Neue Infektion in Kattenescher Grundschule

Zwei Corona-Fälle an Bremer Schulen

Eine Woche nach Ferienende gibt es einen zweiten Corona-Fall in einer Grundschule in Kattenesch. Unterdessen ist die Quarantäne für die meisten Kippenberg-Schüler schon wieder aufgehoben worden.
04.09.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Zwei Corona-Fälle an Bremer Schulen
Von Frank Hethey

Eine Woche nach Ferienende vermeldet die Gesundheitsbehörde zwei Corona-Fälle an Bremer Schulen: Nach einer Neuntklässerin am Kippenberg-Gymnasium in Schwachhausen (wir berichteten) hat sich jetzt auch ein Schüler der Alfred-Faust-Grundschule in Kattenesch infiziert. Wie die Gesundheitsbehörde am Donnerstag mitteilte, sind alle 80 Kinder seiner Kohorte (Lerngruppe) erst einmal in häusliche Quarantäne geschickt worden. Zugleich gab die Behörde Entwarnung für die meisten Kippenberg-Schüler, die am Vortag vorsorglich nach Hause gehen mussten. Von den 150 Angehörigen des neunten Jahrgangs verbleiben nur drei Betroffene in Quarantäne, hinzu kommt eine Lehrkraft.

Dass die Quarantäne für die fünf neunten Klassen des Kippenberg-Gymnasiums so schnell wieder aufgehoben werden konnte, wertet das Gesundheitsressort als Ergebnis der akribischen Nachforschungen der sogenannten Containment-Scouts des Gesundheitsamts. „Sie haben mit Hochdruck daran gearbeitet, die Infektionswege nachzuvollziehen“, sagte Ressortsprecherin Kersten Artus. „Wer nicht in der Nähe der infizierten Schülerin war, befindet sich objektiv auch nicht in Gefahr.“ Das lasse sich schon jetzt sagen, obwohl die Ergebnisse der Corona-Tests noch nicht eingetroffen seien und bislang keine Klarheit über den Ort der Ansteckung bestehe.

Maßnahmen greifen

Damit dürfen die Neuntklässler bereits an diesem Freitag wieder in die Schule gehen. Mit einem entsprechenden Schreiben habe die Schule die Eltern über den neuesten Stand in Kenntnis gesetzt, sagte die Ressortsprecherin. Ihr Fazit: Die vorgesehenen Maßnahmen greifen, Bremens Krisenmanagement zeige Wirkung. Das gilt laut Bildungsbehörde auch für die Unterrichtsversorgung, bei Quarantäne-Maßnahmen werde sofort von Präsenz- auf Distanzunterricht umgestellt.

Für infizierte Schülerinnen oder Schüler hat das Gesundheitsressort einen Stufenplan ausgearbeitet, der alle Schritte zum Umgang mit dem Infektionsgeschehen bis ins Detail regelt. Danach gelten alle Schüler aus der Kohorte des oder der Infizierten zunächst als Kontaktpersonen der Kategorie 1, das heißt: als Personen mit höherem Infektionsrisiko. Der Grund: Innerhalb einer Kohorte sind die Abstandsregeln grundsätzlich aufgehoben. Deshalb werden sie bei Bekanntwerden eines Infektionsfalls prophylaktisch ohne Ausnahme in Quarantäne geschickt.

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Binnen sieben Tagen muss dann überprüft werden, ob die Einordnung in die Kategorie 1 bestehen bleiben soll oder eine Einstufung in die Kategorie 2 vorgenommen werden kann. In Letzterer besteht keine Quarantänepflicht, nur die dringende Empfehlung, den Kontakt zu Dritten soweit wie möglich zu reduzieren. „Allen sind Corona-Tests angeboten worden“, sagt Ressortsprecherin Artus. Eine Testpflicht gibt es nicht. Es werde den betroffenen Schülern aber „sehr nahegelegt“, einen kostenlosen Test zu machen. Im Falle einer Weigerung lautet die Alternative 14 Tage Quarantäne. „Und die wird durch das Ordnungsamt auch kontrolliert“, so Artus.

Bei dem Corona-Fall am Kippenberg-Gymnasium hat es sich laut Gesundheitsbehörde nicht um einen Ausbruch gehandelt. Als Definitionsgrundlage dient das Infektionsschutzgesetz. Danach kann erst von einem Ausbruch gesprochen werden, wenn „zwei oder mehr gleichartige Erkrankungen auftreten, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird“.

Name durch Panne veröffentlicht

Die Gesundheitsbehörde mahnt zu einem besonnenen Umgang mit Corona-Fällen an Schulen. „Wir sollten die Wogen nicht zu hoch schlagen lassen“, sagte Artus mit Hinweis auf die Urlaubszeiten und die eher milderen Verläufe bei jüngeren Menschen. Genau das ist aber im Falle der Kippenberg-Schülerin passiert. Durch eine Panne gelangte der Name des infizierten Mädchens in die Öffentlichkeit. Weshalb Schulleiter Axel Herzig in einer E-Mail an die Eltern äußerste Zurückhaltung anmahnte. „Aus besonderem Anlass bitten wir unbedingt von Schuldzuweisungen gegenüber den Betroffenen abzusehen.“

In beiden Fällen handelt es sich um Reiserückkehrer. In welchem Urlaubsland die Neuntklässlerin war, ist der Behörde nicht bekannt. Wohl aber das Reiseziel des Grundschülers – er war in Bulgarien. Doch daraus lässt sich nicht ohne weiteres schließen, seine Familie habe ihn einer höheren Ansteckungsgefahr ausgesetzt. Bulgarien ist nach Angabe des Robert Koch-Instituts nicht als Ganzes als Risikogebiet eingestuft, die Reisewarnung gilt nur für zwei Verwaltungsbezirke: einer befindet sich im äußersten Osten des Balkanstaats, der andere am Schwarzen Meer.

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Vor Panikmache warnt auch der Zentralelternbeirat (ZEB). Er sei „total tiefenentspannt“, sagte Vorstandssprecher Martin Stoevesandt. Für ihn stellt sich das Infektionsgeschehen als „einfache Mathematik“ dar: Im Land Bremen besuche jeder Zehnte eine Schule, bei akut rund 160 Infizierten sei demnach mit 16 Fällen unter Schülern zu rechnen. „Da sind bislang zwei Fälle eigentlich eine gute Zahl.“

Unterdessen gibt der Bremer Virologe Andreas Dotzauer zu bedenken, Kinder als Verbreiter des Virus dürften nicht unterschätzt werden nur weil der Verlauf bei ihnen eher symptomlos sei. „Symptomlos heißt nicht, dass kein Virus produziert und übertragen wird.“ Deshalb fordert er eine Maskenpflicht auch in den Klassenräumen. Denn: „Man kann nicht davon ausgehen, dass in den Lerngruppen der Abstand eingehalten werden kann und das Lüften reibungslos funktioniert.“

Senat lehnt Maskenpflicht ab

Eine Maskenpflicht in den Klassen lehnt der Senat aber ab. „Wir setzen auf genügend Lüftung“, sagt Annette Kemp, Sprecherin des Bildungsressorts. Das Thema sei in den Rahmen-Hygieneplänen der Schulen fest verankert und mit der Gesundheitsbehörde wie auch Experten abgestimmt.

Von den 54.710 Schülern der 143 allgemeinbildenden Schulen in der Stadt Bremen befinden sich nach aktuellem Stand 83 in Quarantäne. Vor den Ferien gab es laut Bildungsbehörde 30 Corona-Fälle in 23 Schulen.

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