Eröffnung der Sail "Das ist der Wahnsinn hier"

Ein bisschen Verzögerung darf schon sein, scheinen sich die Sail-Macher am Vormittag gesagt zu haben: Rund 40 Minuten später als geplant kommen die Großsegler Mittwoch in Bremerhaven an, geführt von der „Alexander von Humboldt II“.
13.08.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Frank Miener

Ein bisschen Verzögerung darf schon sein, scheinen sich die Sail-Macher am Vormittag gesagt zu haben: Rund 40 Minuten später als geplant kommen die Großsegler Mittwoch in Bremerhaven an, geführt von der „Alexander von Humboldt II“ und begleitet von unzähligen kleinen Booten und Seglern.

„Ein Traum ist das“, findet Roswitha Stenken (68), die seit der ersten Sail 1986 dem Windjammerfieber verfallen ist und viele der Schiffe wie gute alte Bekannte begrüßt. „Och, schade, die ,Sedov’ hätte doch auch mal Segel setzen können“, kommentiert die Cuxländerin. Und warum ist die „Krusenstern“ so schnell unterwegs, das sprengt doch die Formation? „Aber es ist schon ein Traum“, zieht sie ihr Fazit.

Ein Fazit, das Zigtausende teilen können: Sie bevölkern vor allem den Lohmann-Deich zwischen Sportboot- und Kaiserschleuse sowie den Weserdeich von Seebäderkaje bis Weserstrandbad. Hier allerdings müssen die Besucher eine Einschränkung hinnehmen: Nicht alle Schiffe passieren die Havenwelten, viele müssen vorher wenden, um in die Schleusen zu gelangen. Fast alle Segler werden so beinahe gleichzeitig in die Häfen bugsiert, wo sie bis Sonntagabend bleiben.

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Etwa eine Stunde dauert es vom Start der Parade bis zum Ende, allerdings kreuzen zahlreiche Segler noch länger auf der Weser. Als Kulisse dienen für die Zuschauer nicht nur das Luxus-Segelschiff „Sea Cloud II“, das für einen Passagierwechsel einen Logenplatz am Schlepperponton eingenommen hat, sondern auch die vielen anderen Boote und Schiffe auf dem für den normalen Verkehr gesperrten Fluss.

„Das ist der Wahnsinn hier“, sagt auch Gert Riggers, der aus dem Norden stammt, nun aber im Saarland wohnt. Seit Jahren kommt er zur Sail, um Freude von früher zu treffen und das maritime Flair in sich aufzusaugen. Das gilt für viele Besucher: Schweizer Touristen kommen in Piratenverkleidung, um die Sail zu feiern. „Maritimes ist doch einfach toll“, sagt Marlies Baumgarten, die 2010 ihren heutigen Ehemann auf der Sail kennen gelernt hat.

Maritimes Flair gibt es schon früh morgens, als viele Windjammer noch Passagiere für die Sail-In-Parade aufnehmen, als Typhone ständig Willkommensgrüße über das Festgelände tuten und Seemannslieder auf den zahlreichen Bühnen erklingen. „Es ist wunderbar, hier Schiffe zu sehen und zu besuchen, das macht die Sail aus“, schwärmt eine Passantin vor der norwegischen „Statraad Lehmkuhl“, die bereits früh am Tag ein Open Ship angeboten hat.

Rund 270 Schiffe nehmen dieses Jahr an der Sail teil, sie liegen in Altem und Neuem Hafen sowie an der Seebäderkaje. Ihre Besatzungen laden noch bis Sonnabend die Besucher zu Besichtigungen ein. „Ich will mir jedes angucken“, sagt der zwölfjährige Silas, als er sich gerade den Plan mit den Bordstempeln abholt. Die Sammelwut hat ihn vor fünf Jahren gepackt. „Damals habe ich nicht alle bekommen“, erzählt er. Dieses Mal soll ihm das aber nicht passieren – er hat einen Plan für alle fünf Tage. „Krusenstern“, „Goetheborg“ und „Mir“ stehen heute auf seinem Programm.

Zeit genug hat er ja noch. Erst am Sonntag laufen die Schiffe wieder aus, Kurs Amsterdam zur dortigen Sail. Auch dort gibt es eine Einlaufparade, und die Großsegler zeigen sich wieder in all ihrer Pracht.

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