Bremen reagiert verhalten auf neue Verordnung Schnelltest-Verordnung für Schulen stößt in Bremen auf Skepsis

Eine neue Verordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die es Lehrern erlaubt, eigenständig Corona-Schnelltests vorzunehmen, stößt in Bremen nur auf verhaltene Resonanz.
04.12.2020, 05:00
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Schnelltest-Verordnung für Schulen stößt in Bremen auf Skepsis
Von Timo Thalmann

Eher zurückhaltende Reaktion gibt es im Bremer Bildungsressort auf den jüngsten Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Er hatte angekündigt, dass bereits diesen Freitag eine Verordnung in Kraft tritt, die Lehrern und Erziehern die rechtliche Grundlage liefert, um selbstständig Corona-Schnelltests vornehmen zu können. Bislang darf nur ausgebildetes medizinischem Personal den notwendigen tiefen Rachenabstrich vornehmen. Für den schon realisierten selbstständigen Einsatz der Schnelltests in Pflegeeinrichtungen sind die examinierten Pflegekräfte eigens geschult worden.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, hat in diesem Zusammenhang einen Hygienebeauftragten an jeder Schule vorgeschlagen, der entsprechend weitergebildet dann diese Tests sinnvoll einsetzt. Dazu bedürfe es einer gewissen Kenntnis, aber das sei laut Wieler „wirklich machbar“.

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„Wir bieten allen Beschäftigen in den Schulen schon jetzt regelmäßig die Möglichkeit zu kostenlosen Tests“, begründete Annette Kemp, Sprecherin des Bildungsressorts, die Zurückhaltung. Das sei nicht in jedem Bundesland so, weshalb Spahns Vorstoß woanders möglicherweise als wichtiger bewertet werde. Für die Tests durch externes medizinisches Personal habe das Bildungsressort aus eigenen Mitteln Testkapazitäten beim Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Mitte eingekauft. Die Möglichkeiten aus Spahns neuer Verordnung werde man mit dem Gesundheitsressort beraten.

Neu ist mit der jüngsten am 1. Dezember vom Senat beschlossenen Coronaverordnung eine andere Möglichkeit: Mittels eines Schnelltests mit negativem Ergebnis kann eine ausgesprochene Quarantäne als Kontaktperson der Kategorie 1 jetzt schon nach frühestens fünf Tagen beendet werden. Dafür hat das Bildungsressort Testkapazitäten für bis zu 500 Schüler pro Tag beim MVZ Mitte eingekauft.

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Betroffene müssen sich unter Angabe des Kontaktzeitpunktes dort anmelden, weil Schnelltests nur in einem bestimmten Zeitfenster nach der möglichen Ansteckung verlässliche Ergebnisse liefern. Allerdings bedeutet dieses Angebot auch, dass Personen, die eigentlich unter Quarantäne stehen, aus dem gesamten Stadtgebiet zum MVZ kommen müssen. Ob dabei zum Beispiel öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden dürfen oder Fahrtkosten erstattet werden, teilte das Bildungsressort auf Nachfrage nicht mit.

Bislang gelten Schulen nicht als besondere Treiber der Corona-Pandemie. Bei knapp 74.000 Schülerinnen und Schülern in Bremen wurden seit Beginn des Schuljahres insgesamt 577 positiv getestet, davon 58 in Grundschulen. Bei den Lehrkräften gab es 78 Fälle, davon 29 in Grundschulen. Aktuell waren am 1. Dezember 153 Kinder und Jugendliche positiv getestet. In 23 Fällen handelt es sich um Grundschüler, 85 Infektionen entfallen auf weiterführende Schulen bis Klasse 13 und 45 auf die berufsbildenden Schulen.

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Reihentests an Schulen

An vier Schulen wurden im Laufe dieser Woche Corona-Reihentests für alle Schülerinnen und Schüler angeboten. Auf freiwilliger Basis wurden die Tests am Montag in der Oberschule an der Schaumburger Straße durchgeführt, am Dienstag in den Grundschulen Andernacher Straße und Humannstraße und am Mittwoch am Gymnasium Vegesack. Eine umfassende Auswertung liegt laut Bildungsressort noch nicht vor. In Bremerhaven werden ähnliche Stichproben als Radartestungen bezeichnet und laufen schon seit Anfang November. Getestet werden Schüler und Lehrer durch zwei mobile Teams vor Ort. Insgesamt werden täglich acht Einrichtungen je Team besucht. Dabei werden mindestens 80 Personen abgestrichen, bevorzugt Leute mit Erkältungssymptomen. Das Ziel ist, eine Quote zu ermitteln, hinter wie vielen Erkältungen sich tatsächlich Corona-Infektionen mit nur leichten Symptomen verbergen könnten.

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