Appell: Verzicht aufs Feuerwerk Comet-Firmenchef warnt vor schweren Folgen

Die Länderchefs und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) empfehlen, Raketen und Böller dieses Jahr im Keller zu lassen. Comet-Chef Richard Eickel warnt vor schwerem Schaden für die Feuerwerks-Branche.
25.11.2020, 05:00
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Comet-Firmenchef warnt vor schweren Folgen
Von Nina Willborn

Paletten voll mit Kartons, auf denen so klangvolle Namen wie „Midnight Rider“, „Tears of fire“ oder „Berserker“ prangen, werden bald wieder aus Bremerhaven, wo die Firma Comet Feuerwerk ihren Stammsitz hat, oder der Gemeinde Wedemark, wo Rohr Feuerwerke sitzt, in die norddeutschen Geschäfte geliefert. Ob es dann dort oder an den Stammsitzen der Pyro-Experten den alljährlichen Ansturm auf Raketen, Kanonenschläge und Batterien mit Spezialeffekten geben wird, hängt davon ab, was den Fans der Böllerei wichtiger ist: dem Appell der Politik zu folgen oder der Sehnsucht nachzugeben, trotz Pandemie Silvester wie immer zu feiern.

Ein allgemeines Verbot werden die Chefs der Bundesländer und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Mittwoch voraussichtlich nicht erlassen. Die Ministerpräsidenten legen in ihrer Beschlussvorlage den Menschen allerdings nahe, das Feuerwerk in diesem Jahr ausfallen zu lassen. Zudem soll es Städten und Kommunen freistehen, die Knallerei überall dort zu untersagen, wo sich am 31. Dezember in den Stunden um Mitternacht traditionell viele zum Umarmen und In-den-Himmel-gucken aufhalten – genau das muss aus Sicht der Politiker verhindert werden. Öffentliche Großfeuerwerke, wie sie normalerweise beispielsweise auf einigen friesischen Inseln in die Luft gejagt werden, sollen verboten werden.

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„Wir können beruhigt sagen, dass wir alle Bestellungen fristgerecht ausliefern werden“, sagt Comet-Geschäftsführer Richard Eickel. Ein generelles Verbot hätte er wie alle Vertreter seiner Branche für komplett unzulässig gehalten, und auch mit dem Verzichtsappell sind sie nicht richtig glücklich. „Dass Großveranstaltungen ausfallen müssen, ist nachvollziehbar“, sagt Comet-Sprecher Norman Edelmann. „Aber es muss möglich sein, in kleinem Kreis zu feiern, also rauszugehen, ein paar Raketen zu zünden und wieder reinzugehen.“ Das Problem sei eher die Neigung der Menschen, mit steigendem Alkoholpegel näher zusammenzurücken. „Ein Alkoholverbot würde näher an die Ursache des Problems führen, als Feuerwerke einzuschränken.“

Für Comet mit einem Umsatz von rund 65 Millionen Euro im Jahr wie für die gesamte Feuerwerksindustrie sind die letzten Wochen des Jahres geschäftsentscheidend. „Die gesamte Branche macht 95 Prozent ihres Umsatzes an den letzten drei Tagen im Jahr“, sagt Geschäftsführer Eickel. „Wir sogar ganze 100 Prozent. Es lässt sich also gut vorstellen, was ein Verbot unseres Kerngeschäfts bedeuten würde.“

Ein Ausfall des Silvestergeschäfts in diesem Jahr würde laut Eickel sowohl die Comet als auch viele andere in dauerhafte Schwierigkeiten bringen. „Es wäre dann von einem dauerhaften Wegfall des Großteils der pyrotechnischen Industrie in Deutschland als Folge auszugehen“, sagt er. Sämtliche Produktions- und Vertriebstätigkeiten: umsonst. 3000 Stellen könnten deutschlandweit wegbrechen. Eickel: „Die Folgen für angeschlossene Branchen etwa in den Bereichen Handel und Logistik sind damit noch nicht berücksichtigt.“

Für Bremen ist völlig unabhängig von der Pandemie, nämlich aus Sicherheitsgründen, die Ausweitung der Sperrzone in der Innenstadt auf den Bereich zwischen den Schlachte-Brücken geplant. Laut einer Sprecherin des Innenressorts wäre es denkbar, auch das Schnoorviertel hinzuzunehmen. Genau definiert sind die zusätzlichen Gebiete aber noch nicht. „Wir wollen erst die Beschlüsse am Mittwoch abwarten“, sagte sie. Außerdem sei auch das Infektionsgeschehen in den kommenden Wochen ein Faktor, der berücksichtigt werden müsse.

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