Ausstellung im Universum Bremen

Der mobile Mensch: Wie wird der Verkehr der Zukunft aussehen?

Die für 2019 geplante Mobilitätsausstellung im Universum Bremen wirkt wie ein großes Experiment. Die Veranstalter und Initiatoren erhoffen sich von ihr viele neue Erkenntnisse.
13.12.2018, 21:03
Lesedauer: 3 Min
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Von Eva Przybyla
Der mobile Mensch: Wie wird der Verkehr der Zukunft aussehen?

Bald in groß: Hanke Homburg von der Gruppe für Gestaltung präsentiert das Modell der Ausstellung in der Werkstatt.

Frank Thomas Koch

Wie werden wir uns in der Zukunft durch die Stadt bewegen? Und wie wird die Stadt dann überhaupt aussehen? Diesen Fragen will die für 2019 geplante Ausstellung „Der mobile Mensch“ im Universum Bremen nachgehen. In der offenen Waller Werkstatt ermöglichten die Veranstalter des Universum Bremen am Donnerstag erstmalig einen Blick auf den Ausstellungsplan und einige Exponate. In der Mitte des Raums zeigte ein Modell in vielen Farben die verwinkelten Gänge der 550 Quadratmeter großen geplanten Ausstellung.

Dass es dabei um mehr als nur Infotainment geht, wird auf der langen Liste der Initiatoren und Kooperationspartner deutlich, darunter das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Mercedes-Benz-Werk Bremen und die Bremer Straßenbahn AG (BSAG). Sie finanzieren nicht nur die Ausstellung, sondern sind auch aktiv involviert. „Bis zu 16 Workshops machen wir mit den Experten der Unternehmen“, sagt Hanke Homburg, Geschäftsführer der Gruppe für Gestaltung (GfG). Sein Kreativunternehmen plant den Ausstellungsparcours und stellt die Exponate her. Zu jedem Thema der Mobilitätsausstellung berieten ihn die Kooperationspartner, so etwa zu umweltfreundlicher Technik, Entschleunigung und Städteplanung, erläutert Homburg.

Visionen für die zukünftige Fortbewegung in der Stadt

Schon bei den ersten Expertentreffen sei klar geworden, dass es nicht nur eine Vision für die zukünftige Fortbewegung in der Stadt gebe. „Wir wollen deshalb mit der Ausstellung ein Verständnis für die Unterschiedlichkeit der Entwürfe herstellen“, sagt Homburg. Dabei wolle er keine futuristischen Verkehrsmittel präsentieren. „Das wird keine Messe“, ergänzt sein GfG-Kollege, Carsten Dempewolf, „wir wollen den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen.“

Diese Bedürfnisse müsse der Ausstellungsbesucher zunächst selbst herausfinden. Dafür solle er acht Stationen durchlaufen und sich darin in Spielen sowie Befragungen testen. Sicherheit, Komfort, Flexibilität und viele weitere Faktoren werden erhoben. Das zeigt der Plan. Alle Ergebnisse speichere sein Begleiter, ein kleiner intelligenter Ball, sagt Dempewolf. Die Daten würden dann noch im Museum ausgewertet und der Besucher erfahre, welcher Mobilitätstyp er sei.

„Die Typen speisen sich aus aktuellen Studien“, erläutert Homburg. Derzeit würde die GfG diese noch mit den Verkehrsforschern des deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ausarbeiten. Einer davon ist Bernhard Fehr, der die gesamte Ausstellung wissenschaftlich begleitet. „Für mich ist das durchaus ein Erkenntnisgewinn“, sagt der Experte. Die Ergebnisse der Ausstellungsbesucher könnten den Fokus der Forschung verändern. Derzeit gebe es bereits viele Konzepte für neue Gefährte, die industriell produziert werden sollen. Für die Produktion sei eine hohe Akzeptanz bei den künftigen Nutzern von Vorteil. Um die zu gewährleisten, müsse man die Bedürfnisse der Stadtmenschen kennen.

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„Um fliegende Autos geht es noch nicht“, sagt Fehr und lacht. Auch Drohnen klammere er bei den Verkehrskonzepten für die Zukunft noch aus. „Das ist alles noch sehr weit weg“, meint er. Wichtig seien realistische Ideen, wie etwa selbstfahrende Autos und Busse, die miteinander vernetzt sind.

Vollautomatisierte Paket- und Mobilitätsstation

Realistisch sind auch die Konzepte der Bremer Wohnungsbaugesellschaft Gewoba, die in die Ausstellung einfließen sollen, denn viele gibt es schon: Carsharing- und Bikestationen in Wohnquartieren in der Vahr sowie eine vollautomatisierte Paket- und Mobilitätsstation. „Die neue Mobilität verändert auch das Quartier“, erläutert Christine Dose von der Gewoba. Und das wiederum habe Einfluss darauf, wie die Wohnungsbaugesellschaft die Quartiere plane. Sie sei dabei eng in Kontakt mit der Stadt, die bereits in die gleiche Richtung strebe.

Alle Anwesenden Initiatorinnen und Initiatoren kommen schnell auf das Thema Klimaschutz zu sprechen – ein fester Bestandteil aller neuen Mobilitätsvisionen. Auch bei der Quartiersplanung spielt für Dose eine nicht unerhebliche Rolle. „Die Paketstation sorgt beispielsweise dafür, dass weniger Lieferwagen durch das Wohngebiet fahren müssen“, sagt die Wohnungsbauexpertin. Beim Verkehr sieht der Experte Fehr großes Einsparungspotenzial. Die SWB, ebenfalls Sponsor und Kooperationspartner der Mobilitätsausstellung, setzt auf Elektromobilität und sauberen Strom. Was alle diese Vorstellungen zusammen ergeben, darauf darf man bis zur Ausstellungseröffnung am 20. Juni gespannt sein. Denn am Ende des Parcours erwartet den Besucher ein Blick in „seine“ virtuelle Stadt – gestaltet nach seinen Bedürfnissen.

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