Ein Vertreter der Initiative erklärte gegenüber dem WESER-KURIER, alle rechtlichen Möglichkeiten gegen den neuen Bebauungsplan für die Kohlhökerstraße ausnutzen zu wollen.

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Die drei Parteien der Regierungskoalition in der Bürgerschaft hatten auf die Proteste der Anwohner reagiert und Kontakt mit dem Investor aufgenommen. Evoreal, ein Projektentwickler aus Hamburg, wollte eigentlich 14 Geschosse bauen, als Kompromiss sind elf Geschosse herausgekommen. Bewegt hat sich das Unternehmen auch bei der Zahl von Sozialwohnungen. Bei insgesamt 180 Einheiten wird der Anteil von staatlich geförderten Wohnungen nun bei 30 Prozent liegen und nicht mehr bei 25 Prozent, wie ursprünglich geplant.

Die 7000 Quadratmeter große Fläche auf der Ecke Kohlhökerstraße/Salvador-Allende-Straße war vor drei Jahren von der Deutschen Bundesbank an Evoreal verkauft worden. Einige Monate später stellte der Entwickler seine Pläne vor, die neben dem Hochhaus weitere Gebäude umfassen, die deutlich niedriger sein werden. Damals regte sich unter den Anwohnern noch kein Widerstand. Es verging ein gutes halbes Jahr, bis die Bürgerinitiative ihre Arbeit aufnahm. Seitdem tobt ein erbitterter Streit, der viel Aufmerksamkeit bekommt.

„Wir wussten, wohin der Hase läuft, und sind nicht überrascht“, kommentiert Initiativensprecher Ingo Kramer die Entscheidung der Koalition. Statt 160 Wohnungen würden jetzt 180 gebaut. Und aus dem einen Hochhaus würden drei, weil bei den anderen Gebäuden etwas oben drauf komme. Für Kramer steht fest: „Wir werden das nicht akzeptieren.“ Er stelle bei der Planung jede Menge Verstöße fest, gegen die Einspruch erhoben oder geklagt werden könne.

Dass SPD, Grüne und Linke in dieser Phase zum Hochhausplan ein Ergebnis präsentieren, empfindet der ehemalige Verwaltungsrichter als stillos: „Der Beirat hält eine Sondersitzung ab, lädt uns Anwohner ein, und dann ist trotzdem schon alles entschieden.“ Die Versammlung findet an diesem Dienstag um 18 Uhr im Gemeindesaal der Freien Christengemeinschaft in der Heinrichstraße statt. Evoreal wollte diesen Termin abwarten und am Montag zur neuen Entwicklung seines Projekts noch nicht Stellung nehmen.

+++ Dieser Text wurde aktualisiert um 21:33 +++

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