Kritik vom Landessportbund Demo gegen marode Turnhallen in Bremen

Der Sportverein Grambke-Oslebshausen hat mit einer ungewöhnlichen Aktion auf dem Bremer Marktplatz für mehr Sporthallen geworben. Doch nicht nur er ist mit der Situation unzufrieden.
19.06.2018, 20:32
Lesedauer: 4 Min
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Demo gegen marode Turnhallen in Bremen
Von Kristin Hermann

Es sieht witzig aus, wie die Mitglieder des Sportvereins Grambke-Oslebshausen (SVGO) den Bremer Marktplatz zu ihrem Sportplatz umfunktioniert haben. Wie ein Ausflug. Sie turnen um den Roland herum, spielen Handball und Fußball vor der Bürgerschaft. Doch die Aktion hat einen ernsten Hintergrund. Der SVGO hatte am Dienstag zu der ungewöhnlichen Aktion aufgerufen, um auf den schlechten Zustand der Sporthallen in Grambke und Oslebshausen aufmerksam zu machen.

Die Initiatoren wollten mit diesem Auftritt eine schnellere Umsetzung der Sporthallensanierungen erreichen – sowie den Bau weiterer Sportstätten. Konkret fordern sie unter anderem eine Mobilbauhalle in Oslebshausen als kurzfristigen Ersatz für die nicht vorhandenen Sporthallen. Darüber hinaus setzen sie sich für ein sportpolitisches Konzept für den Ortsteil Grambke ein.

Zu viele Sportler nutzen gleichzeitig die Hallen

Die Situation in den Stadtteilen spitzt sich seit Ende 2016 zu, sagt Vereinsvertreter Holger Bussmann. Seitdem habe der Verein etwa 600 Mitglieder verloren – etwa 2100 sind aktuell noch übrig. "Viele sind damit unzufrieden, dass die Gruppen zu voll sind und zu viele Sportler gleichzeitig die Halle nutzen", sagt Bussmann. Das mache sich besonders in den Umkleideräumen bemerkbar, die permanent überfüllt seien. Auch den ansässigen Schulen könne man nicht gerecht werden und ausreichend Fläche und Zeit zur Verfügung stellen. Dass der Bremer Westen besonders unterversorgt ist, was sie Situation der Schulturnhallen betrifft, ist auch aus Behördenkreisen zu hören.

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Doch nicht nur die Situation im Westen und im Norden der Stadt verärgert die Sportler. Insgesamt werden insbesondere die Schulturnhallen seit Jahrzehnten stiefmütterlich in der Politik behandelt, sagt Andreas Vroom, Präsident des Landessportbundes. Wie viele andere Vertreter von Vereinen, Elterninitiativen oder dem Gesundheitstreffpunkt West war er am Dienstag zu der Kundgebung gekommen, um die Anliegen der Schulen und Vereine zu unterstützen. "Eine Halle nach der anderen muss geschlossen werden. Sei es durch Schimmelpilzbefall, den schlechten Zustand der sanitären Anlagen oder weil die Statik nicht mehr trägt", sagt er. "Bevor alle Hallen marode sind, sollte man lieber jetzt investieren. Diese Forderung werden wir auch bei der Bürgerschaftswahl im kommenden Jahr einbringen."

Sanierungsstau in Sporthallen nicht konkret beziffert

Der Landessportbund ist besonders verärgert darüber, dass die Politik den Sanierungsstau in Sporthallen seit Jahren nicht konkret beziffern könne. "Immobilien Bremen und das zuständige Finanzressort benötigen allein für die Aufstellung eines Sanierungsplans für die etwa 160 Schulsportstätten zwei Jahre", so Vroom weiter. Im Herbst dieses Jahres sollen nun erste Ergebnisse eines solchen Katasters vorgestellt werden.

Von den 144 Schulstandorten in Bremen verfügen nach Angaben der Bildungsbehörde 123 über eine Sporthalle direkt auf dem Schulgrundstück oder unmittelbar angrenzend auf städtischer Liegenschaft. "Da Schulsport zu den Regelaufgaben der Stundentafel in sämtlichen Schulstufen zählt, sollen grundsätzlich alle Schulen – unabhängig von der Anzahl ihrer Schülerinnen und Schüler – Zugang zu Sporthallenkapazitäten haben", sagt Annette Kemp, Sprecherin der Bildungsbehörde. Standorte, die über keine eigene Schulsporthalle verfügen, nutzen für den Schulsportunterricht in der Regel naheliegende städtische Hallen oder mieten laut Behörde Hallenzeiten in nahe gelegenen Sporthallen von Sportvereinen an.

Wie belastend es für einige Schüler werden kann, wenn die Halle nicht direkt auf dem Schulgelände ist, erklärten die Mitglieder des SVGO während der Demonstration. Sie nannten unter anderem das Beispiel der Grundschule Grambker Heerstraße, die über keine eigene Sporthalle verfügt, sondern nur über eine Bewegungshalle aus den 50er-Jahren. "Diese Halle entspricht in keiner Form den heutigen sicherheitstechnischen Ansprüchen. Außerdem steht sie etwa 15 Minuten Fußmarsch entfernt von dem eigentlichen Schulgebäude", sagt Bussmann.

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Dass es mehrere Hallen im Stadtgebiet gibt, die nicht mehr den heutigen Ansprüchen gerecht werden, räumt auch die Behörde ein. Momentan sind acht Hallen nicht nutzbar, drei davon befinden sich in Gröpelingen. Die Sanierungsmaßnahmen sollen ab Herbst beginnen, andere Standorte müssen komplett abgerissen und neu gebaut werden, wie die Halle an der Oslebshauser Heerstraße oder die Sportstätte der Oberschule an der Hermannsburg in Huchting. Für zehn weitere Hallen hat die Planung für Sanierungsarbeiten laut der Bildungsbehörde und Immobilien Bremen begonnen. Wann es konkret losgeht, sei jedoch noch unklar.

Zahl der Schüler steigt massiv an

Neben der Instandsetzung bereits vorhandener Hallen wird in den kommenden Monaten auch darüber diskutiert werden müssen, wie viele Schulsportstätten neu gebaut werden müssen. Wie berichtet, steigt die Zahl der Schüler massiv an. Zum Schuljahreswechsel im Sommer wird die Verwaltung die notwendige Infrastruktur für 56 zusätzliche Klassenverbände aus dem Boden stampfen müssen. "Für diese Zuwächse benötigt man nicht nur Unterrichtsräume, sondern auch die entsprechenden Sportflächen", sagt Vroom. Nach Angaben der Bildungsbehörde ist derzeit aber noch unklar, wie viele zusätzliche Flächen man tatsächlich für den Sportunterricht benötige. "Wir werden den Bedarf im Rahmen der Schulstandortplanung ermitteln müssen", kündigt Kemp an.

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