Unterstützung durch Betriebsärzte

Bremer Unternehmen wollen beim Impfen helfen

Wenn genügend Corona-Impfdosen erhältlich sind, würden einige Bremer Unternehmen ihre Belegschaft über die Betriebsärzte impfen lassen und auch beim Impfen der Bevölkerung unterstützen.
20.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Unternehmen wollen beim Impfen helfen
Von Peter Hanuschke
Bremer Unternehmen wollen beim Impfen helfen

Vorausgesetzt es gibt genügend Impfdosen auf dem freien Markt, gibt es Bremer Unternehmen, die über die eigenen Betriebsärzte ihre Mitarbeiter impfen lassen und auch beim Impfen der Bevölkerung unterstützten würden.

Uwe Zucchi /dpa

Je schneller alle Mitarbeiter eines Unternehmens gegen Covid-19 geimpft sind, desto schneller kann es wieder ohne Einschränkungen wie vor der Pandemie produzieren. Deshalb erwägen einige Bremer Unternehmen, ihre Belegschaft über Betriebsärzte impfen zu lassen und damit die Immunisierung der Bremerinnen und Bremen zu beschleunigen – sofern dafür Impfdosen zur Verfügung stehen. Ebenso stehen die Bremer Apotheken bereit, um in die Impfstrategie eingebunden zu werden.

Zu den Konzernen, die sich vorstellen können, ihre Mitarbeiter selbst zu impfen, gehört das Bremer Stahlwerk. „Wir haben dem Land angeboten – bei entsprechender Verfügbarkeit und Lagermöglichkeiten des Impfstoffs – unsere Belegschaft durch den Gesundheitsdienst im Werk impfen zu lassen“, sagt Michael Hehemann, Arbeitsdirektor von Arcelor-Mittal Bremen. Zudem sei der Konzern mit der Idee eines eigenen lokalen Impfzentrums auf dem Werksgelände auf den Senat zugegangen. Eine Entscheidung stehe noch aus.

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„Wenn Impfstoffe in ausreichender Menge auf dem freien Markt erhältlich sind, werden wir intern Angebote machen, so wie bei der jährlichen Grippeschutzimpfung“, sagt Angela Dittmer, Sprecherin des Bremer Energieversorgers SWB. „Der betriebsärztliche Dienst würde dann die Covid-19-Impfung vornehmen. Dieses Angebot wäre kostenlos und für jeden Mitarbeiter freiwillig.“ Die BLG Logistics Group plant, zu gegebener Zeit eine Zulassung für Betriebsärzte zur Covid-19-­Schutzimpfung zu beantragen.

Derzeit reichen die Kapazitäten der etwa 400 deutschen Impfzentren mehr als aus. Das könnte sich ändern. Angesichts steigender Mengen an Impfstoff für Deutschland drohen laut Bundesregierung Engpässe bei den Impfkapazitäten. Basis dafür ist die Einschätzung von Experten des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung. Sie rechnen mit Schwierigkeiten, den Menschen die wachsende Zahl der Impfdosen zu verabreichen: „Schon im März könnte die Kapazität der Impfzentren nicht mehr ausreichen, um alle verfügbaren Dosen zu verimpfen.“

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Der Flugzeugbauer Airbus, der in Bremen, Hamburg und Stade produziert und Standorte in verschiedenen europäischen Ländern hat, begrüßt die laufenden Impfprogramme in den einzelnen Ländern. „Sollte sich künftig eine Möglichkeit ergeben, in Einklang mit den jeweiligen nationalen Programmen das Impfen der Mitarbeiter zu unterstützen, könnte dies geschehen, vergleichbar mit den Angeboten für Grippeschutzimpfungen“, so ein Sprecher.

Zudem gibt es Betriebe, die ihre Erfahrungen durchs innerbetriebliche Grippeimpfen einbringen würden. So plant etwa der Konzern Thyssen-Krupp, zu dem auch das Bremer Unternehmen Atlas Elektronik gehört, im Anschluss an die Impfkampagne des Bundes auch bei der allgemeinen Immunisierung der Bevölkerung zu helfen. Die konkrete Ausgestaltung müsse noch geplant werden, so ein Sprecher. „Grundsätzlich wären unsere Betriebsärzte aber ideal geeignet, um in der Breite den Impfstoff zu verabreichen.“

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Die Apotheken sind noch nicht in die Impfstrategie einbezogen. „Das wäre derzeit auch noch nur schwer umzusetzen“, sagt Sebastian Köhler, Sprecher der Apothekerkammer Bremen. Das liege nicht daran, dass in diesem Fall der Bund die Beschaffung des Impfstoffes übernommen habe und zahle. Vielmehr gebe es nicht die Infrastruktur, um die erforderliche Kühlkette bei teils minus 70 Grad Celsius einzuhalten.

„Wir gehen aber davon aus, dass die Hersteller relativ schnell erfolgreich die Galenik verändern, um die Anwendung des Impfstoffs noch alltagstauglicher werden zu lassen“, so Köhler. Galenik bezeichnet die Lehre von der Zubereitung und Herstellung von Arzneimitteln. Spätestens wenn der Impfstoff zumindest bei Kühlschranktemperaturen zu lagern, zu transportieren und in ausreichender Menge vorhanden sei, könnten auch niedergelassene Ärzte das Impfen übernehmen, um so größere Kapazitäten zu schaffen. „Dann werden auch die Apotheken einbezogen, um die Beschaffung und die Verteilung der Impfstoffe an die Ärzte zu realisieren – so wie das auch bei allen anderen Impfungen praktiziert wird.“

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Niedersachsen startet Pilotprojekt für Arztpraxen

Das Land Niedersachsen und die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) wollen in ei­nem Pilotprojekt Corona-Impfungen in Arztpraxen erproben. „Man plant, Anfang März zu beginnen“, sagte ein Sprecher der KVN am Freitag.

Für den Testlauf sollen vier bis fünf Praxen in einer Region bestimmt werden. Es sei absehbar, dass bei einer zunehmend besseren Verfügbarkeit der Vakzine die Impfzentren mit der Immunisierung der Bevölkerung überfordert seien, sagte der Sprecher. Aus Sicht der Ärzteschaft müssen für das Pilotprojekt drei Kriterien erfüllt sein: Die Lieferkette müsse für die Praxen funktionieren, der Impfstoff müsse problemlos gelagert werden können, und es müsse seitens der Politik detailliert geklärt sein, wie die Reihenfolge aussieht. „Die Ärzte möchten keine Diskussionen in den Praxen, wer zuerst dran kommt“, sagte der Sprecher. In der kommenden Woche solle es weitere Informationen zu dem Projekt geben.

Auch in Bremen planen niedergelassene Ärzte und die Kassenärztliche Vereinigung Bremen (KVHB) für einen Impfstart in den Praxen. Man sei sofort bereit, hatte KVHB-­Sprecher Christoph Fox schon am Donnerstag dem WESER-KURIER gesagt.

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