Am Bremer Hauptbahnhof

City-Gate ist offiziell eröffnet

Am Freitag ist das City-Gate vor dem Bremer Hauptbahnhof offiziell eröffnet worden. Bürgermeister Carsten Sieling durchschnitt zusammen mit dem Investor ein rotes Band.
10.05.2019, 13:19
Lesedauer: 3 Min
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City-Gate ist offiziell eröffnet
Von Jürgen Hinrichs

Mit einem symbolischen Akt ist am Freitag das City-Gate vor dem Bremer Hauptbahnhof offiziell eröffnet worden. Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) und der Investor Achim Griese durchschnitten ein rotes Band und gaben damit den Weg durch die Passage frei. Der 60 Meter lange Durchgang liegt zwischen den beiden Häusern, die während einer fast vierjährigen Bauphase entstanden sind. Das lange Zeit hoch umstrittene und mit großen Schwierigkeiten verbundene Projekt hat mehr als 100 Millionen Euro gekostet.

„Glückwunsch, was Ihnen hier gelungen ist“, sagte Sieling an die Adresse des Investors. Architektur sei Geschmackssache, spielte der Bürgermeister auf die Kritik an der Formensprache des Baumeisters Max Dudler an. Sieling hat kein Problem damit, im Gegenteil: „Ich fand‘s von Anfang an gut.“ Auch deshalb, weil der Bahnhofsplatz jetzt einen Rahmen bekommen habe und so überhaupt erst richtig wahrgenommen werde.

Über lange Jahre hätten verschiedene Senate versucht, die städtebauliche Wunde vor dem Bahnhof zu schließen, so der Bürgermeister. Nun sei es endlich vollbracht. „Das Projekt ist auch ein Symbol für den Aufbruch in der Innenstadt. Sie gehen vorweg“, lobte Sieling den Investor.

"Bau war eine Herausforderung"

Für Achim Griese sprach am roten Band sein Geschäftsführer Ulf Wachholtz, der den Bau während der gesamten Phase begleitet hat. Zusammen mit der Planung sind dafür mehr als sieben Jahre ins Land gegangen. Wachholtz ließ in seiner Rede nicht aus, welche Probleme es in dieser Zeit gab. „Es war mit den vielen Unwägbarkeiten eine Herausforderung“, sagte er und erwähnte exemplarisch die Baugrube – das „Bremer Loch“, wie sie getauft wurde, nachdem es dort über viele Monate nicht mehr voranging.

Die Arbeiten mussten gestoppt werden, weil die Grube nicht hielt und an den Rändern absackte. Über die Ursache gab es Streit mit dem Tiefbauunternehmen. Der Investor trennte sich schließlich von der Firma. „Das war eine Pleite“, gab Wachholtz unumwunden zu. Eine Zeitlang drohte sogar Gefahr, dass die Baugrube geflutet werden muss. Ein City-Gate hätte es dann nicht mehr gegeben.

Doch dann wendete sich das Blatt. „Wir haben uns entschieden, für den Weiterbau keinen Generalunternehmer zu engagieren, mit dem wir möglicherweise nicht auf Augenhöhe gewesen wären“, erzählte der Geschäftsführer. Stattdessen versuchten sie es mit diversen mittelständischen Firmen aus Bremen und der Region. „Das hat hervorragend geklappt, die lassen Fünfe auch mal gerade sein.“ Das Ergebnis sei ein stolzes Tor zur Stadt, ein Angebot, das die Bahnhofsvorstadt nachhaltig bereichern werde. Entwickler verkaufen ihrer Projekte oft, wenn sie fertig geworden sind. Wachholtz schloss das aus: „Wir bleiben der Stadt als Eigentümer erhalten.“

Drogerie und Backshop seit März geöffnet

Die ersten Geschäfte hatten im City-Gate bereits Ende März geöffnet, eine Drogerie und ein Backshop. Am 16. Mai kommen ein Parkhaus dazu, das von der städtischen Brepark betrieben wird und 280 Stellplätze umfasst, außerdem die Lebensmittelkette Rewe, der Burgergrill Hans im Glück, das Aktionskaufhaus Woolworth und Dienstleister wie die BSAG. Weitere Mieter sind ein Eiscafé, die Pizza-Pasta-Kette Vapiano, der Coworking-Anbieter Regus, verschiedene Ärzte und mit dem Adagio und Ibis Budget auch zwei Hotels. Sie haben zusammen 300 Zimmer und werden am 17. Mai zunächst in reduzierter Form den Betrieb aufnehmen.

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Die beiden Häuser mit ihren zehn Geschossen, drei davon unter der Erde, und einem Mietraum von 35.230 Quadratmetern sind nicht ausverkauft, es gibt noch freie Flächen, darunter auch welche im Erdgeschoss, wo weitere Läden untergebracht werden sollen. Zuletzt hatte der Investor davon gesprochen, dass er für etwa 80 Prozent feste Zusagen habe.

Im Februar 2012 war das sogenannte "Investorengrundstück Bahnhofsvorplatz" für 5,9 Millionen Euro an die Hamburger Achim-Griese-Treuhandgesellschaft verkauft worden. Es ist exakt 5555 Quadratmeter groß und wird von Verkehr umtost, auch das machte die Bauarbeiten so schwierig.

Auf der Bahnhofsseite verläuft direkt angrenzend ein Gleis der BSAG, auf der die Linie 4 nach Lilienthal unterwegs ist. Es musste geschlossen werden, als an der Stelle die Erde absackte. Aus demselben Grund wurde für eine Nacht auch die Hochstraße gesperrt. Sie hatte sich ein wenig zur Seite geneigt und musste wieder ins Lot gebracht werden.

Es gibt außerdem die zwei stark befahrenen Straßen direkt am City-Gate. Spötter sagen, dass man auf der einen Seite der Passage von der Straßenbahn überfahren wird und auf der anderen Seite vom Auto.

Nach dem Erwerb des Grundstücks hatte es trotz mehrfacher Ankündigungen des Investors, mit dem Bau beginnen zu wollen, bis zum Jahr 2015 gedauert. So symbolisch wie am Freitag mit dem roten Band ging es damals mit dem obligatorischen ersten Spatenstich los. Sieling konnte sich noch gut erinnern: "Das war mein erster Spatenstich als Bürgermeister."

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++ Dieser Artikel wurde um 16.50 Uhr aktualisiert. ++

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