Corona-Pandemie

7,4 Milliarden Euro für Corona-Impfstoff

Länder und Organisationen stellen für Impfstoffe und Medikamente gegen Corona 7,4 Milliarden Euro zur Verfügung. Bremer Forscher: Bis der Impfstoff da ist, kann es anderthalb bis zwei Jahre dauern.
05.05.2020, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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7,4 Milliarden Euro für Corona-Impfstoff
Von Sabine Doll
7,4 Milliarden Euro für Corona-Impfstoff

Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer hält die milliardenschwere Finanzspritze zur Erforschung eines Corona-Impfstoffs für besonders wichtig (Symbolbild).

Matthias Balk/dpa

Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer hält die milliardenschwere und globale Allianz, zu der sich am Montag Dutzende Länder und Organisationen für die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten gegen das Coronavirus zusammengetan haben, für einen bedeutenden Schritt. „Es ist absolut sinnvoll und notwendig, Fördermittel in dieser Größenordnung bereitzustellen, damit verschiedene Ansätze bei der Entwicklung ausgetestet werden können.

Denn man weiß nicht, welches der geeignete Impfstoff ist, der tatsächlich Immunschutz gibt“, sagt der Uni-Professor dem WESER-KURIER. Die EU-Kommission hatte die Geberkonferenz organisiert. Ziel war eine Summe von 7,5 Milliarden Euro, 7,4 Milliarden Euro sind am Montag zusammengekommen. Mit einer Milliarde Euro trägt die EU-Kommission selbst einen großen Anteil dazu bei.

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Weitere Großspenden kommen aus Deutschland (525 Millionen Euro), Frankreich (500 Millionen Euro), Großbritannien (442 Millionen Euro) und Kanada (780 Millionen Euro). Die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung sagte 100 Millionen Euro zu, Italien 140 Millionen Euro. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen machte klar, dass in den kommenden Wochen und Monaten noch viel mehr Geld gebraucht werde.

Weltweit forschen Unternehmen an Impfstoffen gegen das Virus, auch deutsche Firmen wie das Tübinger Unternehmen Cure-Vac hoffen auf einen baldigen Durchbruch. Aus wissenschaftlicher Perspektive geht es laut dem Bremer Virologen um die Frage, wie die erforderliche Immunreaktion durch einen Impfstoff ausgelöst werden könne. „Sind es tatsächlich die Antikörper, oder braucht man auch eine Aktivierung der sogenannten zytotoxischen Zellen, also von Killerzellen?“ Bei manchen Viruserkrankungen seien beide wichtig, deshalb sei es notwendig, sich bei der Entwicklung möglichst breit aufzustellen. Dotzauer: „Das kostet sehr viel Geld.“

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warnte am Sonntag im ARD-„Bericht aus Berlin“ vor voreiligen Hoffnungen. Womöglich könne es sogar noch Jahre dauern, bis ein wirksamer Impfstoff zur Verfügung und dieser in ausreichenden Mengen produziert sei. Der Bremer Gesundheitsforscher und Pharmakologe Gerd Glaeske geht im günstigen Fall von insgesamt anderthalb bis zwei Jahren aus.

Das größte Problem sei, dass es sich bei Sars-CoV2 um ein neues Virus handele. „Beim neuartigen Coronavirus muss erst der genetische Code isoliert werden, allein die Identifikation kann mehrere Monate dauern“, betont der Bremer Uni-Professor. Danach folgten mehrere Phasen der klinischen Prüfung auf Wirkung und Nebenwirkungen, die Zulassung und schließlich die Produktion. Zwar könnten die Verfahren, etwa die Zulassung, beschleunigt werden, „ein Schnellschuss ist aber völlig unrealistisch“.

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Dazu komme die Zeit, bis die Bevölkerung durchgeimpft sei: Wolle man allein 50.000 bis 60.000 Menschen am Tag impfen, entspreche dies 1000 Arbeitstagen und damit vier bis fünf Jahren. Insofern sei vor allem auch die Erforschung von Medikamenten von enormer Bedeutung. Auch dazu laufen weltweit Studien, auch mit Bremer Beteiligung. Das Institut für Pharmakologie des Klinikverbunds Gesundheit Nord ist federführend für den deutschen Teil einer Medikamenten-Studie der Weltgesundheitsorganisation.

Für „ausgesprochen wichtig“ hält Glaeske auch sogenannte Antikörpertests, die zeigen sollen, wer bereits eine Corona-Infektion durchgemacht hat. Die Tests könnten auch Erkenntnisse über das tatsächliche Ausbruchsgeschehen liefern. Das Komplizierte daran sei: Auch in früheren Grippe-Epidemien hätten Coronaviren immer eine Rolle gespielt. „Der Test muss die Antikörper unterscheiden können, die durch das Coronavirus entstanden sind“, so der Bremer Arzneimittelforscher.

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Dies ist offenbar dem Schweizer Pharmariesen Roche gelungen: Rund drei Millionen Antikörpertests sollen noch im Mai an Gesundheitseinrichtungen in Deutschland ausgeliefert werden. „Der neue Test ist eine wichtige neue Wegmarke im Kampf gegen das Virus“, sagte Bundesgesundheitsminister Spahn. Für die Folgemonate seien weitere Auslieferungen von jeweils fünf Millionen Tests vereinbart. Der Bluttest solle vor allem auch helfen, Unklarheiten zur Dunkelziffer zu beseitigen.

„Sobald gesicherte Erkenntnisse über eine mögliche Immunität nach durchgemachter Infektion vorliegen, werden die Tests noch größere Bedeutung gewinnen“, sagte Spahn. Derzeit würden von seinem Haus noch die Grundlagen erarbeitet, für welche Bevölkerungsgruppen – beispielsweise Mitarbeiter in Medizin und Pflege sowie Risikogruppen – der Antikörpertest zunächst primär zur Verfügung stehen solle. Geklärt werde außerdem noch, in welchen Fällen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten übernehmen. Generell könne sich aber sofort jeder auf eigene Kosten testen lassen. Laut Roche-Verwaltungsratspräsident Christoph Franz sollen die Antikörpertests weniger als „mehrere Hundert Euro“ kosten.

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