Bundesweite Zahlen DB-Regionalzüge in Bremen am häufigsten verspätet

DB-Nahverkehrszüge kommen in der Hansestadt bundesweit am unpünktlichsten an. Auch die privaten Anbieter fahren häufig verspätet ein, sehen die Schuld daran aber zum Teil bei der Deutschen Bahn.
15.04.2019, 12:49
Lesedauer: 3 Min
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DB-Regionalzüge in Bremen am häufigsten verspätet
Von Sebastian Krüger

In keinem anderen Bundesland sind die Regionalzüge der Deutschen Bahn so unpünktlich wie in Bremen. Nach Bahn-Definition ist ein Zug pünktlich, wenn er weniger als sechs Minuten verspätet ist. Wie der Konzern am Montag mitteilte, waren das im vergangenen Jahr in Bremen gerade einmal 86 Prozent. Bundesweit lag der Durchschnitt bei 94,1 Prozent. Spitzenreiter ist Hamburg mit einer Pünktlichkeitsquote von 97,7 Prozent. An zweiter Stelle folgt Berlin mit 97,3 Prozent.

Die bloßen Zahlen verraten jedoch nicht die ganze Wahrheit: Berlin und Hamburg schnitten auch deshalb so gut ab, weil die jeweilige S-Bahn mitgezählt wurde. Die gilt ab vier beziehungsweise ab drei Minuten als verspätet, entlastet aber durch ihre kurzen Strecken und vielen Fahrten die Statistik. Ohne S-Bahn läge die Pünktlichkeit in Hamburg etwa nur bei 89 Prozent, wie aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag hervorgeht. Das S-Bahnnetz in Bremen wird von der Nordwestbahn (NWB) betrieben und fällt daher aus der Statistik heraus. In Sachen Wartezeit landet Bremen ebenfalls auf dem letzten Platz: 8,7 Minuten mussten Fahrgäste 2017 im Durchschnitt auf verspätete Züge warten. In Hamburg waren es zwei Minuten weniger.

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Die Deutsche Bahn befährt in Bremen und umzu die drei Nahverkehrsstrecken von Bremerhaven über Bremen nach Osnabrück, von Bremerhaven über Bremen nach Hannover sowie von Hannover über Bremen bis Norddeich-Mole. Bei letzterer Verbindung gilt eine Besonderheit: Fahren die Züge im sogenannten Expresskreuz Bremen-Niedersachsen im Zweistundentakt, wird die Verbindung zwischen Bremen und Emden durch den IC stündlich befahren. Nahverkehrstickets gelten auf dem Abschnitt auch im Fernverkehr.

Die Nordwestbahn (NWB) mit Sitz in Osnabrück ist ein weiterer Anbieter im regionalen Nahverkehr. Die Pünktlichkeit im regionalen Netz habe 2018 insgesamt bei 84,94 Prozent gelegen, sagte NWB-Sprecher Steffen Högemann. Die NWB misst Verspätung etwas anders als die Deutsche Bahn, Züge gelten bereits ab einer Verspätung von vier Minuten als unpünktlich. Zwischen den verschiedenen Verbindungen weist die Pünktlichkeit starke Schwankungen auf: Die Regio-S-Bahn RS1, die zwischen Bremen-Farge und Verden verkehrt, war in 88,79 Prozent aller Fälle pünktlich.

Probleme mit der Infrastruktur

Die RS2 zwischen Bremerhaven-Lehe und Twistringen kam lediglich zu 80,25 Prozent pünktlich ans Ziel. „Die Strecke ist extrem vom Güterverkehr genutzt“, sagt Högemann. Durch das hohe Verkehrsaufkommen sei die Verbindung überlastet. Wenn Güterzüge verspätet fahren, müsste der Nahverkehr häufig warten. „Das Netz hängt sehr stark zusammen, eine Verspätung führt schnell zur nächsten“, sagt er. Zwischen Bremen-Hbf und Bad Zwischenahn fährt die RS3 in 86,83 aller Fälle pünktlich, die RS4 zwischen Bremen-Hbf und Nordenham zu 83,92 Prozent.

Fast 90 Prozent der Verspätungen seien auf Probleme mit der Infrastruktur zurückzuführen, sagt Högemann. Das heißt: Störungen an Bahnübergängen und Weichen oder Signalstörungen. Für die Instandhaltung der Strecken ist die DB Netz als Eigentümer verantwortlich. Der Großteil der Strecke gehört dem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, nur die Farge-Vegesacker Eisenbahn ist mitsamt befahrener Strecke eigenständig. Der Bremer Senat und die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) verteilen jeweils für Bremen und Niedersachsen die Aufträge für den Nahverkehr. Erreicht die NWB die vorgegebene Pünktlichkeitsquote von 90 Prozent nicht, müsse das Unternehmen unabhängig von den Gründen Strafe zahlen. Daher werde die NWB zur Kasse gebeten, obwohl die Schuld in vielen Fällen beim Netzbetreiber liege, wie er sagt.

Zwischen Bremen und Hamburg bedient die Metronom Eisenbahngesellschaft mit Sitz in Uelzen den Nahverkehr. Zwischen Bremen und Hamburg sei der RE4 zu 89 Prozent pünktlich gewesen, der RB41 in 87 Prozent aller Fälle, sagt Sprecher Björn Pamperin. Monatlich variieren die Zahlen zwischen 80 und 94 Prozent. Auch er begründet den Großteil der Verspätungen mit der Infrastruktur: „Mehr als 80 Prozent der Verspätungen haben ihre Ursache in besetzten Gleisen, defekten Signalen oder Überholung durch Güter- und Fernverkehr.“ Lediglich drei Prozent seien auf eigene Fehler zurückzuführen, wie etwa kurzfristige Krankmeldungen.

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